Nach zweieinhalb Wochen auf See hat Spanien dem Rettungsschiff «Open Arms» offiziell Algeciras in Andalusien als sicheren Hafen angeboten.

Der Vorschlag der Regierung in Madrid, die Hafenstadt Algeciras anzusteuern, sei angesichts der Notlage an Bord «vollkommen undurchführbar», sagte eine Sprecherin der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms am Sonntag dem Radiosender Cope.

«Seit Tagen davor gewarnt»

Die Lage auf der «Open Arms» sei so schlimm, dass mehrere Migranten ins Meer gesprungen seien, so Oscar Camps, der Gründer von Proactiva Open Arms. «Wir haben seit Tagen davor gewarnt, die Verzweiflung hat Grenzen. Sie springen ins Wasser und Helfer versuchen, sie aufzuhalten.»

Augenzeugen zufolge war die Situation an Bord zuletzt immer angespannter geworden. Einige Migranten hatten demnach bereits damit gedroht, Selbstmord zu begehen oder über Bord zu springen.

Nachdem 27 unbegleitete Minderjährige am Samstag auf der italienischen Insel Lampedusa von Bord durften, harrten noch 107 Migranten auf dem Schiff der spanischen NGO aus. Seit Donnerstag liegt das Schiff in unmittelbarer Nähe von Lampedusa. Jedoch weigert sich Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini strikt, die Menschen an Land zu lassen.

Touristen fotografieren das spanische Rettungsschiff «Open Arms» vor Lampedusa nahe der italienischen Küste. Reuters

«Die unfassbare Reaktion der italienischen Behörden und insbesondere des Innenministers Matteo Salvini, alle Häfen zu schliessen», habe Spanien zur Öffnung von Algeciras veranlasst, heisst es in einer Mitteilung der Regierung in Madrid. Salvini reagierte auf Twitter: «Wer hart bleibt, gewinnt.»

Nicht das einzige Boot

In ihrer zweieinhalbwöchigen Irrfahrt hatte die «Open Arms» zeitweise fast 160 Migranten an Bord. Jedoch waren einige gesundheitlich so angeschlagen, dass sie in den vergangenen Tagen nach Malta und Italien gebracht wurden.

Die italienische Küstenwache hat derweil nahe Lampedusa 57 Migranten auf einem Boot entdeckt und auf die Insel gebracht. Es handele sich wahrscheinlich um Tunesier, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Unter den Migranten waren eine schwangere Frau und ein Junge, der offenbar einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte.

Südlich von Sizilien wartete auch das Rettungsschiff «Ocean Viking» mit 356 Migranten auf die Erlaubnis, in einen sicheren Hafen fahren zu können. Die Organisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen (MSF) hatten die Menschen in mehreren Einsätzen in Sicherheit gebracht. MSF twitterte zuletzt: «Wir wissen, was diese im Meer geretteten Menschen durchgemacht haben. Wir kennen den Horror in Libyen, vor dem diese Menschen fliehen.»