Der Test wäre nach dem INF-Vertrag verboten gewesen. Das Abkommen untersagte beiden Seiten Produktion, Tests und Besitz von bodengesteuerten ballistischen Raketen und Marschflugkörpern mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern.

Die USA hatten den Vertrag Anfang Februar zum 2. August gekündigt, weil sie davon ausgehen, dass Russland ihn seit Jahren mit einem Mittelstreckensystem namens SSC-8 (Russisch: 9M729) verletzt. Dieses soll in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die sich mit Atomsprengköpfen bestücken lassen und mehr als 2000 Kilometer weit fliegen können.
Das Pentagon hatte den Test bereits im März angekündigt, sollte Russland nicht zur Vertragstreue zurückkehren.

Der INF-Vertrag

Der INF-Abrüstungsvertrag war 1987 zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossen worden und sah den Verzicht auf gewisse landgestützte Raketen und Marschflugkörper vor. Die USA und europäische Staaten warfen Russland vor, gegen die Abmachung zu verstossen. Die Regierung in Moskau wies dies
zurück.

«Eine direkte Bedrohung Russlands»

Der von den Amerikanern getestete neue Marschflugkörper ist aus Sicht Russlands eine Bedrohung. «Egal, wo diese Systeme in Zukunft eingesetzt werden – in Asien oder Europa –, sie werden unser Land erreichen können», sagte der Aussenpolitiker Konstantin Kossatschow laut der Agentur Interfax.

«Sie stellen daher eine direkte militärische Bedrohung für unser Land dar.» Das habe nicht nur Konsequenzen für die USA, sondern auch für die Länder, die das System künftig bei sich stationierten.

Der Test eines konventionellen landgestützten Marschflugkörpers bestätige zugleich, dass die USA seinerzeit gegen den Anfang August gekündigten INF-Abrüstungsvertrag verstossen hätten und nicht Russland, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im russischen Oberhaus. Es sei unmöglich gewesen, ausschliesslich in der Zeit vom 2. bis 19. August solche Forschungsprojekte durchzuführen.