Am Montag war der letzte Tag, um sich für die Regierungsratswahl im Kanton Thurgau am 15. März zu melden. Und der letzte Tag brachte auch den letzten Kandidaten: Ueli Fisch von der GLP.

Die Bisherigen Carmen Haag, CVP, Cornelia Komposch, SP, Monika Knill, SVP und Walter Schönholzer, FDP, treten wieder an. Frei wird ein Sitz. Jakob Stark von der SVP wechselt von der Thurgauer Regierung in den Ständerat. Ihren Sitz verteidigen will die SVP mit dem Kantonsrat Urs Martin. Neben Urs Martin treten auch die Grüne Karin Bétrisey und Ueli Fisch von den Grünliberalen an.

Thurgauer Zauberformel unter Druck

Mit den Kandidierenden der Grünen und der GLP entsteht also eine interessante Ausgangslage für die Wahl am 15. März. Ein Kandidat der SVP, eine Kandidatin der Grünen und ein Kandidat der GLP bewerben sich um einen Sitz. Während der Angriff auf die Thurgauer Zauberformel offensichtlich ist, betont aber Ueli Fisch, dass es ihm nicht unbedingt um den Sitz der SVP in der Thurgauer Regierung geht, sondern dass auch Bisherige Regierungsräte um ihre Wiederwahl zittern müsste. Für Ueli Fisch ist die Wiederwahl von Walter Schönholzer nicht gesichert.

Walter Schönholzer sah sich kurz vor der Wiederwahl mit dem Tierquälerei-Skandal von Hefenhofen konfrontiert. Das wird ihn wahrscheinlich Stimmen kosten, aber da sich sowohl die SVP als auch die CVP und auch Schönholzers eigene Partei, die FDP, zur Thurgauer Zauberformel bekennen, dürfte die Wahl der Bisherigen gesichert sein.

Die Rolle der SP

Die SP macht im Vorfeld der Wahl noch kein eindeutiges Bekenntnis zur Thugauer Zauberformel. Die Parteipräsidentin, Nina Schläfli, sagt auf Rückfrage, man bekenne sich zwar als Regierungspartei zur Zauberformel, habe aber durchaus Sympathien für die Kandidatur der Grünen. Man werde deshalb Ende Februar Hearings mit den drei neuen Kandidierenden abhalten und sich dann entscheiden.

Urs Martin: Der untypische Kandidat

Mit der Zauberformel stellen sich die FDP und die CVP auch hinter den Kandidaten der SVP. Dennoch ist Urs Martin nicht unumstritten. Auch in der SVP konnte er sich in der Nomination nur knapp bei den Delegierten durchsetzen. Denn Urs Martin ist kein typischer Vertreter der Thurgauer SVP, die schweizweit als eher moderat gilt.

Urs Martin ist im Thurgauer Kantonsrat mit seinem provokativen Stil aufgefallen, der an die Zürcher SVP erinnert. Doch Urs Martin betont, dass er konsensfähig sei, was er auch als Präsident der Justizkommission des Grossen Rates bewiesen habe.

Karin Bétrisey: Die unbekannte Kandidatin

Karin Bétrisey ist erst seit August 2018 im Grossen Rat Thurgau. Ihr grosses Handicap ist es deshalb, dass sie im Kanton kaum bekannt ist. Sie gilt als liberale Grüne und hofft deshalb auch in der Mitte Stimmen zu holen.

Bevor sie für die Grünen politisiert hat, war sie Mitglied der GLP. Als Kantonsrätin ist sie mit grossem Engagement aufgefallen: Sie reichte in ihrer kurzen Zeit im Kantonsrat Vorstösse in den Bereichen Hausärtzemangel, Mobbing an Thurgauer Schulen, Gleichstellung und Mobilfunkantennen ein.

Ueli Fisch: Der Rückzieher vom Rückzieher

Anders als Karin Bétrisey ist Ueli Fisch kein Unbekannter in der Thurgauer Politik. Als Regierungsratskandidat erreichte er bei der letzten Wahl zwar das absolute Mehr, wurde dann aber doch nicht gewählt, weil er überzählig war. Auch für den Ständerrat im letzten Herbst kandidierte Ueli Fisch, blieb aber letztlich chancenlos. Weil er vom Wahlkampf im letzten Jahr müde war und auch fand, dass sich nun andere zur Wahl stellen sollten, gab Ueli Fisch im Dezember bekannt, dass er sich nicht zur Wahl in den Regierungsrat stellen würde. Die GLP fand aber keinen Kandidaten und deshalb tritt nun Ueli Fisch doch wieder an.

Ueli Fisch hofft auch in der Mitte Stimmen zu holen. Er sei in der Mitte durchaus wählbar, wie er betont, denn er engagiere sich zum Beispiel für das Thurgauer Steurpaket, das am 9. Februar an die Urne kommt, also ein Anliegen von Mitte-Rechts.

Spannende Ausgangslage

Die Kandidierenden der GLP und der Grünen haben Aussenseiterchancen, weil sich die grossen Parteien der SVP, der FDP und der CVP zur Thurgauer Zauberformel bekennen. Das Ziel der Grünen und der GLP ist es einen zweiten Wahlgang zu erzwingen. Ob das gelingt hängt davon ab, wie viel Wähler und Wählerinnen sie mobilisieren können. Vorbild könnte die Wahl des Grünen Kurt Eggers in den Nationalrat sein, der unter anderem mit der Unterstützung der Jungen die Wahl in den Nationalrat geschafft hat. Wenn es den Grünen gelingt, die Jungen zu mobilisieren, dann ist eine Überraschung im Kanton Thurgau möglich.