Es muss beim Bistum Freiburg-Lausanne-Genf ein ganzes Dossier über den beschuldigten katholischen Geistlichen gegeben haben, wenn man den Aussagen des Missbrauchsopfers Glauben schenkt. Dieses Dossier habe es bereits 2011 gegeben, als Charles Morerod zum Bischof des Bistums ernannt wurde, so das Opfer.

Dem widerspricht Morerod: «Ein einziges Blatt haben wir. Was mit den anderen Dokumenten ist, weiss ich nicht. Ich kann nicht sagen, dass man sie zerstört oder versteckt hat. Ich habe keine Ahnung.»

Dieses eine Blatt sei das Protokoll einer Aussprache mit dem betroffenen Mann und dem Pfarrer. Protokolliert worden sei jedoch nur, dass das Gespräch stattgefunden habe, aber nicht worüber gesprochen wurde, sagt der Bischof.

«Es ist nicht beschrieben, was geschehen ist. Am Ende sagte man, ‹wir sind sehr zufrieden, dass wir zusammen gesprochen haben›.»

Bischof stellte keine Fragen

Nachgefragt hat der Bischof jedoch nie. Auch 2016 nicht, als der beschuldigte Pfarrer ihm von einer einmaligen sexuellen Beziehung mit einem Erwachsenen erzählt hat. «‹Einmal mit einem Erwachsenen und dann war es fertig›, sagte er mir», so Morerod.

Es sei falsch gewesen, räumt der Bischof nun ein, nicht weiter nachgefragt zu haben. «Ich hätte ihn fragen sollen, wie alt diese Person war. Es war sicher ein Fehler, ihn dies nicht zu fragen.»

Morerod hat die Polizei beigezogen

Denn sobald er etwas wisse, dann handle er, beteuert Bischof Morerod. Auch im aktuellen Fall habe er sich so verhalten: Unmittelbar nachdem er mit den Vorwürfen wegen der angeblichen sexuellen Belästigung konfrontiert worden sei, habe er das Gehörte der zuständigen Waadtländer Polizei weitergegeben. Der Fall werde auch intern untersucht.

Sex-Vorwürfe gegen Domherrn: Was ist los in Freiburg?
10:07 min, aus Rundschau vom 05.02.2020

SRF 4 News, Heute Morgen vom 06.02.2020, 06:00 Uhr