Seit letztem Sommer gibt es in der Stadt Bern die erste «Classe bilingue». 24 Kinder des ersten und zweiten Kindergartenjahrs werden im Marzili-Pavillon sowohl in deutscher, wie auch in französischer Sprache unterrichtet. Mal sprechen sie Deutsch, mal Französisch – wie es gerade passt oder welche Wörter ihnen zuerst durch den Kopf gehen. Sie hätten sich gut eingelebt, sagt die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher.

Die vierzehn Buben und zehn Mädchen der ersten «Classe bilingue de la Ville de Berne» hätten sich gut eingelebt, so Teuscher. «Ich freue mich, haben die Kinder nicht nur die Chance, früh eine erste Fremdsprache zu lernen, sondern auch die dazugehörige Kultur kennenzulernen.»

Die Zweisprachigkeit werde für die Kinder mit der Zeit banal, sagte die Projektbegleiterin Jésabel Robin von der Pädagogischen Hochschule Bern. Die Kinder würden nicht überfordert.

Wird trotz Nachfrage nicht ausgeweitet

Als der Kanton Bern 2018 die zweisprachige Klasse in der Stadt Bern bewilligte, war das Interesse sehr gross – 115 Kinder meldeten sich an. Für das nächste Schuljahr sind es mit 86 Kindern etwas weniger, trotzdem bleibe das Interesse bestehen, schreibt die Stadt Bern in einer Mitteilung zur Bilanz der «Classe bilingue».

Trotzdem wird die Stadt derzeit keine weiteren zweisprachigen Klassen eröffnen. Das Interesse müsse aus einem Schulkreis selber kommen und nicht von der Verwaltung initiiert werden, sagte Gemeinderätin Franziska Teuscher. Derzeit gebe es aus keinem weiteren Schulkreis ein solches Interesse. Die bilingue Klasse, die letzten Sommer gestartet ist, wird aber weitergeführt – bis mindestens in die sechste Klasse.

Die Kinder kommen aus verschiedenen Quartieren der Stadt zum Marzili Pavillon. Sie werden laut Stadt von den Eltern mit dem Velo oder dem öffentlichen Verkehr zur Schule gebracht. Deshalb gab es Bedenken, dass wegen der «Classe bilingue» mehr Elterntaxis unterwegs sein werden. Das habe sich als unbegründet erwiesen, so die Stadt Bern.

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«Bonjour» – «Guete Morge». Die erste zweisprachige Klasse laufe gut, werde aber nicht ausgeweitet
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 20.02.2020

Vorbild: «Filière Bilingue» in Biel

Die Stadt Bern hat sich die «Filière Bilingue» als Vorbild genommen. Die Stadt Biel hat 2010 mit dem Pilotprojekt begonnen, bei dem deutsch-, französisch- und anderssprachige Kinder zur Hälfte auf Deutsch und zur Hälfte auf Französisch unterrichtet werden.

Mittlerweile gibt es 16 zweisprachige Klassen – vom Kindergarten bis in die 6. Klasse. Seit 2019 gibt es die «Filière Bilingue» auch auf Sekundarstufe.