Es ist ein neues Ausbildungskonzept der Hochschule für Gesundheit und der Universität Freiburg. Die angehenden Ärztinnen und Ärzte, Osteopathinnen und Osteopathen und Pflegefachleute sollen nicht an Puppen, sondern an echten Fällen üben. Seit dieser Woche bieten sie darum Sprechstunden für andere Studentinnen und Studenten an. Diese wiederum sollen von einer günstigeren Behandlung profitieren.

Ein Besuch im Simulationszentrum

Nun gilt es ernst – statt Schauspieler oder Puppen kommen echte Patientinnen und Patienten in das Simulationszentrum der Hochschule für Gesundheit. Eine von ihnen ist Roxane Bovay. Sie hat Schmerzen an ihrem Fussgelenk und kommt als Patientin in die Sprechstunde. «Ich kann ohne Anmeldung kommen und es ist günstig.»

Fünfzehn Franken kostet die erste Beratung. Die Schwelle muss tief sein. Eine Studie des Bundesamts für Statistik zeigte vor zwei Jahren, dass in der Schweiz ein Viertel aller Studentinnen und Studenten unter Gesundheitsproblemen leiden. Viele haben aber auch finanzielle Schwierigkeiten.

Im Zentrum wird Roxane Bovay nun zuerst von einer Studentin aus der Pflege befragt. Danach wird die Situation mit den Mitstudierenden aus der Medizin und Osteopathie besprochen. Zusammen entscheiden sie, ob eine Behandlung nötig ist und von wem.

«  Das ist ein Schutz für die Patienten und für uns.  »
Alexandre Dontschev
Medizinstudent im vierten Jahr

Der Medizinstudent im vierten Jahr Alexandre Dontschev findet gut, kann er an echten Patienten üben. Er ist aber froh, schaut ihm ein ausgebildeter Arzt als Supervisor über die Schulter. «Das ist ein Schutz für die Patienten und für uns.»

Dieser Supervisor schaut genau hin, ob die angehenden Ärztinnen und Ärzte nichts vergessen und den Fall auch richtig behandelt haben. Die Auszubildenden können im Simulationszentrum Urin- oder Schwangerschaftstests machen, den Speichel auf Angina testen. Bluttests sind jedoch nicht möglich. Sowieso: Wird es kompliziert, wird der Patient oder die Patientin weitergeschickt.

«  Das ist besser als auf den Notfall zu gehen.  »
Nataly Viens Python
Direktorin Hochschule Gesundheit Freiburg

Pro Patient dürfen die angehenden Ärztinnen und Ärzte nur eine Behandlung durchführen. Ist das Problem nicht behoben, müssen sie zu einem anderen Arzt. Die Sprechstunde für Studentinnen und Studenten sei eine erste Anlaufstelle, sagt Nataly Viens Python, Direktorin der Hochschule für Gesundheit. Zum Beispiel bei Bauchweh, Stress, Prüfungsangst.

Keine Konkurrenz für Ärzte

«Das ist besser, als auf den Notfall zu gehen», so Python. Das Angebot sei keine Konkurrenz für das Freiburger Gesundheitswesen – es fülle eine Lücke. Insbesondere bei Suchtproblemen könne es zudem von Vorteil sein, wenn Studentinnen und Studenten mit einem gleichaltrigen Arzt sprechen können, meint Pyhton.

Die Gesundheitssprechstunde von Studenten für Studenten muss sich aber erst beweisen – am ersten Tag nutzten nur eine handvoll Leute das Angebot.