In der Stadt Bern existieren derzeit zwei Veloverleihsysteme: Publibike und Bond. Trotz reger Nutzung kommt Publibike in Bern finanziell auf keinen grünen Zweig. Und Bond hat diese Woche seinen Kundinnen und Kunden mitgeteilt, dass sich das Unternehmen aus dem öffentlichen Raum in Bern zurückziehen wird.

«  In Bern haben wir keine Chance: Der Markt ist verzerrt.  »
Corinne Vogel
Bond

Als Grund für den Rückzug gibt Bond-Mitgründerin Corinne Vogel die Coronakrise an. «Viele Leute arbeiten noch immer von zu Hause aus und benötigen unsere Velos nicht». Aber auch die starke Konkurrenz durch Publibike sei ein Problem. «Wir haben sehr strikte Auflagen, während Publibike viel freier ist.»

Kritik an der Stadt Bern

Corinne Vogel von Bond kritisiert die Stadt Bern. «In Bern spielt der Markt nicht: Ein staatlich subventionierter Player greift in den Markt ein.» In Zürich sei der Markt freier, Bond viel erfolgreicher unterwegs.

«  Bond und Publibike sollten nebeneinander existieren können.  »
Jurgen Mesman
Berner Verkehrsplaner

Der stellvertretende Leiter der Berner Verkehrsplanung kontert. Aus Sicht der Stadt Bern gebe es keine Möglichkeit für mehr Wettbewerb. «Aus unserer Sicht sollten die beiden gut nebeneinander existieren können», so der Berner Verkehrsplaner Jurgen Mesman. «Die Systeme ergänzen sich: Publibike ist eher für kürzere Distanzen, Bond eher für längere».

Beschränkungen für die Konkurrenz

Bei der Ausschreibung erhielt Publibike unter anderem den Zuschlag, weil die Postautotochter versprach, ohne längerfristigen Zuschüssen der Stadt ein Verleihsystem aufzubauen. Mittlerweile zeigt sich, dass es ohne wohl nicht gehen wird. Geht die Stadt Bern nun über die Bücher? Mesman will dazu keine Stellung nehmen.

Tatsächlich gab es für Bond in Bern einige Beschränkungen, unter anderem durften der Veloverleiher nur eine geringe Anzahl Velos in der Berner Innenstadt anbieten. Publibike war da freier. Das sei nicht anders möglich, meint Verkehrsplaner Mesman und verweist auf die «engen Platzverhältnisse in der Innenstadt».

Ärger auch in Zürich

Mit dem Rückzug von Bond sei die Strategie der Stadt Bern, den Veloverkehr zu fördern, nicht gefährdet, so Mesman. Bis 2023 läuft der Vertrag mit Publibike, zudem gibt es derzeit eine Ausschreibung für einen Anbieter von E-Trottinetts.

«  Die Anbieter sind in vielem sehr frei.  »
Robert Soós
Sprecher Sicherheitsdepartement Zürich

In Zürich wird den einzelnen Anbietern keine Auflage zur Anzahl Velos gemacht. Ganz ohne Ärger funktioniert es aber auch in Zürich nicht. Der Sprecher des Sicherheitsdepartements berichtet von falsch abgestellten Fahrzeugen und missachteten Verkehrsregeln. «Wir haben ein Auge darauf und sind mit den Anbietern in Kontakt», sagt Robert Soós.