450 Mitarbeitende, 230 Lastwagen: Die Murpf AG mit Sitz im solothurnischen Hägendorf gehört zu den mittelgrossen Transportunternehmen des Landes. Und die Firma testet seit einem Monat einen Lastwagen der mit Wasserstoffmotor angetrieben wird.

SRF/Mario Gutknecht

Der Lkw mit dem Brennstoffzellen-Elektroantrieb fällt äusserlich nicht auf (im Bild ganz rechts). Einen kleinen Unterschied zu den anderen Lastwagen gibt es allerdings: Der Wasserstoff-Lkw hat keinen Auspuff – es entstehen auch keine Abgase. Während der Fahrt tropft unten nur ab und zu Wasser auf die Strasse.

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Chauffeur Philip Eugster fährt den Wasserstoff-Lkw. Sein Lastwagen hat zwei Brennstoffzellen an Bord, die den Strom für den Elektromotor produzieren. Das Fahren sei gleich wie mit einem herkömmlichen Lastwagen – ausser, dass eben das Brummen des Verbrennungsmotors fehle. Bis auf ein leises Surren gibt der Lastwagen kaum ein Geräusch von sich. Das sei zu Beginn irritierend, man gewöhne sich aber schnell daran. Einige Chauffeure würden nicht mit seinem Lastwagen fahren wollen. Ihn interessiere die umweltfreundliche Technik aber.

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Hinter dem Praxistest der Lastwagen mit Wasserstoff-Antrieb stehen mehrere Firmen: der Energiekonzern Alpiq, das Wasserstoff-Unternehmen H2 Energy und der Lastwagenbauer Hyundai. Das koreanische Unternehmen produziert den ersten serienmässigen Lastwagen mit Brennstoffzellen-Elektroantrieb. In der Schweiz wird weltweit zum ersten Mal der Alltagseinsatz dieser neuen Fahrzeuge getestet. Ingesamt sind zehn solche Lastwagen unterwegs.

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Philip Eugsters Wasserstoff-Lkw hat eine Reichweite von rund 400 Kilometern. Danach muss an der Tankstelle Wasserstoff nachgefüllt werden. Im Moment gibt es schweizweit erst drei solcher Tankstellen: eine in der Ostschweiz und zwei in der Region Hägendorf (Zofingen und Hunzenschwil). Darum sei eine gute Routenplanung enorm wichtig, so Chauffeur Philip Eugster. Das Betanken mit Wasserstoff selbst sei nicht viel anders als bei einem Lastwagen mit Dieselmotor. Bis der Tank voll ist, dauere es auch gleich lang.

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Der Treibstoff für Eugsters Lastwagen stammt aus Gösgen. Bei ihrem Flusskraftwerk an der Aare produziert die Alpiq den Wasserstoff. Dieser wird mit Wasser und Strom mittels Elektrolyse hergestellt. Gemeinsam mit der Firma H2 Energy und anderen Unternehmen ist Alpiq daran, den Ausbau des Netzes an Wasserstoff-Tankstellen voranzutreiben. Bald sollen es mehr sein als die aktuellen drei.

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Von Gösgen aus gelangt der Wasserstoff in Containern zu den Tankstellen, erklärt Thomas Fürst, der Chef des Flusskraftwerks. Der Ausbau des Netzes soll der breiten Bevölkerung zeigen, dass auch Privatpersonen Wasserstoffautos kaufen und im Alltag fahren könnten. Dies als Alternative zum herkömmlichen Verbrennungsmotor.

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Kritiker bemängeln, dass sich der Wasserstoff-Antrieb vor allem für grosse Fahrzeuge eigne, die ständig unterewgs sind. Und umweltfreundlicher als Benzin oder Diesel ist Wasserstoff nur dann, wenn der Strom dafür auch umweltfreundlich produziert wird. Zumindest beim Flusskraftwerk in Gösgen ist dies der Fall.