«Unser Beschaffungsdruck im letzten Frühjahr war enorm», sagt der Glarner Spitaldirektor Markus Hauser. «Um die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter zu gewährleisten, mussten wir unbedingt FFP2-Masken haben.»

Zu Beginn der Pandemie bestellte das Kantonsspital für sich und den Kanton Glarus rund 40'000 Masken bei der Zuger Firma Emix Trading. Das Spital zahlte pro Stück 7.90 Fr., der Kanton Glarus sogar 9.90 Fr.

Spitaldirektor Markus Hauser: «Bei einer Schutzmaske darf kein Fehler passieren.»
00:21 min, aus News-Clip vom 10.03.2021

Viel Geld für eine gefälschte Maske. «Rundschau»-Recherchen belegen: Die Masken hätten nie verkauft werden dürfen. «KGT», die angebliche Herstellerin schreibt: Dies sei kein Produkt ihrer Firma. Die Zertifizierungsstelle, welche die Konformität der Masken bestätigen müsste, darf zwar Baumaschinen aber keine Masken zertifizieren.

Und auch das mitgelieferte Produktezertifikat von «Apave Sudeurope» ist womöglich gefälscht. Die Prüfstelle schreibt, man solle Kunden vor dem Produkt warnen. Zu spät: Tausende der vermeintlichen FFP2-Masken kamen in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen im Kanton Glarus zum Einsatz.

Univent-Geschäftsführer Thomas Vosseler: «Das ist der schlechteste Messwert, den wir jemals hatten.»
00:37 min, aus News-Clip vom 10.03.2021

Maske schneidet im Test schlecht ab

Die Maske müsste mindestens 95 Prozent der Kleinstpartikel herausfiltern. Eine Messung bei «Univent», Deutschlands grösstem Hersteller von FFP2-Masken, ergibt aber eine Filterleistung von unter 5 Prozent.

«Ein katastrophales Ergebnis», sagt «Univent»-Geschäftsführer Thomas Vosseler. «Somit ist das die schlechteste Maske, die wir bisher getestet haben und wir haben weit über 1000 Fremdmasken gemessen. Das ist der schlechteste Wert, den wir jemals hatten. Ich bin sprachlos.»

Regierungsrat Rolf Widmer: «Wir werden schauen, ob wir rechtliche Schritte in die Wege leiten müssen.»
00:33 min, aus News-Clip vom 10.03.2021

Auch der Kanton Glarus kaufte Emix die Fake-Masken ab. 25'000 Stück. Davon kamen 5'500 in Altersheimen, Spitex und Arztpraxen zum Einsatz.

Regierungsrat Rolf Widmer sagt: «Wir haben die Masken abgegeben an die Leute, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen, in der Erwartung natürlich, dass da keine Übertragung des Virus stattfindet. Wir werden mit unseren Juristen und auch mit unseren Staatsanwälten in den nächsten Tagen das Gespräch suchen und schauen, was wir für Möglichkeiten haben, ob wir rechtliche Schritte in die Wege leiten müssen oder das von den Strafverfolgungsbehörden von sich aus weiterverfolgt wird.»

Infolge der «Rundschau»-Recherche ist auch das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco aktiv geworden und hat die zuständige Kontrollbehörde Suva eingeschaltet – diese wird mit den Glarner Behörden Kontakt aufnehmen.

Stellungnahme Emix Trading AG

«Emix hat die KGT-Masken vorsorglich zurückgerufen und wird sie auf Kulanzbasis durch frische FFP2-Masken ersetzen. Zudem erstattet Emix freiwillig den vollen Kaufpreis, sollte sich der Befund in einer repräsentativen Zweitanalyse bestätigen.

Dies unabhängig davon, dass nur ein geringer Teil dieser Masken effektiv eingesetzt wurde und Emix nicht der verantwortliche Importeur dieser Masken war.

Emix entschuldigt sich bei ihren Kunden und wird gegen die Verantwortlichen rechtliche Schritte einleiten.»

Emix schreibt in ihrer Stellungnahme (siehe Box), es sei ein «unerträglicher Gedanke», dass die Masken das Gesundheitspersonal nicht geschützt haben könnten. Emix habe die «KGT»-Masken bei einem Schweizer Importeur gekauft und davon ausgehen können, dass es sich um korrekte Ware handle.

Dem hält der Berner Strafrechtler Boris Kreit entgegen: «Bei solchen Produkten stehen in der Handelskette alle Akteure in der Verantwortung».

Swissmedic in der Kritik

Heilmittelrechtsexperte Boris Kreit sieht Swissmedic in diesem «krassen Fall» in der Pflicht: «Es besteht der Verdacht, dass gegen das Heilmittelgesetz verstossen wurde.» Ein Verfahren wegen eines illegalen Medizinprodukts könne den Einzug des erwirtschafteten Gewinns zur Folge haben. Swissmedic hingegen sieht sich nicht zuständig und verweist ans Seco.