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Levin Westermanns Langgedicht «farbe komma dunkel» entwickelt einen Sog.
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Ein Literaturnobelpreisträger, ein Lyriker und eine Essayistin

Der Roman «Das verlorene Paradies» des aktuellen Literaturnobelpreisträgers Abdulrazak Gurnah, der neue Lyrikband des deutschen Autors Levin Westermann und die Essaysammlung «Was fange ich bloss mit guten weissen Menschen an» der US-Amerikanerin Brit Bennett liegen heute auf dem Literaturstammtisch.

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Abdulrazak Gurnah, ein tansanischer, in England lebender Schriftsteller, ist dieses Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. Unter anderem für sein «kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Flüchtlingsschicksals in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten". Nicola Steiner bringt denjenigen Roman mit, mit dem Gurnah 1994 den internationalen Durchbruch schaffte. Er erzählt darin die Geschichte des 12-jährigen Yusuf, der Ende des 19. Jahrhunderts in Ostafrika erwachsen wird. Geprägt von einer Zeit des kolonialen Umbruchs.

Der in Biel lebende deutsche Autor Levin Westermann lässt in «farbe komma dunkel» verschiedene Stimmen aufeinandertreffen. Beim Lesen folgt man den ausschweifenden, manchmal fast ins Manische abdriftenden Gedankengängen einer Person, die in der Bresse im französischen Jura weilt, und sich erinnert: an Reisen um die Welt, und an ganz viele gelesene und gehörte Texte – von Søren Kierkegaard bis zur Literaturnobelpreisträgerin Louise Glück und zur Band Jamiroquai. In unzähligen Schlaufen hangelt sich der Erzähler ausgehend von diesen Erinnerungsfetzen durch fast alle grossen Themen des Lebens. Simon Leuthold ist beeindruckt vom Sog, den Levin Westermanns Langgedicht entwickelt, wie knapp und doch anschaulich er uns durch dieses Stimmengewirr von Zitaten führt.

Mit ihrem Essay «I Dont Know What to Do With Good White People» wurde die junge US-amerikanische Autorin Brit Bennett 2014 auf einen Schlag berühmt. Sie setzt sich darin mit latentem Rassismus auseinander. Nun ist eine Sammlung mit unter anderem diesem Essay auf Deutsch erschienen. Bennett schreibt: «Bei den guten Weissen habe ich das Gefühl, dass sie allein für ihren Anstand bereits Lob erwarten.» Bennetts Überlegungen sind lohnende Lektüre, findet Britta Spichiger, weil sie ein gesellschaftliches Problem aus einer individuellen Perspektive beleuchten.

Buchhinweise:
Abdulrazak Gurnah. Das verlorene Paradies. Penguin, 2021.
Levin Westermann. farbe komma dunkel. Matthes & Seitz, 2021.
Brit Bennett: Was fange ich bloss mit guten weissen Menschen an? Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2021.

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