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Wenn im Hafen von Mindelo gerade keine Schiffe haltmachen, bleibt viel Zeit für Musik und Literatur.
Jochen Faget
abspielen. Laufzeit 28:23 Minuten.
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Kapverden: «Wer das nicht versteht, dem ist nicht zu helfen»

Was der Tango für Argentinien ist, der Flamenco für Spanien, ist die Morna für die Kapverden. Und vielleicht sogar noch mehr als das. Verrät diese ganz eigene Musik doch so viel über die sozialen und politischen Verhältnisse in diesem Land, das nie ganz zu Europa und nie ganz zu Afrika gehörte.

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«Morabeza»: ein Gefühl, das sich nicht übersetzen lässt. Zufriedenheit? Melancholie? Fast. Aber eben nicht ganz. Ein Gefühl, das es womöglich nur auf den Kapverden gibt. Das sich dann langsam ausbreitet, wenn einer zur Gitarre greift, der andere zum Cavaquinho, wenn reichlich Bier fliesst und jemand zu singen beginnt. Über Migration, die Sehnsucht nach einem besseren Leben, die Liebe zu den heimischen Inseln – all das, was das Leben auf den Kapverden ausmacht.

Seit der friedlichen Loslösung von Portugal 1975 sind die Kapverden – oder «Cabo Verde», wie das Land auch genannt wird – unabhängig. Und haben eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht, wie der Jurist und Schriftsteller Germano Almeida erläutert: «Ich erinnere mich noch gut an das Cabo Verde der 70er-Jahre. Cabo Verde jetzt hat damit nichts mehr zu tun. Wir haben viel erreicht in einem Land, das nichts hatte. Wir haben die internationalen Hilfen gut genutzt und hart gearbeitet. Viele haben gezweifelt, ob wir als unabhängiges Land überleben könnten. Doch das Ergebnis ist höchst positiv.»

Tatsächlich sind die Kapverden heute eine geradezu vorbildlich funktionierende Demokratie. Sie verfügen über ein Schulsystem, das jenen der afrikanischen Nachbarstaaten weit voraus ist. Der Tourismus hat wirtschaftlichen Aufschwung gebracht – aber auch seine Schattenseiten. Längst nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner können von den grossen Hotelressorts und den All-Inclusive-Angeboten profitieren. Die Umwelt leidet, mit der Coronakrise sind die Einnahmen weggebrochen. Doch gerade die junge Generation ist fest entschlossen, das Glück nicht in der Ferne zu suchen, sondern ihre Zukunft auf den Kapverden mitzugestalten.