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Kinder, die aus dem Zugschauen.
Schweizerisches Nationalmuseum / ASL
abspielen. Laufzeit 55:36 Minuten.
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Humanitäre Kinderhilfe als politisches Engagement

In der Kinderhilfe engagierten sich zwischen 1917 und 1948 Freiwillige, darunter viele Frauen aus allen Gesellschaftsschichten. Sie trugen massgeblich zum Bild der humanitären Tradition der Schweiz bei und verstanden ihre Arbeit politischer als lange angenommen.

Engagierte Frauen waren während des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und nach 1945 in der Kinderhilfe tätig. Sie holten junge kriegsgeschädigte Flüchtlinge aus europäischen Staaten zur Erholung in die Schweiz, retteten Kinder und Jugendliche in Südfrankreich vor der Deportation und bei Kriegsende aus dem Konzentrationslager Buchenwald. Viele dieser Frauen scheuten sich nicht, sich gegen die restriktive offizielle Flüchtlingspolitik zu stellen. Dafür wurden sie im Ausland vielfach geehrt, in der Schweiz aber lange vergessen.

In «Kontext» sind Frauen und Männer zu hören, denen damals diese Hilfe zu Teil wurde. Und die Historikerin Antonia Schmidlin, die eine umfassende Untersuchung der Kinderhilfe vorgelegt hat, zeigt auf, wie das Engagement der Frauen in die humanitäre Tradition der Schweiz einzuordnen ist – eine Tradition, zu der 1946 auch die Gründung des Kinderdorfs Pestalozzi in Trogen beigetragen hat, das heute vor einer Neuausrichtung steht.

Einzelne Beiträge

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«Ich war wirklich zum zweiten Mal geboren worden» Box aufklappen Box zuklappen
12:32 min, Irene Grüter
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Es war die grösste Kinderhilfsaktion während und nach des Zweiten Weltkriegs: Die Kinderzüge des Roten Kreuzes brachten mehr als 180 000 unterernährte und erholungsbedürftige Kinder aus Europa für einen dreimonatigen Aufenthalt in die Schweiz.

Eine prägende Erfahrung für viele der Kinder, die zum ersten Mal überhaupt stabile Verhältnisse erlebten. Oft entstanden langjährige Beziehungen zu den Pflegefamilien, die von der verschonten Schweiz aus Hilfe leisten wollten.

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«Eigentlich sollten ja längst die Steine schreien.» Box aufklappen Box zuklappen
19:16 min, Sabine Bitter
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Tausende von kriegsgeschädigten Kindern kamen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg mit den «Kinderzügen» jeweils für drei Monate zur Erholung in die Schweiz. Hier wurden sie aufgepäppelt und medizinisch versorgt. Die Kinderhilfe – ein humanitärer Lichtblick in der Geschichte der restriktiven schweizerischen Flüchtlingspolitik – wurde hauptsächlich von engagierten Frauen organisiert.

Lange trug diese Hilfe das Etikett eines unpolitischen Altruismus. Doch die vertiefte Analyse der Historikerin Antonia Schmidlin zeigt auf, dass die Hilfe sehr wohl in politischem Handeln zum Ausdruck kam.

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Das Pestalozzidorf als Vorzeigeprojekt der Kinderhilfe Box aufklappen Box zuklappen
18:47 min, Sabine Bitter
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Mit der Grundsteinlegung zum Kinderdorf Pestalozzi 1946 erhielt die Schweiz ein Vorzeigeprojekt in der humanitären Kinderhilfe. Kriegsgeschädigte Waisen aus europäischen Ländern fanden – in nach Nationalitäten getrennten Wohnhäusern – in Trogen ein neues Zuhause.

«Kontext» wirft einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Kinderdorfs, das sich in den letzten zwanzig Jahren zu einer Bildungseinrichtung für interkulturelle Verständigung und Friedensförderung gewandelt hat.