Die ungewöhnlichen Pariser Lärmbekämpfer «Pierrots de la Nuit»

Wie kriegt man das Lärmproblem in den Städten in den Griff? Diese Frage stellte sich die Stadt Paris und fand darauf eine Antwort: die «Pierrots de la Nuit» – die Mimen der Nacht. Ihr Job ist es, auf den Strassen für Nachtruhe zu sorgen. Ein aussergewöhnliches Projekt gegen ein verbreitetes Problem.

Video «Les Pierrots de la Nuit» abspielen

Les Pierrots de la Nuit

0:28 min, vom 9.10.2013

Paris, Stadt der Liebe und Romantik, ist schmutzig und auch ziemlich laut. Verkehr plagt die Stadt, Menschenmassen drängeln sich Tag und Nacht auf den Strassen. Vor allem am Wochenende sind die Strassen voll von lärmenden Menschen – problematisch ist das vor allem nachts. Doch auf einmal wird es da ganz leise. Grund dafür sind die «Pierrots de la Nuit».

 «Pierrots de la Nuit» Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die stummen Pantomimen der Nacht, die «Pierrots de la Nuit», kämpfen auf ihre ganz eigene Art gegen den Lärm. Adrien Daste

Die «Pierrots de la Nuit» sind ein künstlerisches Projekt, das die Stadt Paris massgeblich unterstützt. Diese setzte sich vor drei Jahren mit dem Nachtleben und den damit verbundenen Problemen – darunter Lärm – auseinander.

Entstanden sind daraufhin die «Pierrots de la Nuit», die den Lärm der Nachtschwärmer pantomimisch angehen. Mit kleinen Geschichten erregen die Mimen ihre Aufmerksamkeit und halten sie zu einem kurzen Moment der Ruhe an. Mittlerweile treiben sich vierzig Künstler am Wochenende auf den Pariser Strassen.

Intervention mal anders

Sind feiernde Menschen in der Nacht zu laut, rückt oft zu fortgeschrittener Stunde die Polizei an und weist die Nachtschwärmer in die Schranken. Auch die «Pierrots de la Nuit» haben die Aufgabe, in solchen Situationen zu intervenieren. Im Unterschied zur polizeilichen Intervention versuchen die Pierrots das lärmige Problem jedoch mit kunstvoller Unterhaltung zu lösen. Sie stossen damit beim Pariser Nachtvolk auf wohlwollende Akzeptanz.

Einfach ein bisschen leiser sein…

Ziel des Projekts ist, das lebendige Nachtleben zu erhalten. Es gehe nicht darum, die Pariser vom Feiern abzuhalten, so die die Initianten des Projekts. Man müsse lediglich ein bisschen leiser sein. Für sie ist eines klar: Rauben die Lärm produzierenden Barbesucher den Anwohnern den Schlaf, werden immer mehr Clubs und Bars geschlossen. Und weniger Bars bedeutet auch weniger Lebensqualität in den Quartieren.

«Pierrots de la Nuit» Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Weniger Lärm, genauso viel Spass: das Mimen-Projekt will das Pariser Nachtleben erhalten. Adrien Daste

Mit dem Projekt «Pierrots de la Nuit» soll genau das verhindert werden. «Leiser sein» wird so zum Rezept für ein friedlicheres Zusammenleben zwischen Anwohnern und Nachtbummlern.

Hilft dieser Lärmschutz?

Das Konzept hat Erfolg. Nicht nur in Paris, sondern auch in anderen europäischen Städten wie Brüssel, Barcelona, Lissabon und auch in Genf sind in Zusammenarbeit mit den Pariser Initianten ähnliche Projekte in Planung. Natürlich können Mimen die nächtlichen Probleme nicht vollständig lösen. Sie halten jedoch niemandem eine Moralpredigt und bieten stattdessen mit ihrem poetischen Spektakel einen kurzen Moment der Leichtigkeit und des Staunens – in aller Ruhe.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Pierrots de la Nuit - In Paris sorgen Mimen für Nachtruhe

    Aus Kulturplatz vom 9.10.2013

    Wie bekämpft man den Menschenlärm in einer Stadt? Diese Frage stellte sich Paris vor drei Jahren und fand darauf eine überraschende Antwort: die Pierrots de la Nuit. Seither treiben sich jedes Wochenende Mimen auf den Strassen von Paris und versuchen, Ruhe zu stiften - natürlich ohne Worte.

    Danja Nüesch