«Entspannisch» lernen mit Kilian Ziegler

Zum Anforderungsprofil eines Spoken-Word-Poeten gehört es, ein Sprachvirtuose zu sein. Der Solothurner Slam-Poet Kilian Ziegler ist einer von ihnen, ein passionierter Wortverdreher und Sinn-Umsteller, ein entlarvender Witzbold, der unermüdlich die deutschsprachigen Bühnen bereist.

Der Slan-Poet Kilian Ziegler in Aktion. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kilian Ziegler macht aus Worten Witze. Claude Hurni

Die Sprache ist sein Heimathafen. Auf seiner Spielwiese tummeln sich Wörter. Die Grenzen von Wortklang und Wortbedeutung lotet er nach allen Richtungen hin aus.

Federers «Gränn-Slam»

«Tauchenichts» beispielsweise ist eine ungeschminkte Hommage an unseren grossen Schweizer Nationalhelden, «es isch quasi en Schiller-ndi Figur»: Roger Federer. Ziegler bewundert Federers «Australian open», also seine «offene Ausstrahlung». Federer hebe sich ab vom «Einheits-Break», denn er wisse: "Ohne Slice kein Preis».

Und Federer sei der einzige Spieler, der an jedem grossen Turnier schon geweint habe. Er habe deshalb den «Gränn-Slam» geschafft. Vor keinem Kalauer macht Ziegler halt. Nicht jeder gelingt ihm gleich gut, aber die Dichte der Wortwitze ist atemberaubend.

Beim Schreiben seiner Texte finden Form und Inhalt idealerweise zueinander, aber im Zweifelsfall ringt das Wortspiel die stringente Botschaft nieder: Die Sprache sei seine Basis, gesteht Kilian Ziegler.

« Die Message ist nicht sekundär, sie kommt einfach in einem zweiten Schritt »

Zwischen Bühne und Hörsaal

Kilian Ziegler, Jahrgang 1984, aufgewachsen in Trimbach bei Olten, wohnt heute im Zentrum von Olten und studiert «nebenbei» Soziologie. Seit 2008 nimmt er an Poetry Slams im In- und Ausland teil und hat schon oft gewonnen. Zurzeit seien es im Schnitt zwei bis drei Slams pro Woche!

Innerhalb kürzester Zeit hat er sich einen Namen gemacht in Spoken-Word-Kreisen. Inzwischen ist er vielseitig unterwegs auf Lesebühnen und in Schulen, für Workshops und als Moderator. 2009 erhielt er mit dem Solothurner Werkjahrbeitrag einen hochdotierten Förderpreis.

Erstmals abendfüllend

Nun orientiert sich Kilian Ziegler an anderen Spoken-Word-Künstlern wie Gabriel Vetter, Renato Kaiser oder Pedro Lenz, die sich irgendwann über die Sechsminuten-Guillotine des Poetry-Slam-Auftritts hinaus weiterentwickelt haben: Kilian Ziegler ist reif für sein erstes abendfüllendes Programm.

Zusammen mit dem Solothurner Pianisten Samuel Blatter hat er das Programm «The Phantom of the Apéro» einstudiert, eine Sammlung von Geschichten und Wortkaskaden rund um des Schweizers Lieblingsbeschäftigung, das «Apérööle». Die Première ist noch nicht angesetzt, wird aber noch im Frühling 2013 über die Bühne gehen.

Ziegler spricht fliessend «entspannisch»

Die Texte des Programms sind teilweise neu entstanden und zusammen mit dem Pianisten entwickelt, teilweise bewährte Stimmungsmacher von der Slam-Bühne.

In einem seiner älteren Texte mit dem Titel «easy» sinniert er über sein Wesen als fauler Student. Er habe das Relaxen so professionalisiert, dass er vor lauter Ausruhen fürchte, in ein Burnout zu schlittern. Im Ausruhen sei er so gut, das könne er im Schlaf. Drum rede er fliessend «entspannisch». Das bringe auch Probleme mit sich: In seinem Zimmer liege viel herum, zum Beispiel er. Bedenke man, dass in der Ruhe die Kraft liege, sei er erstaunlich unmuskulös. Und:

« … wenn mer öppis uf e Keks goht, denn lon is eifach lo guetsli. »

Das sind Texte, die nur in der Performance des Kilian Ziegler ihre volle Wirkung entfalten und Lacher auf Lacher provozieren. Ausserdem ist die zelebrierte Faulheit eine Mogelpackung: Neben der rasenden Auftrittstätigkeit und neben dem neuen, abendfüllenden Programm will Kilian Ziegler dieses Jahr auch sein Soziologiestudium abschliessen. Nebenbei sozusagen.

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