Peter Löffler: Der Verfechter des progressiven Theaters ist tot

Der Zürcher Regisseur, Dramaturg und Intendant Peter Löffler ist tot. Er starb letzte Woche im Alter von 88 Jahren. Löffler prägte das Zürcher Schauspielhaus viele Jahre – als er 1969 Intendant wurde, kam es zum Skandal. Sein ästhetischer Aufbruch scheiterte am Zürcher Establishment.

Zwei Menschen im Theaterfoyer, an der Wand überall Protestkleber. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Proteste gegen den Kabarett-Autor Werner Wollenberger, den Nachfolger Löfflers am Schauspielhaus (1970). Keystone

Peter Löffler starb vergangenen Donnerstag, am 30. Juli, im Alter von 88 Jahren. So stand es in einer Todesanzeige der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Dienstag.

Löffler war von 1950 bis 1961 Dramaturg und Regisseur am Schauspielhaus Zürich – unter Direktor Oskar Wälterlin. Zwischen 1962 bis 1965 war er Vizedirektor und Chefdramaturg, wechselte aber unter dem neuen Direktor Leopold Lindtberg an die Akademie der Künste Berlin, wo er 1968 die Leitung der Berliner Festwochen übernahm.

Peter Loeffler wird neuer Direktor am Schauspielhaus (23.1.1968)

2:53 min, vom 4.8.2015

1969 kehrte Löffler ans Schauspielhaus zurück: Er wurde Nachfolger von Leopold Lindtberg als künstlerischer Direktor. Als Chefdramaturgen holte er Klaus Völker aus Berlin nach Zürich.

Löfflers progressiver Spielplan erregte von Anfang an Anstoss. Viele befürchteten einen radikalen Linksruck des Theaters, zumal Löffler mit der Gruppe um den bedeutenden deutschen Film- und Theaterregisseur Peter Stein zusammenarbeitete, der schon in Deutschland umstritten war.

Theater wird wieder zum Gesprächsstoff

Zu einem Eklat führte Edward Bonds «Early Morning» unter der Regie von Peter Stein. Auf die unkonventionelle Inszenierung vom 2. Oktober 1969 reagierte das Premieren-Publikum mit Tumult. Es betrachtete Löffler als untragbar.

Video «Rückblick auf die Ära Peter Löffler/Peter Stein (neXt, 5.2.1995)» abspielen

Rückblick auf die Ära Peter Löffler/Peter Stein (neXt, 5.2.1995)

3:18 min, vom 4.8.2015

Gute Noten erhielt das Stück in der Presse, noch unschlüssig war der Verwaltungsrat des Theaters. Während Sigmund Widmer, Stadtpräsident und Mitglied des Verwaltungsrats, eine «einseitig marxistische Tendenz» ortete, ermutigte Willy Staehelin den Intendanten, sich treu zu bleiben. Er freue sich, «dass unser verstaubtes Theater wieder im Gespräch ist und provoziert».

Ensemble reagierte gespalten

Gespalten war auch das Ensemble. Die Ortsgruppe Schauspielhaus des Schweizerischen Bühnenkünstlerverbandes prangerte Löfflers «ideologische Gleichschaltung» an. Damit meinte sie die Dominanz der von Löffler und Völker engagierten Ensemblemitglieder Bruno Ganz, Jutta Lampe, Edith Clever oder Hanna Schygulla. Peter Löffler reagierte unzimperlich: «Wir können nur zusammen etwas erreichen. Wenn es jemandem hier nicht passt, dann kann er gehen.»

Unterstützung erhielt er von Schauspielern, Regisseuren und Bühnenbildnern, zudem von «Kunstschaffenden und Freunden des Schauspielhauses»: Der Neubeginn am Schauspielhaus werde durch «Kulturzensur abgewürgt», schrieb etwa Peter Bichsel.

Der Protest blieb ohne Wirkung. Obwohl «Early Morning» Ende Januar 1970 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, stimmte die Generalversammlung des Schauspielhauses dem Antrag des Verwaltungsrates zu und löste den Vertrag mit Peter Löffler und seinem Team auf Ende der Spielzeit 1969/1970 auf.