Silvio Huonders Erfolgsroman als rasanter Krimi im Theater Chur

Ein grausamer Mord in einer Julinacht im Jahr 1821: Der Bündner Schriftsteller Silvio Huonder machte aus diesem nie restlos geklärten Fall einen Roman. Das Theater Chur bringt nun «Die Dunkelheit in den Bergen» auf die Bühne. Ein spannungsvolles Zeit- und Sittengemälde.

Blick auf die Bühne: Im Scheinwerfer sichtbar ist ein Soldat, hinter ihm als Schattengestalten zwei liegende Frauen und ein Mann und zwei stehende Personen. An den Hintergrund der Bühne ist ein handgeschriebener Text projiziert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wer hat den Müller und die beiden Mägde ermordet? Was nie geklärt wurde, liess Silvio Huonder nicht mehr los. René Schnoz

Ein Dreifachmord in einer Mühle in Bonaduz, der Müller und zwei Mägde. Nach der Obduktion stellte er sich als Fünffachmord heraus: Beide Mägde waren schwanger. Ein Verdächtiger war rasch gefunden in der Person eines wandernden Uhrmachers aus Tirol.

Den Bündner Schriftsteller Silvio Huonder – mittlerweile lebt er in Berlin – liess der Fall nicht mehr los. Er trieb in der Churer Kantonsbibliothek die Akten auf, handschriftliche Protokolle des Verhörrichters, und schrieb den Erfolgsroman «Die Dunkelheit in den Bergen» – packend wie ein Thriller, und zugleich ein Zeit- und Sittengemälde aus einer spannungsvollen Umbruchzeit.

Verspielt und phantasievoll

Ein Kriminalfall aus Graubünden

2:26 min, aus Tagesschau vom 4.3.2014

Denn «Die Dunkelheit in den Bergen» verweist einerseits auf das Licht, das der Kriminalist ins Dunkel bringt, die Aufklärung eines Falls. Anderseits aber auch auf die Zeit, in der der Roman spielt: Die 1820er Jahre in Graubünden, wo es galt, nach den napoleonischen Kriegen eine neue Rechtsordnung zu installieren, dem Kanton das Licht der Aufklärung zu bringen und aus dem «Athen der Gauner», als das Friedrich Schiller Graubünden noch bezeichnen konnte, eine neuzeitliche Gesellschaft zu machen.

Silvio Huonder hat die Bühnenfassung für das Theater Chur selber geschrieben: eine rasche, kontrastreiche Szenenfolge. Der Regisseur des Abends, der Bündner Schauspieler René Schnoz, inszeniert sie als Erzähltheater, das nicht mehr und nicht weniger will, als die Geschichte gut zu erzählen, verspielt und phantasievoll.

Live gezeichnete Hintergründe

Er greift dabei zu einem gewitzten Mittel: nämlich einer Art Schattenspiel. Auf einem Vorhang bilden sich zweidimensionale Silhouetten ab, ganz ähnlich wie die im 19. Jahrhundert so beliebten Scherenschnitte oder die Silhouetten-Bilder aus der Zeit. Es hat eine verblüffende Wirkung: Einerseits ist es eine szenische Verfremdung, anderseits bringt es Zeitkolorit auf die Bühne. Und es hat einen eigentümlichen Charme. Die Folie, auf der sich die Schatten abzeichnen, dient gleichzeitig einem Zeichner als Projektionsfläche für live gezeichnete Hintergründe, skizzierte Kulissen – ein Bergdorf, das Kreuzgewölbe eines Bündnerhauses, bei Mord läuft sie effektvoll blutrot an.

Theater wie ein Krimi

Als Schatten ist ein Mann zu sehen, der mit gekrallten Fingern einer gehenden Passantin nachstellt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zweidimensionale Silhouetten und verblüffende Effekte: Bei Mord läuft die Kulisse blutrot an. René Schnoz

Es macht die Inszenierung sehr abwechslungsreich. Auch durch den beinahe volkstheaterhaften Naturalismus der Schauspieler wirkt sie insgesamt kurzweilig, humorvoll und kontrastreich. Sie bekommt allerdings auch etwas Niedliches: Der Plot leuchtet doch in ziemlich verwahrloste Abgründe, die in dieser putzigen Scherenschnittwelt nicht wirklich zum Tragen kommen.

Düsternis gibt es also wenig an diesem Theaterabend – aber rasante Unterhaltung. Ein bisschen ist es wie beim Fernsehkrimi, der ja auch nicht unbedingt in alle Tiefen geht, aber eine gute Geschichte gut erzählt. Mehr nicht, und nicht weniger.