Vier Tipps zum Theater-Saisonstart

Die Theater sind noch geschlossen, aber hinter den Bühnen wird schon wieder gehämmert und gemalt. Auf den Probebühnen werden Ideen geboren und verworfen. Doch was verspricht der Saisonstart auf den Schweizer Bühnen? Vier Empfehlungen der SRF-Kritiker.

Schauspieler Jörg Dathe verzieht das Gesicht und hält ein kleines Blümchen in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wird in der Luzerner Frankenstein-Inszenierung das Monster spielen: Jörg Dathe. Ingo Höhn

Die Theatersaison beginnt. Einige Häuser eröffnen mit mehreren Produktionen aufs Mal. Der Blick auf die Programme verspricht Neues und offenbart einige Dopplungen. Die SRF-Kritiker verraten, auf welche Inszenierungen sie sich besonders freuen.

Empfehlungen für den Saisonauftakt

    • vvv Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Heidi Maria Glössner als Claire Zachanassian übt Rache mit Geld. vvv

      St. Gallen und Basel – «Der Besuch der alten Dame» von Dürrenmatt

      Die Geschichte von Claire Zachanassian hat Friedrich Dürrenmatt den Durchbruch als Dramatiker gebracht. Die alte Dame kehrt nach 40 Jahren in ihr Heimatdorf zurück, um von ganz Güllen Gerechtigkeit einzufordern. Die Verfilmung im Jahr 1982, mit Maria Schell in der Hauptrolle, hat aus Claire Zachanassian eine Ikone der Rache gemacht. Eine Rächerin, die das Unrecht mit Geld statt mit Gewalt aufwiegt. Wie diese Geschichte auf der Bühne heute noch erzählt werden kann, wo Geld längst über Gerechtigkeit regiert, das interessiert in der kommenden Spielzeit gleich zwei Stadttheater. Man darf gespannt sein, wie die Claire Zachanassian des 21. Jahrhunderts auf der Bühne aussieht. Premiere am 19. September im Theater St. Gallen und am 26. März 2015 am Theater Basel.

      Website Theater St. Gallen

    • Porträt Volker Hesse Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Volker Hesse, Choreograph der Massen. Keystone

      Bern – «Die Ilias» von Homer

      In der «Ilias» beschreibt Homer den Kampf um das mythische Troja. Zentrales Thema ist das blinde, kriegerische Wüten: «der Zorn des Achilles», wie das Epos formelhaft wiederholt. Die Griechen werden Troja dem Erdboden gleichmachen, die Trojaner flüchten und suchen in Italien Asyl. Da treffen sich antike Mythologie und zeitgemässe Fragen. Im Theater Bern schaut Volker Hesse auf den Stoff. Der Regie-Altmeister hat viel Erfahrung mit chorischen Theaterformen. In seiner Fassung stützt er sich auf die neueste Übersetzung des Werkes, die 2008 der österreichische Autor Raoul Schrott geschaffen hat. Premiere am 4. September, Konzerttheater Bern, Vidmarhallen.

      Webseite Konzerttheater Bern

    • Porträt Philipp Stölzel Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Philipp Stölzel ist auch bekannt durch seine Filme («Nordwand», «Goethe» und «Medicus»). Matthias Baus

      Luzern und Basel – «Frankenstein» von Mary Shelley

      Eigentlich ist auch dies ein Schweizer Stoff: Mary Shelley hat ihren Roman «Frankenstein oder Der moderne Prometheus» nämlich 1816 am Genfersee verfasst. Der junge Schweizer Naturwissenschaftler Viktor Frankenstein erschafft darin einen künstlichen Menschen. Dieser entweicht aus dem Labor, entwickelt ein Eigenleben und wütet durch die Welt. Auf heutiger Sicht kann der Roman als politisches Statement gegen den technologischen Fortschritt oder ganz einfach als Schauermärchen gelesen werden. Umso spannender, dass gleich zwei Schweizer Bühnen mit diesem Stoff ihre Spielzeit eröffnen. Das Theater Luzern bezieht sich dabei auf das Theaterstück des deutschen Dramatikers Thomas Melle. Dieser hat eine aktuelle Frankenstein-Version als «heitere Parodie auf den perfekten Menschen» geschrieben. Premiere am 30. August, Luzerner Theater, UG. Das Theater Basel spielt «Frankenstein – The Demon of Switzerland» in einer Bühnenfassung vom beteiligten Dramaturgen Jan Dvořák, unter Mitarbeit von Regisseur Philipp Stölzl. Premiere am 19. September, Theater Basel, Grosse Bühne.

      Website Luzerner Theater

    • Porträt Herbert Fritsch Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Regisseur Herbert Fritsch enfesselt den Schwank. T+T Fotografie

      Zürich – «Der schwarze Hecht» von Paul Burkhard

      Eigentlich sollte es eine gutbürgerliche Geburtstagsfeier werden bei Fabrikant Oberholzer. Mit Hecht zum Hauptgang. Aber ganz so bürgerlich ist die Familie nicht: Bruder «Obolski» wurde Zirkusdirektor, er bringt eine exotische Schönheit mit zur Feier und bald geht’s drunter und drüber. Paul Burkhards Mundart-Musikstück «Der schwarze Hecht» ist ein Klassiker. Auch wer ihn nie gesehen hat, hat die Melodie von «O mein Papa» im Ohr: Lys Assia, Ruedi Walter, Margrit Rainer … Am Schauspielhaus, wo Burkhard einst Hauskomponist war, wird «Der schwarze Hecht» jetzt von Herbert Fritsch inszeniert. Der einstige Castorf-Schauspieler, Slapstick-Papst und Schwank-Entfessler hat schon andere Klassiker des Genres in den Wahnwitz getrieben. Man darf sich auf einiges gefasst machen, aber ganz gewiss nicht auf Heimatstil! Premiere am 25. September, Schauspielhaus Zürich, Pfauen.

      Website Schauspielhaus Zürich

Spielplan des Theater Basel («Der Besuch der alten Dame» und «Frankenstein»): hier.

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