Das war 2016 Die fünf besten Filme 2016

Ein trauriger Scherzkeks, die zivilisationsmüde Anja, kindliche Albträume, ein autistischer Antiheld und subtiler Alltagshumor: Das sind die Filme aus dem Kinojahr 2016, die sich am tiefsten in unser cinephiles Gedächtnis eingegraben haben.

«Toni Erdmann» von Maren Ade

Winfried stürzt sich mit falschen Zähnen und Perücke in die ritualisierte Business-Welt seiner entfremdeten Tochter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Winfried stürzt sich mit falschen Zähnen und Perücke in die ritualisierte Business-Welt seiner entfremdeten Tochter. Filmcoopi

Der Vater ein trauriger Scherzkeks, die Tochter eine gestresste Konzern-Beraterin beim Karrierekraxeln – und der Film ein unerwartetes Wunder aus Deutschland.

Regisseurin Maren Ade hat am Filmfestival von Cannes die Kritiker überzeugt, indem sie dem deutschen Film den absurd-lakonischen Humor zurückgegeben hat. Jenen Humor, den die Nazis zusammen mit Regisseuren wie Billy Wilder oder Ernst Lubitsch seinerzeit aus dem Land vertrieben hatten.

«Toni Erdmann»: ein traurig-komisches Meisterwerk

«Wild» von Nicolette Krebitz

Der Wolf weckt das Wilde in ihr: Lilith Stangenberg als Anja mit ihrem neuen Gefährten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Wolf weckt das Wilde in ihr: Lilith Stangenberg als Anja mit ihrem neuen Gefährten. Praesens Film

2016 war das Jahr des deutschen Filmwunders. Neben dem grossartigen «Toni Erdmann» verblüffte die unzähmbare Nicolette Krebitz mit Schauspielerin Lilith Stangenberg in der Rolle der zivilisationsmüden Anja.

Die Begegnung mit einem Wolf weckt in der Frau eine neue wilde Lebenslust und mit der risikofreudigen Inszenierung des Films eine wölfische Wachheit beim Publikum, die man kaum für möglich gehalten hatte.

«Wild»: Ein Wolf als Schauspiel-Partner

«Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children» von Tim Burton

Tim Burton verfilmte den äusserst erfolgreichen Jugendroman «Miss Peregrine's Home for Peculiar Children». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tim Burton verfilmte den äusserst erfolgreichen Jugendroman «Miss Peregrine's Home for Peculiar Children». Fox Movies

Mit dieser Buchverfilmung fand Tim Burton nach seinem verstiegen sterilen «Alice in Wonderland» zurück zu seinen gruselig-herzlichen Anfängen voller kindlicher Albträume.

Für einmal helfen 3D und hochstehende Computergrafik tatsächlich, der Fantasie Tür und Tor zu öffnen – statt, wie so oft im aktuellen High-Tech-Kino, dem Sehen jedes Staunen auszutreiben. State of the Art – ein Film, der mit den technischen Möglichen das erzählkünstlerische Maximum herausholt.

Komische Kinder, Zeitreisen und Monster – typisch Tim Burton

«Aloys» von Tobias Nölle

Aloys verhält sich der geheimnisvollen Anruferin gegenüber distanziert. Aber nur anfangs. Dann verliebt er sich in sie. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Aloys verhält sich der geheimnisvollen Anruferin gegenüber distanziert. Aber nur anfangs. Dann verliebt er sich in sie. Hugofilm

Wenn Tim Burton mit den Möglichkeiten des Kinos das Potential der Fantasie auslotet, dann reicht ihm der junge Schweizer Tobias Nölle beim Mut und beim Gestaltungswillen durchaus das Wasser.

Die akustischen Zwischenwelten, die sich seinem beinahe autistisch verkapselten Antihelden Aloys über Telefongespräche erschliessen, sind so fantastisch und gefährlich wie alles bei Burton. Und dazu noch philosophisch unterfüttert und von Kinowurzelgemüse durchwachsen.

Das kleine komplexe Kinokunstwerk aus Zürich

«Under the Shadow» von Babak Anvari

«Under the Shadow»: Alleinerziehende Mutter im Irak-Iran Krieg 1988. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Under the Shadow»: Eine alleinerziehende Mutter während des Irak-Iran Kriegs 1988. Wigwam Films

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Das war 2016

Redaktorinnen und Redaktoren von SRF Kultur schauen auf die Highlights des Jahres 2016 zurück:

Dieses moderne Meisterwerk des subtilen Horrors hat es zwar bisher nicht in die Schweizer Kinos geschafft, aber wenigstens ans Neuchâtel International Fantastic Film Festival NIFFF im Juli.

Babak Anvari erzählt von Menschen in Teheran, im Irak-Iran Krieg 1988. Mutter und Tochter sitzen fest in einem Hochhaus, eine Rakete schlägt ein, ohne zu explodieren. In der Wohnung der beiden passieren unerklärliche Dinge. Kriegstraumata als subtiler Alltagshorror, ohne Blut, aber mit Schrecken: Einer der überraschendsten Filme des Jahres.

NIFFF 16: «Under the Shadow» von Babak Anvari