«300: Rise of an Empire» – Eva Green und die knüppelharten Männer

Das martialische Schlachtepos «300» spielte über 450 Millionen Dollar ein und gehörte damit 2006 zu den erfolgreichsten Filmen. An der bildgewaltigen Blut- und Effekt-Orgie kritisiert wurde besonders die Absenz von Frauen. Der «300»-Nachfolger «Rise of an Empire» versucht dieses Manko wettzumachen.

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Keine 3 Minuten: «300: Rise of an Empire»

2:38 min, vom 6.3.2014

Der griechische General Themistokles (Sullivan Stapleton) kämpft in «Rise of an Empire» gegen eine Frau: Ex-Bond-Girl Eva Green verkörpert die Feldherrin Artemisia, die für den persischen Gottkönig Xerxes in den Krieg zieht. Gekämpft wird auf hoher See. Im Verlauf des 100-minütigen Films gibt es drei grosse Schiffsschlachten in der inzwischen oft kopierten «300»-Ästhetik. Bis zum Umfallen stilisiert, schlitzen sich Griechen und Perser an Bord gegenseitig die Sixpacks auf. Doch das Blut spritzt nicht nur, es kommt auch in Wallung: Wenn Artemisia ihre weiblichen Reize in die Waagschale wirft, um aus dem Feind Themistokles einen Liebesdiener zu machen.

Das stärkste Zitat

«Du kämpfst härter als du vögelst!» (Eva Green als Artemisia zu ihrem Schwertkampf-Gegner Themistokles, mit dem sie kurz zuvor ein Techtelmechtel hatte.)

Fakten, die man kennen sollte

«300: Rise of an Empire» setzt die Handlung von Zack Snyders Comicverfilmung «300» nicht fort. Das neue Schlachtepos erweitert das Bild der Perserkriege nur um ein weiteres, gleichzeitig stattfindendes Gemetzel. «Wir haben ein neues Genre erfunden: den Parallelfilm», liessen die Macher darum augenzwinkernd verlauten. «Rise of an Empire» ist folglich weder ein «Sequel» (Fortsetzung) noch ein «Prequel» (Vorgeschichte), sondern ein «Parallequal».

Das klingt nach Innovation, ist aber im Grunde nur die einfachste Methode, ohne die Stars des Originals weiter Geld aus der «300»-Saga herauszupressen. Von Gerard Butler und Michael Fassbender, den teuersten Schauspielern des ersten Teils, fehlt in «Rise of an Empire» darum jede Spur. Einzig Rodrigo Santoro ist als persischer Gottkönig Xerxes wieder mit von der Partie.

Der Regisseur

Regisseur in weissem Hemd steht neben der Kamera, Hände in der Luft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Regisseur Noam Murro. Warner Bros.

Eigentlich ist Zack Snyder der Kopf hinter «300». Wegen eines Terminkonflikts begleitete er «Rise of an Empire» aber nur als Autor und Produzent. Das Superman-Projekt «Man of Steel» hinderte Snyder daran, das zweite «300»-Projekt selbst zu inszenieren. Regie führte darum der weitgehend unbekannte Israeli Noam Murro. Der flammende Fan von Snyders Spartaner-Metzelei empfahl sich bei den Bossen von Warner Brothers mit einem aufwändig produzierten «300»-Kurzfilm. Die Kosten dafür trug er selbst, wie er der erstaunten Fachpresse stolz verkündete: «Dabei habe ich mich so verschuldet, dass mein Konto wahrscheinlich heute noch im Minus ist.» Ein Verlustgeschäft? Unsinn. Murros Mut wird sich auszahlen. In Form des erwarteten Karrieresprungs und der vereinbarten Gewinnbeteiligung an «Rise of an Empire».

Das Urteil

«300: Rise of an Empire» ist martialisches Hochglanz-Kino mit stark erhöhter Frauen-Quote, neuer Besetzung und zeitgemässer 3-D-Optik. Ansonsten hat sich im Vergleich mit dem ersten Teil aus dem Jahre 2006 leider kaum etwas verändert. Die «300»-Saga besteht weiterhin hauptsächlich aus humorlos blutigen Zeitlupenkämpfen. Okay, mehr Tiefgang konnte nicht wirklich erwartet werden, mehr Überraschungen aber schon. Inhaltlich geschieht abgesehen von Artemisias kurzer Charme-Offensive bei Themistokles und Xerxes‘ Verwandlung zum Gottkönig nichts Nennenswertes. Und formal hat «Rise of an Empire» den Vorsprung eingebüsst, den die Saga vor acht Jahren klar vom Action-Durchschnitt abgehoben hatte. Damals war die Ästhetik revolutionär, mittlerweile ist sie nur noch Mainstream.