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54. Solothurner Filmtage Kolossale Brücken jenseits des Atlantiks: «Gateways to New York»

Eine filmische Hommage an den revolutionären ETH-Ingenieur und Brückenbauer Othmar Ammann.

Legende: Video Trailer zu «Gateways to New York» abspielen. Laufzeit 02:10 Minuten.
Aus Kultur vom 25.01.2019.

Er ist einer der grossen Schweizer, die Geschichte schrieben: der Ingenieur Othmar Ammann, ausgezeichnet mit mehreren Ehrendoktor-Titeln. Der Erbauer der George-Washington-Brücke, die jeder New York-Urlauber kennt. Die von ihm konstruierten Brücken prägen Manhattan bis heute. Sein bewegtes Leben, davon erzählt der Dokfilm «Gateways to New York».

Ein Schweizer in New York

Der Schweizer ETH-Ingenieur wanderte 1904 nach New York aus. Der Auswanderer schrieb unzählige Briefe, Notizen und Tagebucheinträge. Diese Texte in der Ich-Form werden im Film vorgelesen.

Durch diesen kleinen Kniff bekommt der Zuschauer einen Einblick in die persönliche Gedankenwelt von Othmar Ammann, wird der Mensch greifbar.

Auf dem Bild ist der noch eher junge Othmar Ammann zu sehen.
Legende: Othmar Ammann plante ursprünglich nur ein, zwei Jahr in den USA zu bleiben. ETH-Bibliothek Zürich Bildarchiv, Carl Kling-Jenny

1902 schloss Othmar Ammann sein Studium an der ETH ab. Zwei Jahre später reiste er nach New York, um dort erste Berufserfahrung zu sammeln. Schon damals träumte er bei einsamen Sonntagsspaziergängen am Hudson River von einer Brücke, die diesen überqueren sollte.

Einsam war er deshalb, weil er seine geliebte Lilly Wehrli in der Schweiz zurückgelassen hatte. Die beiden hielten mit Briefen Kontakt. Bis sie ihm in die USA folgte. 1905 heirateten sie.

Auf dem Bild ist die schlichte George Washington Brücke zu sehen.
Legende: Dieser Koloss war Ammanns erste Hängebrücke. Frenetic Films

1912 wurde Ammann Chef-Assistent im führenden amerikanischen Ingenieurbüro Gustav Lindenthal in New York. Der Auswanderer sollte Lindenthals riesiges Hudson-Projekt neu berechnen, für ihn ein absoluter Traumjob.

Doch der Ingenieur zweifelte immer mehr an der Machbarkeit der Eisenbahnbrücke seines Chefs. Heimlich machte er Berechnungen für seine eigene, leichtere Autobrücke.

Die längste Brücke der Welt

1923 verliess er Lindenthals Büro, um an seinem eigenen Entwurf zu arbeiten. Seine Brücke sollte mehr als doppelt so lang wie die damals längste Brücke der Welt werden.

Lindenthals Projekt fand keine Unterstützung. Ammann hingegen bekam 1925 grünes Licht für den Bau der George Washington Bridge. 1931 wurde sie eröffnet. Ein Unterdeck folgte 1962.

Karriere-Höhepunkt mit 85 Jahren

Das Bild wurde an Anfang der der Verrazano-Brücke aufgenommen. Man sieht riesige Türme und Stahlseile.
Legende: Die Verrazano-Brücke war Othmar Ammans letztes Werk. Frenetic Films

Mit 85 Jahren erreichte Othmar Ammann den Höhepunkt seiner Karriere mit der Eröffnung der Verrazano-Brücke. Eine doppelstöckige Autobrücke.

1959 begann der Bau der Brücke über die New Yorker Hafeneinfahrt. Über 12'000 Mann arbeiteten auf der Baustelle. Keine Arbeit für Angsthasen.

Auf dem Bild ist ein indigener Amerikaner zu sehen.
Legende: Alex Mayo hatte den gefährlichsten Job beim Brücken-Bau. Frenetic Films

Im Film erzählen zwei amerikanische Ureinwohner aus dem Stamm der Mohawks vom Bau. Einer der Arbeiter: Alex Mayo. Er hat als «Skywalker» gearbeitet. Der junge Arbeiter baute hoch oben die riesigen Stahlträger zusammen. Das war die weitaus gefährlichste Arbeit. Ein falscher Schritt – und man stürzte in die Tiefe.

Arbeit in schwindelerregender Höhe

Arbeitssicherheit hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch keine Priorität. Erst Ammann führte Netze unterhalb der Brücken ein, um herunterfallende Arbeiter aufzufangen.

Einige Tage vor der Eröffnung der Verrazano-Brücke im Jahr 1964 verlieh ihm der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson die begehrte «National Medal of Science». Nur 10 Monate nach der Eröffnung seines grössten Meisterwerks starb der Ingenieur im Alter von 86 Jahren.

Auf dem Bild ist eine sehr lange Brücke von Othmar Ammann zu sehen.
Legende: Regisseur Martin Witz hat Ammanns Brücken perfekt inszeniert. Frenetic Films

«Gateways to New York» ist eine Zeitreise. Alte Videoaufnahmen und Fotografien führen den Zuschauer durch die erste Hälfte des amerikanischen 20. Jahrhunderts.

Die Aufnahmen sind teilweise wunderschön. Die imposanten Brücken sind perfekt in Szene gesetzt. Diese Bilder und die Geschichte dahinter begeistern.

RSI- & SRG-Koproduktion

RSI und SRG haben diesen Film koproduziert.

So ist der Film am Ende nicht nur ein Portrait von Othmar Ammann. Es zeigt vielmehr, wie die USA zu dem wurde, wie man sie heute kennt: Ein modernes Industrieland. Mit seinen Highways, Wolkenkratzern – und eben den Hängebrücken.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Tom F. Peters (Konstruktionshistoriker)
    Die Bemerkung, dass man hätte erwähnen können, dass Ammann bei der Golden Gate Brücke Berater war mag berechtigt sein, weil man allgemein in der Schweiz glaubt, er hätte sie gebaut. Dieser Fehler hat der Film aber bereits entgegengewirkt indem er sie gar nicht erwähnte. Es stimmt zwar, dass Strauss's Entwurf weder gut noch machbar war, es war aber nicht Ammann allein, der Strauss's bizarren Entwurf verwarf, auch das Publikum sowie alle anderen Fachleute waren dagegen.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Peters: Es wird nirgendwo "geglaubt", dass Ammann die Golde Gate Bridge gebaut habe. Der Beitrag Ammanns zur Golden Gate Bridge ist auch eher klein, aber doch bedeutend (Melan's Deflektionstheorie ergänzt mit vermuteten, heute bekannten, dynamischen Wechselwirkungen zwischen Wind und Brücke). Moisseiff, auf dessen Design die Brücke ja beruht, wollte ursprünglich viel schlanker bauen (siehe Tacoma-Narrows-Bridge), Charles Ellis (Strukturdesign), Derleth und Ammann hatten da ihre Bedenken.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Es darf ruhig noch bemerkt werden, dass Ammann zusammen mit Leon S. Moisseiff (Manhattan Bridge, NYC) und Prof. Charles Derleth Jr. (Uni Berkeley) bei der Golden Gate Bridge in beratender Funktion ("Beirat") tätig war, da das Design von Joseph B. Strauss technisch nicht überzeugte.
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Bitte an SRF:Bringt diesen Film sobald als möglich in Eurem Programm unter,am besten zu einer guten Sendezeit.
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