Augen zu und durch «Assassin’s Creed»: In den sauren Apfel beissen

Mit einem mächtigen Apfel die Menschheit kontrollieren zu können, klingt nach absurdem Filmstoff. Ist es auch. Die Verfilmung des gleichnamigen Games «Assassin’s Creed» ist schnell und völlig sinnlos.

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Filmstart dieser Woche: «Assassin's Creed»

2:12 min, aus Keine 3 Minuten – Die Filmkritik für Eilige vom 29.12.2016

Jonagold, Braebury, Elstar – wenn man «Assassin's Creed» gesehen hat, blickt man anders auf das Apfelsortiment im Supermarkt. Denn in dem Actionspektakel steht ein ganz besonderes Stück Obst im Mittelpunkt: Der Apfel aus dem Garten Eden. Die verbotene Frucht soll den Samen des freien Willens enthalten. Sozusagen ein allmächtiger Apfel mit dem man die Menschheit kontrollieren kann.

Fiese Templer, also Mönchsritter, wollen das Kernobst besitzen, ein paar kapuzentragende Mörder auch, und irgendwie hat Amerika-Entdecker Christoph Columbus ebenfalls was mit der hanebüchenen Handlung zu tun.

    • 1.
      Das Zitat
      Mann und Frau im Labor Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Marion Cotillard und Michael Fassbender: Von Shakespeare zu Game-Action. Keystone

      «Spring», ruft Schauspielerin Marion Cotillard irgendwann in dem Film. Man möchte das als Aufforderung verstehen, aus dem Kinosessel zu springen, um in der nächsten Beiz seinen Kummer über den schlechten Film zu ertränken.

    • 2.
      Der Regisseur
      Regisseur Justin Kurzel Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Regisseur Justin Kurzel hat bei der Premiere nichts zu lachen. Keystone

      Justin Kurzel heisst der Mann, der «Assassin's Creed» in Szene gesetzt hat. Den 42-jährigen Australier muss man nicht unbedingt kennen. Wissenswert ist allerdings der Umstand, dass er 2015 Shakespeares «Macbeth» auf die Leinwand brachte und auch dort die beiden Edelmimen Marion Cotillard und Michael Fassbender die Hauptrollen innehatten. Tja, mit der Klassiker-Verfilmung war Kurzel immerhin für die Goldene Palme von Cannes nominiert. Für «Assassin's Creed» gibt`s höchstens eine Chance auf die Goldene Himbeere. Wie sagt Lady Macbeth es so schön: «Auf Dinge, die nicht mehr zu ändern sind, muss auch kein Blick zurück mehr fallen! Was getan ist, ist getan und bleibt.»

    • 3.
      Fakten, die man wissen sollte
      Mann springt von Kirchendach Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Den «Leap of Faith» gibt's sogar als Statue in Fan-Shops. Warner Bros.

      Der unter Game-Fans berühmte «Leap of Faith» durfte nicht, wie fast der gesamte Rest des Films, Computer animiert sein. Für diesen Sprung stürzte sich der Stunt-Star Damien Walters ungesichert von fast vierzig Metern in ein Luftkissen. Den Weltrekord für den höchsten Stunt-Sprung in einem Film hat er damit aber nicht gebrochen. Den Rekord hält immer noch Stuntman Dar Robinson. 1981 sprang er für den Film «Sharky und seine Profis» ohne Sicherungsseil von 60 Metern aus einem Hotel.

    • 4.
      Das Urteil
      Mann mit Kapuze Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Michael Fassbender will damit bestimmt keine Apfelschnitze verteilen. Warner Bros.

      Eigentlich hätte bei der Game-Verfilmung nicht viel schief laufen können. Immerhin war ein Regisseur am Hebel, der schon anspruchsvollere Stoffe erfolgreich umgesetzt hat. Dazu gab’s eine hochkarätige Besetzung und über 150 Millionen Dollar Produktions-Budget. Herausgekommen ist monotones Gemetzel über den Dächern des spätmittelalterlichen Spaniens. Vom aufwendig animierten Madrid kriegt man so viel mit, wie von der Landschaft aus dem Fenster eines Hochgeschwindigkeitszugs. Mit Non-Stop-Action und Dialogen für Einzeller will «Assassin’s Creed» eine Geschichte über Religion, Wissenschaft, Weltfrieden und Machtmissbrauch erzählen. Das macht alles irgendwie keinen Sinn.

Kinostart: 27.12.2016