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Film & Serien Auf den Spuren von Daft Punk gibts Probleme statt Glamour

Mitte der 1990er-Jahre wehte eine kleine Musikrevolution durch Frankreich: die «French Touch»-Bewegung – mit Künstlern wie Daft Punk. In «Eden» erzählt Mia Hansen-Løve von der Geburtsstunde dieser Musik – und vom Leben eines DJs, das nicht so glamourös ist wie der Sound. Der DJ ist ihr Bruder.

Ein Mann und eine Frau im Auto. Sie schläft auf seiner Schulter.
Legende: Beziehungsprobleme, Geldprobleme, Drogenprobleme: «Eden» widmet sich auch den Schattenseiten eines DJ-Lebens. Praesens Film

Es war eine kleine musikalische Revolution, die sich die Mitte der 1990er-Jahre in Frankreich ereignete: Die sogenannte «French Touch»-Bewegung. Eine neue Generation von DJs und Musikern kombinierte in Paris House- und Techno-Rhythmen mit eingängigen Synthesizer-Melodien, mit Samples aus der Soul-Musik und mit viel verfremdetem Gesang.

Die Geburtsstunde eines neuen Sounds

Legende: Video Trailer «Eden» abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus Kultur vom 30.04.2015.

«Mir gefiel es besser, als sie noch Techno spielten», sagt eine Partygängerin. «Du verstehst nichts davon. Das hier ist moderne Discomusik», sagt ihr Gegenüber. Tatsächlich ist das, was sich hier in einem dicht bevölkerten Wohnzimmer abspielt, die Geburtsstunde eines neuen Sounds: Die beiden jungen Männer hinter den Plattentellern, die hier Zigaretten rauchend ihren neuen Track abspielen, tragen zwar noch keine Roboterhelme, aber sie werden unter dem Namen «Daft Punk» schon bald weltberühmt sein.

Doch das Phänomen Daft Punk kommt im Film «Eden» von Mia Hansen-Løve nur am Rande vor. «Eden» erzählt vielmehr die Geschichte von Paul, einem jungen Mann, der sich von der gleichen Musikwelle mittreiben lässt, und der selbst als DJ auflegt – wenn auch nur mit einem Bruchteil des Erfolgs seiner Kollegen. Paul, gespielt vom Newcomer Félix de Givry, steht vor allem auf das Untergenre «Garage House»: Ihn fasziniert das Nebeneinander von roboterhafter, maschineller Kälte und warmem Soul. Diese Kombination aus heiss und kalt, wie er an einer Party ausführt.

Der Bruder als Hauptfigur und künstlerischer Beirat

Mia Hansen-Løve erzählt in «Eden» also die Geburtsstunde einer neuen Musikrichtung, aber sie hat auch einen starken persönlichen Bezug zur Geschichte: Der junge DJ Paul, die Hauptfigur, basiert auf ihrem eigenen Bruder Sven Løve, der in den 90er-Jahren in der «French Touch»-Szene aktiv war. Hansen-Løves Bruder hat den Film mitgeschrieben und das Projekt zudem als künstlerischer Berater begleitet.

Ein Dj legt auf. Im Hintergrund sind Menschen.
Legende: Ein Leben für die Platten: Félix de Givry spielt den Bruder der Regisseurin. Praesens Film

Speziell ist an «Eden», dass diese Zeit nicht glorifiziert oder nostalgisch gefärbt wird: Von der bunten, retro-futuristischen Glitzer- und Glam-Ästhetik, welche die Plattencovers und Musikvideos der damaligen Zeit kennzeichnete, gibt es in Hansen-Løves Film so gut wie nichts zu sehen. Hansen-Løve zeigt die Szene als das, was sie nüchtern betrachtet tatsächlich war: Rauchende DJs hinter Plattentellern und an Elektronikreglern, und vor ihnen mehr oder weniger benebelte Menschen mit mehr oder weniger Rhythmusgefühl. Und dazwischen: Pauls Geldprobleme, Pauls Beziehungsprobleme, Pauls Drogenprobleme.

Kein Abbild der Euphorie

Von Euphorie ist in «Eden» nicht viel zu spüren. Und genau das ist auch die Absicht: Hansen-Løve interessiert sich nicht für den vordergründigen Glamour des «French Touch», sondern vielmehr für die Geschichte eines Menschen, der aus Liebe zur Musik einige Jahre lang erfolgreich mit einer Modeströmung mitzieht, der dann aber einsehen muss, dass man erstens nicht ewig Party machen kann und dass man zweitens irgendwann zum alten Eisen gehört, wenn man sich nicht dem Geschmack der Zeit anpasst.

Und so ist der über zweistündige «Eden» nicht prioritär ein Film über französische Pioniere der elektronischen Musik, sondern vor allem ein gewollt unsentimentales Werk über die Vergänglichkeit der Jugend. Nostalgische Gefühle rund um den «French Touch» der 1990er-Jahre bietet der Film bewusst keine an – aber durch den hinreissenden, authentischen Soundtrack entsteht diese Nostalgie von allein, in den Köpfen der Zuschauer.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 30.4.2015, 06:45 Uhr

Kinostart: 30.4.2015

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