Barack und Michelle Obama: Ihr erster Kuss läuft im Kino

Hollywood setzt dem ersten, schwarzen US-Präsidenten noch zu seiner Amtszeit ein filmisches Denkmal. «Southside With You» zeigt Barack Obama beim ersten Date mit seiner zukünftigen Frau Michelle. Die Kritiker und das Publikum sind begeistert. Die Romantisierung des Präsidentenpaars hat begonnen.

Barack Obama und seine Frau Michelle Arm in Arm. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rendez-vous mit dem zukünftigen Präsidenten der USA: Michelle (Tika Sumpter) und Barack (Parker Sawyers). Miramax/Roadside Attractions

Der erste Kuss zwischen Barack und Michelle schmeckte nach Schokolade. Es war Sommer 1989 in Chicago.

Die beiden sassen auf einer Bank unter Bäumen. Der 28-jährige Harvard-Student hatte der 25-jährigen Anwältin, die er zu verführen hoffte, soeben ein Eis gekauft.

Die Taktik funktionierte. Von da an gehörten die zwei zusammen. Die Szene funktioniert ebenfalls.

«Southside with You» (Trailer)

2:00 min, vom 3.9.2016

Süsser Obama-Moment

Der Film «Southside With You» von Richard Tanne über das erste Date des heutigen Präsidentenehepaars läuft erst seit einer Woche in amerikanischen Kinos.

«The Ice Cream-Scene», der Glacé-Moment, gilt schon jetzt als eines der süssesten aller popkulturellen Souvenirs der Obama-Ära.

Seltene Ehre

Dabei sind Spielfilme über noch amtierende Präsidenten in den USA ziemlich ungewöhnlich. John F. Kennedy war einer der wenigen, dem diese Ehre zu Teil wurde. Ihn stellte Cliff Robertson 1963 als Kriegshelden in «PT 109» dar.

Oliver Stone ging mit George W. Bush 2008 in der ätzenden Satire «W» weit weniger verklärend um.

Michelle und Barack laufen durch einen Park. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: So fing alles an: Michelle und Barack spazierten auf ihrem ersten Date durch Chicagos South Side. Miramax/Roadside Attractions

Alle sind bezaubert

Von «Southside With You» sind Amerikas Kritiker und das Publikum bezaubert. Das, obwohl oder gerade weil politische Themen darin weitgehend ausgeblendet werden.

Als erstem schwarzem Präsidenten der Vereinigten Staaten ist Barack Obama ein prominenter Platz in den Geschichtsbüchern sicher – unabhängig davon, wie seine Politik beurteilt wird.

Frühzeitige Romantisierung

Mit der frühzeitigen Romantisierung seiner Person tut sich das Land daher selber einen Gefallen. Obamas Lebenslauf passt hervorragend zum Lieblingsmythos der USA. Hier kann es jeder nach ganz oben schaffen. Auch der Sohn eines kenianischen Vaters, den er kaum kannte, und einer alleinerziehenden Mutter.

Ein kleiner Charmeur

Selbst Obamas vehementesten Gegner werden sich hüten, ausgerechnet diesen Aspekt seiner Geschichte kleinzureden. Wenn die Traumfabrikanten den Job übernehmen, den Oberbefehlshaber als Charmeur zu zeigen, umso besser.

Das liberale Hollywood mochte Barack Obama ohnehin von Anfang an. Allerdings war der Regisseur Richard Tanne beim Verfassen seines Drehbuchs auf öffentliche Quellen angewiesen.

Hat Obama den Film gesehen?

Die Obamas wussten von Tannes Projekt, waren aber nicht darin involviert. Der Schokoladenkuss ist trotzdem verbürgt. Den hat Obama in seinem Buch «Hoffnung wagen» selbst beschrieben.

Nicht bekannt ist, ob die Obamas «Southside With You» gesehen haben und falls ja, was sie davon halten.

Tanne und sein Crew wären zu einer Privatvorführung im Weissen Haus bereit. Bisher lässt die Einladung von dort auf sich warten.