Jean-Luc Godard - Der Nonkonformist

Als Mitbegründer der Nouvelle Vague lehnte Jean-Luc Godard sich gegen die (un)geschriebenen Gesetze des Kinos auf und schuf eine unverkennbare, experimentelle Filmsprache. Für sein CINEMAsuisse-Porträt hat Godard persönlich das Drehbuch geschrieben.

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Jean-Luc Godard (ein Film von Lionel Baier)

27 min, aus CINEMAsuisse vom 6.9.2012
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CINEMAsuisse

Zehn grosse Schweizer Filmschaffende und jeder ein Meister seines Fachs: Ihnen widmete CINEMAsuisse, die Fernsehreihe der SRG SSR, 2012 je einen Porträtfilm. Zehn weitere Porträtfilme folgen ab Juni 2013.

Jean-Luc Godard wurde 1930 als Kind schweizerisch-französischer Eltern in Paris geboren. Seine Jugendjahre verbrachte er in der Westschweiz und kehrte dann nach Paris zurück, um an der Sorbonne Ethnologie zu studieren.

Während seiner Studienzeit begann er als Filmkritiker für die französische Filmzeitschrift «Cahiers du cinéma» zu schreiben. Die Beschäftigung als Filmkritiker bezeichnete er später als äusserst wichtig für sein eigenes Filmschaffen. Der Durchbruch als Cineast gelang Godard 1960 mit dem Spielfilm «À bout de souffle» mit Jean-Paul Belmondo in der Hauptrolle.

Apokalyptische Gesellschaftskritik

Ende der 1960er Jahre entfernte sich Godard vom realistischen Erzählkino in Richtung Experimentalfilm. «Week-end», 1967 entstanden, ist ein ins Absurde getriebenes, apokalyptisches Stück Gesellschaftskritik.

Cabriolet ist in Lastwagen gefahren, Fahrer und Mitfahrer hängen leblos hinaus Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Szene aus «Week-end» (1967). SRF

Der Film verstösst geradezu radikal gegen die Sehgewohnheiten des europäisch-amerikanischen Kinos. Schrifteinblendungen unterbrechen die Handlung, experimentelle Montagen verzerren die Grenzen zwischen Realismus und Fiktion, ungewohnt lange Totalen strapazieren die Handlungsbögen.

Politische Dimension

Jean-Luc Godard hat mit seinen kritischen Schriften und experimentellen Filmen das Filmschaffen bis heute nachhaltig mitgeprägt. Querdenker Godard lässt die Darstellerin im Film «2 ou 3 choses que je sais d’elle» sagen: «Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen der Welt – meiner Sprache, meiner Welt.»

Es ist eine illusionäre Filmwelt, auch wenn sie Realität vorgaukelt, welche Jean-Luc Godard entstehen lässt – ein Konstrukt mit politischen Dimensionen. Godards Nonkonformismus macht auch vor CINEMAsuisse nicht halt: Das Drehbuch hat der Meister persönlich konzipiert; realisiert hat es Fabrice Aragno.