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«Crazy Rich Asians» Ein Hype und seine Hintergründe

Amerikanisches Kino mit asiatischem Cast: Der Film «Crazy Rich Asians» ist in den USA ein Riesenhype. Was steckt dahinter?

Zwei Frauen, eine davon im Glitzeranzug, lachen, ein Mann steht daneben.
Legende: «Crazy Rich Asians» trägt die Handschrift von Hollywood – nur der asiatische Cast ist ungewöhnlich. Warner Bros

120 Millionen Dollar: So viel spielte die romantische Komödie «Crazy Rich Asians» bis anfangs der Woche ein. Viermal mehr, als die Produktion gekostet hat. Deutlich mehr als Romcoms durchschnittlich. Viel mehr als erwartet.

Romantische Komödien schaffen es eher selten an die Spitze der US-Kinocharts – «Crazy Rich Asians» hält sich dort seit drei Wochenenden.

Zum Vergleich: So viel spielten andere Romcoms ein

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Bei US-Liebeskomödien liegt der Durchschnitt grob bei 70 bis 80 Mio. Dollar in den USA. Zu den erfolgreichsten gehören:

  • «My Big Fat Greek Wedding» (2002) : > 240 Mio. Dollar
  • «Pretty Woman» (1990): 178 Mio. Dollar
  • «Crazy, Stupid, Love» (2011): 84 Mio. Dollar
  • «Bridget Jones»: alle 3 Filme ca. 138 Mio. Dollar

Actionfilme spielen in der Regel deutlich mehr ein als Liebesfilme. «Black Panther» dieses Jahr z.B. 700 Mio. Dollar.

Der Film irrlichtert durch Talkshows und Feuilletons, landete auf der Titelseite des Time-Magazins, Link öffnet in einem neuen Fenster – und wird im Netz gefeiert.

Der Grund für die Begeisterung: Der gesamte Cast hat asiatische Wurzeln. Das ist in Hollywood seit 25 Jahren – seit «The Joy Luck Club» – nicht mehr vorgekommen. Und wird als deutliches Zeichen wahrgenommen.

Das sagt die internationale Kritik zum Film

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Das sagt die internationale Kritik zum Film
Legende:Warner Bros

Die Story war ein Schnäppchen

Schon die Geschichte hinter dem Film klingt nach Hollywood: Für einen einzigen Dollar verkaufte Kevin Kwan, der Autor der Buchvorlage, seine Geschichte an Warner Bros.

Ein Paar steht einer Frau gegenüber.
Legende: Schon als Buch ein Erfolg: Ein Paar aus New York trifft auf die versnobte Singapurer Grossfamilie. Warner Bros

Höhere Angebote schlug er unter einer Bedingung aus: Er wollte verhindern, dass die asiatischen Figuren aus seinem Roman mit weissen Schauspielern besetzt werden. Genau das planten andere Produzenten.

Weiss gewaschen, gelb gefärbt

Dieses sogenannte Whitewashing sorgt immer wieder für Kritik. Zuletzt kochte die Debatte rund um «Aloha» (2015) oder «Doctor Strange» (2016) hoch. Vor allem aber um «Ghost in a Shell» (2017) : In der Verfilmung eines japanischen Mangas spielte Scarlett Johansson die Hauptrolle.

Yellowfacing – das «Verkleiden» weisser Schauspieler nach klischeehaftem asiatischem Vorbild – kommt heute zwar kaum mehr vor. Aber noch immer kritisieren asiatischstämmige Filmschaffende, dass Hollywood sie zu selten und zu klischiert darstellt. Etwa als unterwürfig oder streberhaft.

Michelle Yeoh blickt mürrisch in die Kamera.
Legende: Früher sei sie oft die «Quoten-Asiatin» gewesen: Michelle Yeoh als Matriarchin in «Crazy Rich Asians». Warner Bros

Selbst ein Superstar wie Michelle Yeoh sprach kürzlich in einem Interview, Link öffnet in einem neuen Fenster über die Schwierigkeiten, als Asiatin gute Rollen zu erhalten.

Neue Stars, bitte!

Vor allem die sozialen Netzwerke trugen dazu bei, dass das Thema in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit erhielt. Unter dem Hashtag #whitewashedOUT, Link öffnet in einem neuen Fenster empörten sich User über Whitewashing. Oder frozelten unter #ExpressiveAsians, Link öffnet in einem neuen Fenster gegen die Aussage eines Hollywood-Agenten, Asiaten seien «ausdruckslos».

2016 forderte die Kampagne #StarringJohnCho , Link öffnet in einem neuen Fenstereinen Blockbuster mit asiatischem Lead, indem sie den koreanisch-amerikanischen Schauspieler in diverse Filmplakate retuschierte.

Nun spielt John Cho im Thriller «Searching» (Platz 4 der Kinocharts) die Hauptrolle, während ein asiatisch besetzter Film der Kassenschlager ist. Hat Hollywood dazugelernt?

In erster Linie gut unterhalten

Im US-Filmmarkt kommt die Botschaft an: Diversität lohnt sich an der Kinokasse. Die Euphorie, die «Crazy Rich Asians» entgegenschlägt, erinnert an den Senkrechtstarter des Frühjahres: «Black Panther» – ein Superhelden-Film mit fast komplett schwarzem Cast.

Beiden Filmen ist gemein, dass sie kulturelle Minderheiten die Leinwand überlassen, dabei aber in erster Linie gut unterhalten wollen.

Neue Gesichter, bekannte Geschichte

Das Setting zwischen zwei kulturellen Welten ist auch in «Crazy Rich Asians» nur ein Nebenschauplatz – und wird in einem gefühlsdusligen Plot verpackt.

«Crazy Rich Asians» – darum geht's in der Romcom

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Die Wirtschaftsprofessorin Rachel Chu (Constance Wu) reist mit ihrem Freund Nick Young (Henry Golding) zur Hochzeit von dessen bestem Freund nach Singapur. Dort erfährt sie, dass Nicks chinesische Verwandtschaft stinkreich ist.

Die Story folgt der bekannten Cinderella-Schablone: Durchschnitts-Boyfriend entpuppt sich als Traumprinz inkl. Wohlstands-Entourage.

Bevor die Hochzeitsorgeln die lebenslange Treue einläuten können, gilt es, die Vorbehalte der Familie aus dem Weg zu räumen. Insbesondere die der Matriarchin Eleanor Young (Michelle Yeoh).

Die massentaugliche Geschichte ist einer der Gründe, weshalb der Film ein so grosses Publikum fand. Viele kannten auch das Buch – einen Bestseller.

Vor dem Kinostart weibelten zudem asiatischstämmige Unternehmer dafür, dem Film ein #GoldOpen, Link öffnet in einem neuen Fenster, ein erfolgreiches Eröffnungswochenende, zu bescheren.

Rund 40 Prozent der Tickets für «Crazy Rich Asians» wurden von Asian Americans gekauft, die rund 5 Prozent der US-Bevölkerung, Link öffnet in einem neuen Fenster ausmachen. Und das, obwohl der Film in der asiatischen Community nicht unumstritten ist.

Eine junge Frau sitzt auf einem Sofa und hält eine Hand an ihr Ohr.
Legende: Ein Kritikpunkt: Im Film sind alle reich. Auch die beste Freundin Peik Lin, gespielt von der Rapperin Awkwafina. Warner Bros

In den Augen vieler repräsentiert der Film das Milieu der Singapurer Superreichen – keineswegs die Lebensrealität von dortigen Minderheiten oder asiatischstämmigen Amerikanern.

Ein wichtiges Wort getilgt

In der Schweiz ist der Hype bisher ausgeblieben. Rund 6'800 Personen kauften die letzten Wochen ein Kinoticket.

Für Diskussionen sorgte der Film aber auch hierzulande: Denn auf dem deutschen Markt läuft er unter dem Titel «Crazy Rich» an. «Asiatisch» wurde auch aus dem Plakat getilgt.

Bildvergleich

Regler nach links verschieben Regler nach rechts verschieben
Legende:Feuerwerk statt Fächer: Auch das Plakat wurde für den deutschen Markt angepasst.Warner Bros / ImdB

Laut Warner Bros. Schweiz sind solche Anpassungen nichts Ungewöhnliches. Man habe nach einem leicht verständlichen, kurzen Titel gesucht. Trotzdem hinterlässt das einen schalen Nachgeschmack, wie Twitter-Reaktionen zeigen.

Zudem war der Film in Deutschland, Österreich und der Schweiz erst nur in Synchronfassung zu sehen. Dann auch auf Englisch – aber ohne Untertitel.

Die Zeit hätte schlicht nicht gereicht, um Untertitel anzufertigen, sagt Warner Bros Schweiz.

Aufschwung für ein verschlafenes Genre

Beim Filmverleih war man offensichtlich selbst überrascht vom Erfolg des Films. Kein Wunder, ist die romantische Komödie doch eher ein verschlafenes Genre.

Dass neue Gesichter selbst das Genre neu beleben können, ist ein erfreuliches Zeichen. Bleibt nur eins zu hoffen: Dass noch Mut bleibt, neue Geschichten zu Ende zu denken.

Lohnt sich der Film? Eine kurze Kritik zu «Crazy Rich Asians»

Lohnt sich der Film? Eine kurze Kritik zu «Crazy Rich Asians»
Legende:Warner Bros

«Crazy Rich» ist eine Romcom nach klassischem Hollywood-Rezept: Grosse Gefühle, grosse Hindernisse, durchlebt von gutaussehende Menschen in grossartigen Kulissen. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht sein.

Der Film erfindet das Genre nicht neu, sondern besteht aus altbekannten Versatzstücken: Cinderella trifft Prince Charming-Plot, inkl. Hochzeits-Klimbim und Reiche-Leute-Fimmel, verstockter Mutter, böser Ex, quirliger bester Freundin, schwulem Sidekick und eine Heerschar an Stylisten, die aus der klugen, aber unscheinbaren Frau den vorzeigbar schönen Schwan zaubern.

Ein wenig «Breakfast at Tiffanys», ein wenig «Sex and the City» und «Plötzlich Prinzessin»: Irgendwie wirkt das heute verstaubt und viel zu vorhersehbar, um über zwei Stunden zu unterhalten.

Das ist schade. Denn immer wieder scheint der Film kurz davor, bekannte Narrative zu verlassen. Mit dem schicken Singapurer Setting, dem tollen Ensemble und coolen Soundtrack wäre er bestens gerüstet, seinen eigenen Ton zu finden. Doch in der Schlüsselszene? Spielt Elvis.

Das ist das Problem des Films: Die Zwischentöne und überraschenden Momente gehen unter zwischen Klischee, Kitsch – und materialistischem Klotzen.

Man hätte dem Film mehr Mut gewünscht, nicht nur auf neue Gesichter zu setzen. Sondern auch neue Geschichten und Charaktere zu Ende zu denken.

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