Der Oscar-Favorit hat gewonnen, Verlierer ist er trotzdem

Das Sklavendrama «12 Years a Slave» hat letzte Nacht in Los Angeles drei Oscars erhalten. Für den Favoriten ist das aber eine eher magere Ausbeute (bei neun Nominierungen). Da räumte das Weltraum-Stück «Gravity» deutlich mehr ab. Und der ganz grosse Verlierer dieses Jahr? «American Hustle».

Regisseur Steve McQueen und beste Nebendarstellerin Lupita Nyong'o freuen sich - ihre Oscars in der Hand Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Drei Oscars für «12 years a slave». Das ist nicht genug für den Favoriten. Reuters

Mit «12 Years a Slave» setzte sich zum ersten Mal das Werk eines schwarzen Filmemachers durch. Steve McQueen widmete die Auszeichnung «allen Menschen, die jemals unter Sklaverei gelitten haben und jenen, die heute noch darunter leiden». Neben der Kategorie bester Film, wurde das Sklavendrama für das beste Drehbuch und die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet. Die schwarze Schauspielerin Lupita Nyong’o nahm den Oscar schluchzend entgegen.

«Gravity» ist der wahre Abräumer

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Bildlegende: Erhielt den Oscar für die beste Regie: Alfonso Cuarón. Reuters

Trotzdem stimmt die Bilanz für «12 Years a Slave» nicht. Der Film war der Favorit der diesjährigen Oscars, da durfte man bei neun Nominierungen mehr als drei Auszeichnungen erwarten. Da konnte sich das Weltraum-Stück «Gravity» besser behaupten: Es ging mit zehn Nominierungen ins Rennen und erhielt immerhin sieben Auszeichnungen. Darunter den Regie-Oscar für den Mexikaner Alfonso Cuarón.

Cuarón ist der erste Lateinamerikaner, der den wichtigsten Regiepreis erhielt. Der 3-D-Film «Gravity» siegte auch in den Kategorien Filmmusik, Kamera, Spezialeffekte, Filmschnitt, Tonmischung und Tonschnitt. In dem Streifen kämpfen Sandra Bullock und George Clooney ums Überleben im Weltall.

«American Hustle», der grosse Verlierer

Das Aidsdrama «Dallas Buyers Club» konnte zwei Schauspielerpreise einheimsen und den Oscar für Make up und Frisuren. Der Favorit in den USA um das Hauptdarsteller-Gold, Matthew McConaughey, überzeugte die Academy als HIV-Infizierter. McConaughey drückte seiner Frau Camila Alves als erstes einen langen Kuss auf den Mund, bevor er zu den üblichen Dankesbezeugungen schritt.

Sein Kollege Jared Leto gewann in der Nebendarsteller-Kategorie; auch er hatte vor allem zu danken, allen voran seiner alleinerziehenden Mama. «Setzt euch hin, ihr seid alle zu alt, um zu stehen», frohlockte die australische Schönheit Cate Blanchett. Sie gewann als beste Hauptdarstellerin im Woody-Allen-Film «Blue Jasmine».

Völlig untergegangen ist der ebenfalls mit zehn Nominierungen ins Rennen gestiegene Trickbetrüger-Film «American Hustle». Er erhielt keine einzige Statuette. Nichts zum nach Hause zu nehmen gab es einmal mehr auch für Altmeister Martin Scorsese und seinen Star Leonardo Di Caprio: Die Filmbiografie über einen windigen Börsenmakler «The Wolf of Wall Street» konnte nicht punkten. Italien gewann mit «La grande Bellezza» zum elften Mal den Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film.

Brillante Moderatorin hätte Oscar verdient

Die 86. Oscar-Verleihung war insgesamt eine brave, solide durchorchestrierte Veranstaltung. Die Show zog sich zäh dahin, es gab nur hie und da ein müdes Scherzchen der mehrheitlich adrett gekleideten Laudatorinnen und Laudatoren.

Die Moderatorin verteilt Pizzastücke Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bestellte Pizza für alle: Moderatorin Ellen de Generes. Reuters

Auch die eher sanften Musikeinlagen rissen das Publikum nicht gerade von den Sitzen. Der einzige Lichtblick: Die Moderatorin Ellen de Generes, die mit scharfem Witz und frechen Sprüchen die träge Gesellschaft bei Laune hielt. Mal im schwarzen Smoking, mal in weissen Anzug, dann wieder im ausladenden rosa Schockfummel oder in schwarzer Lederkluft, die US-Komikerin Ellen de Generes hätte auch für ihren zweiten Auftritt als Moderatorin der Oscar-Nacht selber einen verdient.