Dracula ist nicht totzukriegen

Der britische Regisseur Terence Fisher brachte Dracula gross raus: auf der Kinoleinwand mit dem 2-Meter-Mann Christopher Lee als Vampirfürst. 35 Jahre nach Fishers Tod wirkt sein Vampir-Klassiker etwas verstaubt, aber – gottbewahre – nicht blutleer.

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Filmschatz: Terence Fishers Dracula

4:17 min, vom 18.6.2015

1958 ist Fishers Dracula ein Schock: moralisch und ästhetisch. Ein feiner Graf rammt seine Reisszähne in Frauenhälse. Aus seinem Mund rinnt Blut – in schönstem Technicolor-Rot.

Zu allem Überfluss macht Dracula damit Frauen aus der guten, englischen Gesellschaft hörig: Kurz vor Mitternacht legen sie ihr Kreuz ab und schmachten danach, noch einmal unter Draculas Umhang zu kommen.

Ein Skandal, aber auch ein Erfolg

Vor allem filmisch kommt der Film gut an: Nicht nur durch die ehrwürdige Pappmachée-Kulisse schafft Fisher eine unvergleichliche Gruselstimmung, sondern auch durch akustische Tricks. So sind bei der Verfolgungsjagd von Van Helsing und Dracula nur die Schritte des Vampirjägers zu hören, nicht aber jene von Dracula.

Aus heutiger Sicht mehr Trash als Schock sind die Filmtricks: Im Sonnenlicht geht dem Vampir die Luft aus, die Körperhülle fällt zusammen und wird zu Staub.

Beginn und Ende einer Ära

Fisher dreht nach dem Klassiker von 1958 noch zwei weitere Dracula-Filme. Einmal Blut geleckt, strömen die Menschen wieder ins Kino.

Ende der 1960er-Jahre ist Fishers Horrorära vorbei. Dracula lebt aber in unzähligen Verfilmungen weiter – und mit ihm immer auch ein Hauch von 1958.