Drehort gesucht für «Der Bestatter»

Vom Möbelgeschäft zum Wohnzimmer: Wie findet ein Locationscout die richtige Kulisse für einen Film? Und wie bringt man fremde Leute dazu, einem Filmteam die eigenen vier Wände zu überlassen?

Manchmal hilft der Zufall: Die Schreinerei Plattner entdeckte Eglin dank ihren Lokalkentnissen.SRF/Thomas Züger

«Ah, der Bestatter ist wieder los!»: Ob in der Weinhandlung, dem Möbelgeschäft oder der Rundstabfabrik in Muhen – wo Béatrice Eglin im Aargau auftaucht, kennt man sie. Als Locationscout hat sie für den «Bestatter» die Drehorte gefunden.

Wer als Locationscout Erfolg haben will, muss mit den Abläufen der Filmproduktion vertraut sein, ein gute Vorstellungskraft haben und offen auf Menschen zugehen können. Eglin kommt relativ früh im Prozess des Filmemachens zum Einsatz: Drehbuchlektüre, Sitzung mit der Regie, Recherchebeginn. Ideal sei, wenn sie die Besetzung bereits kenne, sagt Béatrice Eglin: «Dann kann ich mir vorstellen, ob der Raum zur Rolle passt.»

Die Arbeit sei sehr abwechslungsreich. Man lerne interessante Leute und Orte kennen und habe – im Gegensatz zur Aufnahmeleitung – gestalterischen Einfluss auf den Film. Als Locationscout ist Eglin auch Dienstleisterin: «Eine hübsche Location allein reicht nicht. Man muss abschätzen können, ob ein Dreh technisch durchführbar ist und die benötigten Bewilligungen möglich sind.»

Wenn alles passt ...

Da hierzulande das Ausstattungsbudget oft gering sei, sollte die Inneneinrichtung eines Drehortes bereits die gewünschte Grundstimmung ausstrahlen: «Im Spielfilmbereich versuche ich Locations zu finden, bei denen der Aufwand möglichst gering ist.» So geschehen bei der Rundstabfabrik in Muhen, wo der Bestatter «Merlinger», Konkurrent von Luc Conrad, sein Geschäft hat.

Die Rundstabfabrik in Muhen wird bei «Der Bestatter» zur Schreinerei Merlinger.SRF/Thomas Züger

Die Grundstimmung war perfekt, alles passte. Eglin: «Nach dem Einverständnis der Eigentümerin fotografierte ich die Fabrik und wusste: ‹That’s it!›» Sie liess den Flyer «Drehort gesucht» da. Die Betreiberin des über 100jährigen Kleinunternehmens zögerte nicht lange: «Für mich war es die Gelegenheit, einen Beitrag zur Kultur leisten zu können.» Ein Idealfall.

Anders war dies beim Möbelgeschäft in der Aarauer Altstadt: Um die Verkaufsfläche in eine schicke Modelagentur zu verwandeln, war eine aufwändigere Umgestaltung notwendig. Aber auch hier mussten die Voraussetzungen stimmen, der Raum grosszügig, elegant und modern sein. Den Hinweis bekam Eglin von Bekannten.

Für die Folge «Schöner Schein» wurde ein Möbelgeschäft zur Modelagentur umgewandelt.SRF/Thomas Züger

Wie in Muhen hatte der Inhaber kein Problem, sein Geschäft während zweier Tage dem Filmteam zu überlassen. Im Gegenteil: Der Dreh sorgte für Abwechslung, dekorative Modefotografien vom Set hängen noch heute als Erinnerung an derselben Stelle.

Wo sonst Möbel präsentiert werden, wurde vorübergehend ein Catwalk eingerichtet.SRF/Thomas Züger

Instinkt und Erfahrung

Dass Geschäfte einen öffentlichkeitswirksamen Filmdreh unterstützen, erstaunt nicht. Doch wie bringt man Menschen dazu, ihre Privaträume zu Verfügung zu stellen? Als erstes erkläre sie das Projekt, beschreibt Béatrice Eglin ihr Vorgehen. Wenn es um den «Bestatter» gehe, sei die Sache einfach: «Die Leute wissen, womit sie es zu tun haben.»

Porträtaufnahme Béatrice Eglin an einem Bestatter-Drehort. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Béatrice Eglin an einem Bestatter-Drehort. SRF/Thomas Züger

Schwieriger sei es, eine Wohnung für einen Film zu finden, der sich mit gesellschaftlichen Tabuthemen wie Gewalt auseinandersetzt. Damit wolle niemand in Verbindung gebracht werden. «In solchen Fällen muss ich lange suchen und viel Überzeugungsarbeit leisten.»

Und man müsse die Leute vorwarnen, dass rund 30 Leute die Privatwohnung stürmten. Zwar wird pro Drehtag eine Entschädigung bezahlt, ein lukratives Geschäft ist das aber nicht.

Beim Bestatter kommen pro Folge rund zehn Locations vor; vorgeschlagen werden zwei- bis dreimal so viele. Eglins aufwändige Recherche wird zwar durch digitale Hilfsmittel wie Street View erleichtert, aber einen Augenschein vor Ort ersetzen sie nie.

Oft sind die scheinbar einfachsten Motive am schwierigsten zu finden. Etwa die Aufgabe, für die Szene eines Autounfalls einen Baum zu finden, der einsam in einer Kurve am Strassenrand steht. Drei Tage dauerte die Suche. Manchmal kommt aber auch der Zufall zu Hilfe, so bei der «Schreinerei Plattner». Diesen Drehort verdankt Eglin ihren Lokalkenntnissen. Er liegt in der Nähe von ihrem Wohnort, quasi auf dem Heimweg von Aarau.

Manchmal sind grössere Veränderungen nötig: Die Wohnung von Plattner wurde für den Dreh neu eingerichtet.SRF/Thomas Züger