Film-Tipp: «Brot und Steine»

Eine Tierfabrik will der Widimattbauer nicht betreiben. Dazu aber scheint er genötigt, nachdem man ihm ein grosses Stück Pachtland gekündigt hat. Aufgeben also? Von einem bösen Handel, der für einmal ein gutes Ende nimmt, erzählt Mark M. Rissi in seinem Spielfilm «Brot und Steine».

Mann mit Hut steht im Vordergrund. Aus der Türe kommt ein jüngerer Mann mit Schubkarre. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Meinungsverschiedenheiten Walo Lüönd (l.) als Bodenbauer, Peter Leu als sein Sohn Fridu. (Copyright SRF/Logos-Film/ Mark M. Rissi)

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Sendeplatz

Montagnacht um 00:35 auf SRF 1

Im emmentalischen Breitiwil geht die Welt aus den Fugen. Ein Grosskonzern möchte expandieren und sucht darum Bauland. Der Bodenbauer (Walo Lüönd), der seine Schweinemast als Grossbetrieb eingerichtet hat und jetzt in finanziellen Schwierigkeiten steckt, will den benötigten Boden verkaufen. Darum kündigt er dem jungen Widimattbauern (Henrik Rhyn) eine Pacht auf. Ohne das zusätzliche Land aber kann der Jungbauer, der seinen Hof zusammen mit seiner Mutter (Liselotte Pulver) betreibt, nicht mehr in traditioneller Weise weiterbewirtschaften. Zum blossen Fleischfabrikanten aber will er sich nicht machen lassen. Da gibt er schon lieber den Betrieb ganz auf.

Allianzen werden geschmiedet

Noch aber sind nicht alle Würfel gefallen: Auf seine Seite stellen sich neben anderen die Veterinärstudentin Ursula (Beatrice Kessler), die ihr Praktikum in Breitiwil absolviert, und Doktor Steiner (Sigfrit Steiner), ein Tierarzt von altem Schrot und Korn. Die Wende zum Guten aber kommt erst, als auch der Sohn des Bodenbauern die Liebe zum traditionellen Bauerntum wiederentdeckt. Ohne die Einwilligung des künftigen Erben nämlich kann der Vater gar nicht verkaufen.

Schweizer Starensemble

Als Jungbäuerin hat Lilo Pulver Mitte der 1950er-Jahre in «Uli der Knecht» und «Uli der Pächter» Triumphe gefeiert. Als Bauernmutter kam sie 1979 im Spielfilm «Brot und Steine» nach vielen und verschiedensten Rollen in fremden Diensten zum Schweizer Filmschaffen zurück. Ihr zur Seite standen Schweizer Charakterdarsteller wie Walo Lüönd und Sigfrit Steiner.
Auch musikalisch hat der Film etwas zu bieten: Der Soundtrack stammt von Martin Böttcher, der mit seiner «Winnetou»-Melodie berühmt wurde; und das damals hoch im Kurs stehende Trio Eugster singt den Hit «Mir Puurelüüt», während die Sängerin Véronique Muller mit dem Lied «E chli Brot» eher melancholische Töne anschlägt.
Regie führte Mark M. Rissi, der sein Handwerk in den Vereinigten Staaten gelernt hat und seinen Einstand im Spielfilmbereich 1975 mit dem vielbeachteten «Grotzepuur» gab. Später ist er insbesondere mit einer langen Reihe von Dokumentarfilmen als engagierter Kämpfer für eine artgerechte Tierhaltung bekannt geworden, und das weit über die Landesgrenzen hinaus. Am 13. April 2016 kann er seinen 70. Geburtstag feiern.

Komplexe Thematik verständlich veranschaulicht

Über «Brot und Steine» schrieb der Kritiker Hans M. Eichenlaub nach der Premiere: «Nach einer Idee des Berner Bauernpolitikers Otto Locher und nach einem Drehbuch des Schriftstellers Walther Kauer hat Mark M. Rissi versucht, ein Stück Bauernalltag, ein Stück landwirtschaftlicher Realität mit all ihren komplizierten Hintergründen auf die Leinwand zu bringen. Darüber hinaus beabsichtigte er, eine handfeste Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer packen und unterhalten soll. Beides, scheint mir, ist ihm gelungen.» SRF 1 zeigt das Werk exklusiv in einer restaurierten Version in HD.