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Film & Serien Film-Tipp des Tages: «Komm und sieh»

Regisseur Elem Klimov schildert die fürchterlichen Erlebnisse eines Knaben in dem von den Nazis besetzen Weissrussland. Unerreicht in Form und Intensität gilt der Film als einer der besten Kriegsfilme aller Zeiten, von dem Sean Penn einmal sagte: «Was ich hier sah, wird für immer bei mir bleiben.»

Vier Soldaten richten die Waffe auf einen Jungen Mann, der vor ihnen kauert.
Legende: Mordbrenner posieren mit Gefangenem. SRF/Mosfilm

Weissrussland, 1943. Die Wehrmacht befindet sich auf dem Rückzug. Im Rahmen der von Hitler befohlenen 'Politik der verbrannten Erde' wüten die deutschen Soldaten und ermorden systematisch vor allem Zivilisten - Männer, Frauen und Kinder. Als der Bauernjunge Florja (Aleksej Kravcenko) ein Gewehr findet, beschliesst er, gegen den verzweifelten Protest der Mutter, sich der Partisanenbewegung anzuschliessen. Doch aus dem schnellen Fronteinsatz wird nichts: Die Partisanen nehmen den Jungen nicht ernst und lassen ihn im Lager zurück. Dort begegnet er dem älteren Mädchen Glascha (Olga Mironowa). Die beiden freunden sich an.

Radikales Kino mit drastischen Bildern

Doch dann kommt der Krieg ganz unmittelbar zu ihnen und die beiden überleben die Vernichtung des Partisanenlagers durch deutsche Bomben und Fallschirmjäger nur knapp. Zusammen mit Glascha will sich Florja darauf zu seiner Familie durchschlagen. Im Dorf angekommen scheint das Elternhaus verlassen. Nachdem sie hinter dem Hof nur noch die nackten, verstümmelten Leichen der Dorfbewohner sehen, fliehen Florjas und Glascha panisch ins Moor, wohin sich einige Flüchtlinge zurückgezogen haben. Eine Odyssee durch das verbrannte Land nimmt ihren Lauf.

Bei der Beschreibung der Wirkung von «Komm und sieh» werden immer wieder Begriffe wie «verstörend», «hypnotisch» und «zeitlos» bemüht. Und tatsächlich: Seit Elem Klimov diesen Film 1986 als eine der letzten sowjetischen Grossproduktionen realisierte, geistert er als verkanntes Meisterwerk durch die Filmgeschichte. «Komm und sieh» ist in der Tat radikales Kino. Mit drastischen Bildern, einer hypnotischen Montage und einem experimentellen Sounddesign rückt Klimov dem Phänomen «Krieg» zu Leibe und erfasst damit alle Sinne des Zuschauers.

Ästhetische Alterslosigkeit und bleibende Aktualität

Als historisch orientierter Genrefilm will «Komm und sieh» erst gar nicht funktionieren. Er vermeidet jede Objektivierung. Wir erfahren nichts über konkrete Orte, Fronten oder Ereignisse. Was geschieht, ist unmittelbar und existenziell auf die Sicht und das Leben des Jungen Florja bezogen, der, und mit ihm der Zuschauer, durch diese Ereignisse traumatisiert wird. Dabei verzichtet Klimow auf jeden Pathos: In diesem Krieg gibt es keine Helden. Die meisten sterben schnell und banal, enden als nacktes und zerrissenes Fleisch im Schlamm.

Dieses radikale Vorgehen garantiert dem Film eine ästhetische Alterslosigkeit und bleibende Aktualität. Er wurde zudem zur wichtigen Inspirationsquelle für spätere Filme, sei es zum Thema Krieg allgemein oder zur Holocaust-Thematik im speziellen. SRF 1 zeigt «Komm und sieh» im vom Regisseur intendierten 4:3-Format in der deutsch untertitelten russischen Originalfassung.

Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:15 Uhr auf SRF 1