Film-Tipp des Tages: «Only Lovers Left Alive»

Im heruntergekommenen Detroit trifft sich ein Paar mit einer jahrhundertealten Geschichte. Ein Arthouse-Vampirfilm reich an Genüssen – von Jim Jarmusch mit Tilda Swinton und Tom Hiddleston. Free-TV-Premiere exklusiv in Zweikanalton deutsch/englisch.

Eine Frau und ein Mann, beide mit Sonnebrille. Er umarmt sie. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tilda Swinton als Eve, Tom Hiddleston als Adam. SRF/Filmcoopi

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Sendeplatz

Donnerstagnacht um 00:05 Uhr in Delikatessen auf SRF 1

Die Zeiten waren schon einfacher - auch für Vampire. Nicht nur, dass der moderne Mensch kulturelle Errungenschaften schnöde vernachlässigt, sondern auch das Blut, das durch seine Adern fliesst, ist wegen all der Umweltgifte und der schlechten Ernährung verkümmert. Doch man arrangiert sich. Eve (Tilda Swinton) lässt sich im marokkanischen Tanger von Christopher Marlowe (John Hurt), seines Zeichens der Autor von Shakespeares Werken, mit Blut versorgen, Adam (Tom Hiddleston) in Detroit von einem korrupten Arzt.

Vampirfilm fernab des Popcornkinos

Das Paar mit den biblischen Vornamen lebt seit Jahrhunderten als Ehepaar, mittlerweile aber in einer sich über Kontinente erstreckende Fernbeziehung. Als jedoch Eve gewahr wird, dass Adams Depression sich zu einer Todessehnsucht ausgeweitet hat, eilt sie - per Nachtflug - auf die andere Seite des Atlantiks. Aus dem gemeinsamen Rückzug in ein wohliges Nest wird jedoch nichts, weil Eves jüngere Schwester Ava (Mia Wasikowska) aufzieht wie ein Gewitter, die noch nichts von ihrer impertinenten Art eingebüsst hat.

Wenn Independentkino-Ikone Jim Jarmusch sich des Vampirfilms annimmt, der Mann, der mit «Dead Man» schon den Western gegen den Strich gebürstet hat, dann darf das Publikum sich auf etwas Besonderes gefasst machen. So ist «Only Lovers Left Alive» denn auch ein Vampirfilm fernab des Popcornkinos zwischen «Twilight» und «Underworld», jedoch gleichwohl ein ernsthafter Beitrag zum Genre, der sich dem Lebensgefühl der Untoten - wenn man so will - aus der Warte des Kulturschaffenden nähert.

«Mit der Souveränität eines Meisters inszeniert»

Dass am Niedergang der menschlichen «ars vivendi» leidende Vampire sich mit schönen Dingen umgeben, übt auf den Film einen höchst dekorativen Effekt aus, der sich bis auf den einmal mehr von Jarmusch sorgfältig ausgewählten Soundtrack erstreckt.

«Voller Anspielungen auf die Kulturgeschichte und dennoch federleicht ist ‚Only Lovers Left Alive', wunderbar unaufgeregt aufregend, völlig entspannt und mit der Souveränität eines Meisters inszeniert. Ein visuelles, akustisches und intellektuelles Vergnügen, das somit selbst schon ein Gegenpol zum beschworenen Niedergang der menschlichen Kultur ist», war das St. Galler Tagblatt des Lobes voll.

Auch 2016 wird Jim Jarmusch im Arthouse-Kino seine Aufwartung machen. Für «Paterson» mit Adam Driver («Star Wars: The Force Awakens») steht allerdings noch kein Deutschschweizer Startdatum fest. Bereits am 18. Februar 2016 beehrt Tilda Swinton die Leinwände mit dem neuen Film der Brüder Coen, «Hail, Caesar!», und kehrt Ende April mit «A Bigger Splash» zurück, dem Remake von «La piscine» mit Alain Delon und Romy Schneider. Ihr Vampirpartner Tom Hiddleston blieb dem Horrorgenre vorerst treu, er war kürzlich in «Crimson Peak» zu sehen.