Art Basel in Locarno: Keine Scheu vor Experimenten

In Locarno locken grosse Hollywoodstreifen und Stars das Publikum – da stossen Experimentalfilme, in denen minutenlang eine einzige Fliese geschrubbt wird, auf kein Interesse. Falsch, wie das Screening der Art Basel beweist.

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Filmausschnitt aus «Twelve»

5:06 min, vom 12.8.2015

Kuratorin Maxa Zoller ist mehr als zufrieden: «Man muss das Publikum hier in Locarno nicht gross an experimentelle Filme heranführen. Es gibt da keine Scheu.» Zoller kuratierte die erste Zusammenarbeit zwischen der Art Basel und dem Filmfestival Locarno – zwei grossen Institutionen der Schweizer Kulturlandschaft.

«Wandering Voices» lautet der Übertitel des Screenings. Fünf experimentelle Kurzfilme, die eins verbindet: ein besonderer Umgang mit der Stimme.

Zwei Hände, von oben gefilmt, die eine Fliese putzen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Meditativ bis schmerzhaft: Im Film «Twelve» wird eine einzige Fliese geputzt, minutenlang. Festival del Film Locarno

Etwa der Klassiker «The Girl Chewing Gum» von John Smith aus dem Jahr 1976, in dem eine Stimme aus dem Off eine willkürlich gefilmte Strassenszene zu dirigieren scheint («Und jetzt bitte der Herr mit der Aktentasche von rechts»). Daneben der aktuelle Film «Twelve» (2015) von der Filmemacherin Melanie Manchot, in dem ehemalige Drogensüchtige ihre Geschichten erzählen – ohne, dass man sie zu sehen bekommt.

Nach dem gut besuchten Screening ist Zollers Bilanz durchwegs positiv: «Diese erste Zusammenarbeit hat Spass gemacht und birgt viel Potenzial. Das werden wir ausbauen.»