Die vergessenen Bewohner von Lampedusa

Lampedusa, ein Stück Felsen zwischen Tunesien und Sizilien, ist zum Symbol für das Flüchtlingsproblem Europas geworden. Der Dokumentarfilm «Lampedusa in Winter» zeigt, wie auch die Bewohner der Insel unter der Situation leiden. Einige von ihnen fühlen sich von Italien im Stich gelassen.

Zwei Männer auf einem Boot bei Nacht, im Hintergrund ist ein Blitz zu sehen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch die Bewohner von Lampedusa leiden unter der europäischen Flüchtlingsmisere. Festival del Film Locarno

Ausschnitt «Lampedusa in Winter»

2:27 min, vom 12.8.2015

Ein Name steht für die scheinbar ausweglose Flüchlingsproblematik in Europa: Lampedusa. Dieses italienische Stück Felsen, 110 Kilometer von Tunesien entfernt, ist oft erste Anlaufstelle für Flüchtlinge aus Nordafrika. Und der erste Ort, an dem die italienischen Behörden diese Flüchtlinge abfangen wollen. Die Einwohner auf dem 20 Quadratkilometer grossen Inselchen sind überlastet.

Die Sorgen der Einwohner

«Winter in Lampedusa» des Wiener Regisseurs Jakob Brossmann zeigt die Sorgen der 6300 Einwohner. 30 Nordafrikaner sitzen seit drei Monaten hier fest, protestieren vor der Kirche in karierte Wolldecken eingehüllt gegen behördlichen Stillstand. Man sieht Verzweiflung und das Bemühen um gegenseitiges Verständnis.

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«Lampedusa in Winter»

Der Dokumentarfilm des Österreichers Jakob Brossmann ist am Filmfestival Locarno in der Sparte «Semaine de la critique» zu sehen.

Dann scheint Italien den Lampedusanern in den Rücken zu fallen: Das Fährschiff nach Sizilien erleidet Schaden, die Betreiberfirma schickt ein kleineres Boot, auf dem es keinen Platz mehr hat für den gesamten Fang der Fischer. Ein Einwohner bei der Dorfversammlung meint, Italien wolle am liebsten nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch Lampedusa vergessen.

Ein eindringlicher und aktueller Film, der mit einigen Vorurteilen aufräumt.