Kunstkino vom Härtesten: «Der traumhafte Weg» mit Phil Hayes

Stumme Blicke und nachdenkliche Gesichter: Der Film «Der traumhafte Weg» verweigert sich dem standardisierten Erzählen. Ein spezieller Rhythmus entstand bereits während den Dreharbeiten, erzählt der in der Schweiz lebende Schauspieler Phil Hayes.

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4 Fragen an Hayes

3:38 min, vom 11.8.2016
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Phil Hayes

Porträt Phil Hayes

Niklaus Spoerri

Phil Hayes ist Performance-Künstler, Schauspieler, Regisseur und Musiker. In der Schweiz ist er vor allem von seinen Auftritten als Peter Tate in der SRF-Sendung «Giaccobbo/Müller» bekannt. Demnächst erscheint das zweite Album seiner Band «Phil Hayes & the Trees». Der Engländer lebt in Zürich.

«Der traumhafte Weg» ist mehr als nur der Titel dieses Films, er ist sein Programm. Kunstkino vom Härtesten – eine Zumutung, fand in Locarno der eine oder die andere.

Die Zumutung, so es denn eine wäre, besteht sicher nicht in mangelnder Konsequenz oder Durchdachtheit. Bei diesem Film ist eine rücksichtslose Intelligenz am Werk, eine Verweigerung des standardisierten Erzählens.

Schwächeanfall am Telefon

Zu Beginn sitzt ein junges Paar in Griechenland am Rande eines Parkplatzes und macht Musik – das heisst, sie klampft etwas hilflos auf der Gitarre, der junge Mann und sie singen zweistimmig «The Lion Sleeps Tonight».

Dann tauchen weitere junge Leute auf, die für eine Erneuerung Griechenlands demonstrieren; irgendwann wird klar, dass wir uns in den 1980er-Jahren befinden.

Mit ein paar Münzen aus dem hingelegten Sammelhut geht der junge Mann an einen Fernsprecher, telefoniert und fällt in Ohnmacht. Ein anwesender Polizist kann ihn gerade noch auffangen. Seine Mutter habe einen Unfall gehabt, erklärt der Polizist den Schock des Jungen.

Filmszene mit Phil Hayes, Maren Eggert und Anaïa Zapp in «Der traumhafte Weg». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Phil Hayes, Maren Eggert und Anaïa Zapp spielen eine Familie, die auseinanderbricht. Festival del film Locarno

Zwei lose verknüpfte Episoden

Später haben sich die Wege der jungen Liebenden getrennt. Die Frau geht zum Studieren nach Berlin – und irgendwann sind wir mit dem Film im Berlin von heute, wo sich eine andere Frau, eine Schauspielerin, von ihrem Mann trennen will, trotz der gemeinsamen Tochter.

Der Mann (Phil Hayes) wiederum sieht gegen Ende des Films aus dem neuen, möblierten Appartement, das er gemietet hat, den jungen Mann vom Filmanfang, einen Junkie, der mit seinem Hund an einer U-Bahn-Treppe sitzt.

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Angela Schanelec

Regisseurin Angela Schanelec

Festival del film Locarno

Angela Schanelec arbeitet seit 1995 als unabhängige Regisseurin und Drehbuchautorin und ist Professorin für Film an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Dialoge weggelassen

Der Film wirkt über seine 86 Minuten hinweg, als ob er doppelt so lang hätte sein können.

Aber dann hat die Regisseurin auf den grössten Teil der Dialoge verzichtet und fast nur noch die vor oder nach den Sätzen stehenden stummen Blicke und nachdenklichen Gesichter übrig gelassen.

«Eigentlich ist alles drin»

Wie das Prinzip funktionieren könnte, erläutert im Film die Maklerin, welche dem von Phil Hayes gespielten Mann die möblierte Wohnung zeigt. Irgendwann lehnt sie mit träumerischem Blick in einem Türrahmen und sagt: «Eigentlich ist alles drin.»

Das gilt durchaus auch für diesen Film. Aber sehen muss man es dann schon selber.