«Tikkun» erzählt von der Aussichtslosigkeit eines Juden

Der Locarno-Wettbewerbsfilm «Tikkun» lässt eine ohnehin fremde Welt noch fremder werden: Jene des strenggläubigen Juden Heim-Aaron. Als er sogar ausserhalb der Fastenzeit fastet, bricht er in der Dusche zusammen. Der Jeschiwa-Student überlebt knapp, ist jedoch nicht mehr derselbe.

Ein jüdisch gekleideter Mann schritt durch ein Feld mit höhen Pflanzen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das hebräische Wort «Tikkun» bedeutet «Festigung», «Nachbesserung» oder «Reparatur». Plan B Productions Ltd.

Trailer zu «Tikkun»

1:48 min, vom 11.8.2015

«Tikkun» ist ein Film, der eine ohnehin schon fremde Welt noch fremder werden lässt. Ausserdem ist dem israelischen Filmemacher Avishai Sivan ein Film gelungen, der fasziniert und zugleich abstösst.

Heim-Aaron ist der Sohn eines ultra-orthodoxen, koscheren Metzgers und strenggläubiger Jeschiwa-Student. Er fastet sogar ausserhalb der Fastenzeit, was ihn allerdings dermassen schwächt, dass er unter der Dusche zusammenbricht.

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Frisch ab Leinwand

SRF-Filmkritiker Michael Sennhauser schaut sich am Filmfestival Locarno Filme an und schreibt über seine ersten unmittelbaren Eindrücke.

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Die Sanitäter wollen Heim-Aaron für tot erklären, aber sein Vater gibt nicht auf und schliesslich gelingt ihm die Reanimation. Als Heim-Aaron allerdings aus dem Spital zurückkommt, beginnt sich die Ausschliesslichkeit seines Glaubens aufzulösen.

Blutige Ästhetik

Sivan erzählt in strengen Schwarz-weiss-Bildern, die sogar dann schön sind, wenn die Schächtung und Schlachtung einer Kuh gezeigt wird. Was den Film so erschütternd macht, ist – neben ein paar schockierend unerwarteten Momenten – die Aussichtslosigkeit von Heim-Aarons Entwicklung: Er wird nie ankommen in der Welt ausserhalb der seinen. Die aber hat er schon mit den ersten Fehltritten verloren.