70. Filmfestival Locarno Zum Geburtstag bekommt das Festival einen Kinopalast

«Palazzo del Cinema» und «GranRex»: Zum 70. Jubiläum erhält das Filmfestival neue Säle. Sie sollen Locarno ganzjährig zur Filmstadt machen.

Es ist heiss, das T-Shirt klebt, Schweissperlen stehen einem auf der Stirn. Nur noch wenige Schritte über den roten Asphalt, hin zu der Steinfassade. Türe auf – geschafft.

Der Palazzo del Cinema steht in Locarno gleich hinter der Piazza Grande. Wer das Gebäude betritt, wird mit einem kühlen Foyer belohnt. Und: taucht ein in eine Glamourwelt. Von den Wänden zu den Türen bis hin zur Decke ist das Foyer in goldener Farbe gestrichen.

Goldene Decken, samtene Wände

Fährt die Besucherin mit der Rolltreppe in den ersten Stock, trifft sie auf einen rot beleuchteten Kinosaal mit samtenen Wänden. 500 Sitzplätze gibt es hier; in zwei weiteren Sälen haben je 150 Besucher Platz.

Das Filmfestival brauche diese Säle, sagt Michele Dedini, Direktor der Trägergesellschaft PalaCinema AG: «Schon seit Jahren wollte man ein neues Domizil, einen neuen Sitz für das Filmfestival schaffen.»

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SRF am Filmfestival Locarno

Im Radio:

SRF 2 Kultur und SRF 4 News sind während des Filmfestivals gemeinsam vor Ort: «Live aus Locarno» mit aktuellen Filmen und prominenten Gästen – vom 3. bis 11. August, Mo-Fr, um 11 Uhr live auf SRF 4 News und 12 Uhr auf SRF 2 Kultur.

Im TV:

«Filmfestival Locarno 2017 - Das Spezial» am 9. August um 22.25 Uhr auf SRF 1.

Ein Kino mit Zukunft?

Wenn die 70. Ausgabe des Festivals am 12. August zu Ende geht, sollen die Säle als kommerzielles Kino weitergenutzt werden. Wie realistisch ist es, dass dieser Kinokomplex seine 800 Sitzplätze im kleinen Locarno füllen kann?

Michele Dedini zeigt sich zuversichtlich. «Der Trend zeigt, dass die kleinen Kinos aussterben. Die Kinos, die eine Zukunft haben, sind solche mit mehreren Sälen. Wir haben zudem eine Bar, ein Restaurant, eine schöne Atmosphäre und bieten den Zuschauern hier eine ‹Experience› – mehr als bloss eine Kinovorführung.»

Filmstadt Locarno

Das PalaCinema setzt nicht nur auf das Kino als Erlebnis, sondern auch auf seine anderen Räume. Zum Beispiel auf einen Mehrzwecksaal und eine Terrasse, die für Buffets und Ausstellungen genutzt werden können.

In den oberen Stockwerken werden Institutionen wie die Cinémathèque Suisse, das Tessiner Fernsehen RSI und Tessiner Filmschulen Räume beziehen. Hier sollen sich Filmschaffende begegnen und sich austauschen können. Als Zentrum der audiovisuellen Künste soll das PalaCinema so weit übers Tessin hinaus strahlen.

BildlegendeHier, im Saal des GranRex werden die Filme der Retrospektive gezeigt. Die alten weissen Sessel sind roten gewichen. BildlegendeSRF/Lukas Maeder/Julian Salinas

Aus Ex*Rex wird GranRex

Wenige Schritte vom PalaCinema entfernt, an einer engen Seitengasse am Ende der Piazza Grande, steht das Kino GranRex. Rechtzeitig zum runden Geburtstag des Festivals wurde auch dieses Kino neu eröffnet. Das Kino wurde in den 1960er-Jahren als Ex*Rex eröffnet und nun zwischen zwei Festivalausgaben neu renoviert

Es wurde eine Bühne eingebaut, so dass das Kino ausserhalb der Festivalzeit auch für Konzerte oder Theater nutzbar ist.

BildlegendeDecke und Boden sind gleich geblieben, ansonsten hat der Eingangsbereich des GranRex einen neuen Anstrich bekommen. BildlegendeSRF/Lukas Maeder/Julian Salinas

Nur wenige Elemente wie der Marmorboden oder die Spiegel im Foyer wurden vom alten Kino übernommen. Die durchgesessenen weissen Kunstledersessel, zu denen langjährige Festivalbesucher eine Hassliebe pflegen, sucht man vergeblich: Rote Sessel haben ihren Platz eingenommen.

«Wir brauchten viel Zeit, um die richtige Farbe für die Sessel zu finden – das ist nicht irgendein Rot», sagt Patricia Boillat mit ernstem Blick. Die Kinodesignerin war für den Umbau des Ex*Rex zum GranRex zuständig.

Ein Saal mit Geschichte

Es ist ein schlichtes Kino geworden, das mit kleinen Details wie der gemusterten Gipsdecke oder den 60er-Jahre-Lampen aus dem Foyer für Flair sorgt.

Mit dem Glamour eines Palazzo ist das GranRex nicht vergleichbar. Aber wie Patricia Boillat sagt: «Das Granrex hat etwas, dass der Palazzo del Cinema noch nicht hat: eine Geschichte.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel