Filmfestival Venedig Ein Gruselfilm mit Freiburg-Flair schaffts nach Venedig

Grosse Ehre für die junge Schweizer Regisseurin Katharina Wyss: Ihr Debütfilm «Sarah spielt einen Werwolf» wird in Venedig gezeigt. Im Gespräch erzählt sie, wie ihre Heimatstadt Freiburg sie dazu inspirierte.

Szene aus «Sarah spielt einen Werwolf». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grusel, inspiriert durch die Stadt Freiburg: Loane Balthasar in «Sarah spielt einen Werwolf». Interemezzo Films

SRF: «Sarah joue un Loup-Garrou» ist Ihr erster langer Spielfilm. Nun wurde er ans Filmfestival Venedig eingeladen. Was bedeutet Ihnen das?

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Zur Person

Zur Person

Keystone

Katharina Wyss wurde 1979 in Freiburg geboren. Sie studierte Film und Philosophie an der Freien Universität Berlin und an der Sorbonne in Paris, dann Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie. «Sarah joue un Loup-Garou» ist ihr erster Langspiel-Film.

Katharina Wyss: Ich habe mich wahnsinnig gefreut. Das ist mein erster Langfilm – und auch einer, für den ich lange gebraucht habe.

Alle haben immer gesagt: «Jetzt bist du immer noch an diesem Film, hoffentlich wird das noch irgendwas ...» Es ist ein Happy End, in dieser Auswahl der Kritikerwoche zu sein.

Es sind Filmkritikerinnen und -kritiker, die diese Auswahl getroffen haben. Ist das etwas Besonderes für Sie?

Ja, ich bin begeisterte Leserin von Kritiken. Das ist eine Art Hobby von mir. Es ist nochmals eine eigene Kunst, über Filme zu schreiben.

Und Kritiker sind das Gegenüber, das man hat, um die eigenen Filme noch einmal zu spiegeln. Deswegen finde ich es besonders schön, dass das eine Kritikerauswahl ist.

«  Festivalkritiken zu lesen ist ein Hobby von mir. »

Der Film heisst «Sarah joue un Loup-Garrou». Wovon handelt dieser Film?

Es ist ein Jugendfilm. Er erzählt von einer 17-jährigen Frau namens Sarah. Neben ihr gibt es viele andere Jugendliche in der Geschichte.

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Der Film

«Sarah joue un Loup-Garrou» wurde von italienischen Filmkritikern als einer von sieben Debütfilmen für die Sektion «Settimana della Critica» des Filmfestivals Venedig ausgewählt. Es geht darin um die 17-jährige Sarah, die zwar eine hervorragende Schauspielerin ist, sich aber in ihren dunklen Ängsten verliert. Trailer (Vimeo)

Man könnte den Begriff der «Teen Angst» für den Film verwenden: Es geht um psychische Untiefen, um Gewalt, der man im Teenager-Alter auf eine bestimmte Art und Weise ausgesetzt sein kann.

Solche Erfahrungen können im späteren Leben wiederkommen – aber das ist ein erster Ausbruch, ein erster Moment, in dem man mit solchen Zuständen konfrontiert ist.

Sie haben das Drehbuch selber geschrieben. Wie sind sie auf diese Geschichte gekommen?

Ich bin in Freiburg geboren und aufgewachsen. Von dieser Jugendzeit sind viele Bilder und Dinge hängen geblieben. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Hirn geformt sei wie diese Stadt: Sie hat mich geprägt.

«  Mein Hirn ist geformt wie die Stadt Freiburg. »

Ich habe in Berlin ein Universitätsstudium gemacht und erst danach ein Filmregiestudium. Schon während den Bewerbungen an Filmhochschulen fing ich an, diese Geschichte zu denken und zu schreiben.

Sie haben eine der Besonderheiten Freiburgs aufgenommen: Sarahs Theatergruppe ist zweisprachig. Ist es wichtig für den Film, dass man sich in zwei Sprachen unterhält und dennoch versteht?

Ja, das war mir sehr wichtig. Es ist sogar weniger stark ausgeprägt im fertigen Film, als ich es eigentlich wollte. Das hängt mit der Suche nach Schauspielerinnen und Schauspielern zusammen.

Für mich war dieser Aspekt wichtig, weil dieses Besondere an der Stadt Freiburg auch die Hauptfigur Sarah prägt und so einzigartig ist.

Ich selber bin mit dieser Zweisprachigkeit aufgewachsen, als Deutschschweizerin, die Französisch lernen musste. Für meinen Film wollte ich es umgekehrt haben, die Hauptfigur spricht Französisch.

Das war bei der Arbeit kompliziert, wir mussten das Drehbuch immer in beiden Sprachen übersetzen. Das ist der «Freiburg-Touch» an meinem Film.

Der Film hat ein realistisches Setting. Die Geschichte spielt einerseits in der Theatergruppe und andererseits in Sarahs Familie. Trotzdem hat der Film Anklänge an das Horror-Genre …

Das stimmt – und das ist mir selber hier in Venedig noch einmal aufgefallen. Diese Horrorebene gibt es im Film. Sie nährt sich aus der Bildwelt: Von der Stadt Freiburg mit ihren mittelalterlichen Kirchen gibt es Höllendarstellungen und lauter Schreckensbilder.

Füsslis «Die Nachtmahr». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Visuelles Vorbild: Füsslis «Nachtmahr». Wikimedia/wartburg.edu

Wir haben auch Malerei beigezogen – weil wir die Innenwelt Sarahs visuell darstellen wollten. Etwa Johann Heinrich Füsslis «Der Nachtmahr» oder Arnold Böcklin.

Das waren diese, wie ich sie nenne, «dunklen Schweizer». Sie waren eine faszinierende Entdeckung für mich.

Das Gespräch führte Brigitte Häring.

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