«Game of Thrones» – ein durchaus literarisches Vergnügen

RR Martin schreibt mit «Game of Thrones» Geschichte. Und das im doppelten Sinne: Er lässt sich von Sagen aus dem Mittelalter inspirieren – und erreicht damit Millionen von Menschen weltweit. Bei einem Treffen spricht der Autor über die mittelalterliche Welt in der Serie und seinen fünf Büchern.

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Bildlegende: «Games of Thrones»-Autor RR Martin, ein etwas anderer Historiker. Reuters

«Game of Thrones» – der permanente Kampf von Rittern und Räubern, Königinnen und Königen – ist eine der erfolgreichsten Fernsehserien überhaupt. Millionen von Menschen weltweit verfolgen Season für Season die Intrigen um den Thron im Lande Westeros. Weitere Millionen haben die fünf tausendseitigen Bücher verschlungen, die George RR Martin seit 1996 unter dem Titel «A Song of Ice and Fire» – «Das Lied von Eis und Feuer» veröffentlicht hat. Zwei weitere Bücher sind geplant.

Das tödliche Spiel um den Thron

In den Büchern von Martin geht es um Macht. Wer das Spiel um die Throne spielt, der gewinnt oder stirbt. Martin ist berüchtigt dafür, dass keine seiner Figuren ihres Lebens sicher sein kann. Allein deshalb, weil ihn die ewig unzerstörbaren Serienhelden langweilen. Je weniger Skrupel eine Figur zeigt, desto eher gelangt sie an die Macht. Ist es gar dieser Kultur- oder gar Geschichtspessimismus, der die Bücher und Filme der TV-Serie so erfolgreich macht?

Danach gefragt, lächelt George Martin verschmitzt: «Wir wissen ja noch gar nicht, wie das alles ausgehen wird: Noch zwei Bücher – und dann können die Leute diskutieren.»

Auswertung historischer Quellen

Martin hat mit «Game of Thrones» ein machtpolitisches Universum geschaffen, das sich deutlich an der britischen Geschichte des Mittelalters orientiert. Es ist ein Gelehrter, der die Geschichte Westeros' schreibt, indem er einander widersprechende Quellen auswertet, wie etwa die Überlieferung eines Schloss-Bibliothekars oder die Erinnerungen eines Hofnarrs.

Martin macht also eigentlich genau das, was auch reale, moderne Historiker tun. «So gesehen, reflektiere ich tatsächliche Geschichte».

Und George Martins Leserinnen und Leser reagieren mit Vergnügen auf die Parallelen zwischen Westeros und den geschichtlichen Vorbildern. Es gibt mittlerweile etliche Webseiten, die seine Quellen diskutieren, was Martin grossen Spass macht.

Über die Schwierigkeit, passende Namen zu finden

Den Umgang mit der realen Geschichte findet Martin gar nicht so schwierig. Schwieriger sei es, die richtigen Namen zu finden für seine Figuren. «Man würde kaum glauben, wie oft ich noch Namen geändert habe, kurz bevor ein Buch wirklich erschienen ist.» Eine der Standardregeln für Anfänger sei es zum Beispiel, nie die Namen zweier Figuren mit dem gleichen Buchstaben beginnen zu lassen, weil die Leser sie sonst verwechseln könnten.

Der Mastermind hinter dem TV-Serien-Hit «Game of Thrones»

4:16 min, aus Kulturplatz vom 9.7.2014

Eine Regel, die Martin in früheren Büchern auch beherzigt hat. «Aber für ‹Das Lied von Eis und Feuer› ist mir schnell klar geworden, dass ich mehr als die 26 Figuren brauchen werde, die das Alphabet zulässt.» Dann habe er realisiert, dass in der realen Geschichte viele Figuren sogar identische Namen tragen. «Wenn die Leute all diese Henrys und Louis' unterscheiden können, dann dürften meine Leser die gleiche Intelligenz aufweisen.»

Um es dem Leser trotzdem etwas einfacher zu machen, habe er drei ethnische Gruppen erfunden, die in Westeros in unterschiedlichen Perioden das Sagen haben und sich auch im Klang ihrer Namen deutlich voneinander unterscheiden.

Prosa, gewürzt mit altertümlichem Klang

«Ich habe einfach mit dem Klang gespielt und die englischen Namen ganz leicht verfremdet: Im Gegensatz zu anderen berühmten Autoren nutze ich weder Koch- noch Telefonbücher zur Inspiration», sagt George Martin. «Aber ich habe eine ganze Bibliothek von Babynamen-Büchern.»

Die altertümlichen Anklänge in seiner Sprache setzt er mit Mass ein. Er würzt seine Prosa gerne mit einzelnen, mittelalterlichen oder anachronistischen Wörtern. «Aber zu viel davon geht nicht, sonst liest man plötzlich Chaucer.» Der sei zwar grossartig, aber eben nicht leicht zu lesen.

Martins Umgang mit Sprache und der Kniff, Kapitel für Kapitel die Perspektive einer anderen Figur zu vermitteln, machen die Lektüre seiner Wälzer zu einem durchaus literarischen Vergnügen. Dass die Geschichten gleichzeitig genügend Stoff bieten für die weltweit unglaublich populär gewordene Fernseh-Serie, tut dem keinen Abbruch.

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