«Jack Ryan: Shadow Recruit»: Ein Spion muss die Welt retten

Der Spion Jack Ryan ist eine Art amerikanischer James Bond. Erfunden vom Bestsellerautoren Tom Clancy. Vier Kinoabenteuer hat es bisher gegeben, Hollywood hat mit ihnen gut Geld verdient. «Jack Ryan: Shadow recruit»: ist der Versuch, die Filmreihe nach elf Jahren Pause wiederzubeleben.

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Filmkritik zu «Jack Ryan: Shadow Recruit»

3:19 min, vom 27.2.2014

Jack Ryan, Agent der CIA, arbeitet als Finanz-Analyst an der Wall Street, ein Bürojob. Als Ryan undurchsichtigen Finanzgeschäften auf die Spur kommt, wird er nach Moskau geschickt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Hier trifft Ryan auf den enigmatischen russischen Geschäftsmann Viktor Cherevin, der im Zentrum eines Komplotts gegen die USA steht. Jack Ryan wird schnell klar, dass er der einzige Mensch ist, der einen Wirtschaftscrash aufhalten kann, der weltweites Chaos auslösen würde.

Der Proamerikaner

Mit Jack Ryan kehrt ein Held auf die Leinwand zurück, für den Amerika alles und der Rest der Welt nichts ist. Alec Baldwin hat den Agenten 1990 verkörpert und eine Figur skizziert, der Harrison Ford in zwei weiteren Filmen den raubeinigen, ironischen Charme verliehen hat, den Ben Affleck ihr nicht gönnt.

Man sieht Kenneth Branagh zusammen mit zwei Hintermännern. Er zielt mit einer Waffe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kenneth Branagh: Kontrahent von Jack Ryan und Regisseur des Films. Universal

Nach elfjähriger Pause kommt mit «Jack Ryan: Shadow recruit» das fünfte Jack Ryan-Abenteuer in die Kinos und das erste, das nicht auf einem der unzähligen Romane des jüngst verstorbenen Bestseller-Autoren Tom Clancy basiert. Regie führt Kenneth Branagh, der britische Schauspieler und Regisseur, der sich mit Shakespeare Verfilmungen einen Namen gemacht hat. Und er scheitert.

Eine Enttäuschung

Kamera, Schnitt und Ausstattung erinnern an die «Bourne»-Trilogie. Böse Zungen könnten gar behaupten, dass Kenneth Branagh sich ausgiebig bei der erfolgreichen Franchise bedient hat. Wilde Verfolgungsjagden und Schiessereien können nicht davon ablenken, dass die einzige treibende Kraft der Patriotismus ihrer Akteure ist. Guter Amerikaner gegen bösen Russen – das erinnert an Zeiten, in denen die USA und die UdSSR noch dem Traum des präventiven Erstschlags nachhingen.

Keira Knightley zusammen mit Chris Pine. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Chris Pine und Keira Knightley. Universal

Es fällt schwer, die stereotypen Hauptfiguren zu ertragen: Auf der einen Seite der makellose Agent Jack Ryan, studierter Mathematiker, Afghanistan-Veteran und Kriegsheld, Meisterspion und treuer Familienvater in spe. Auf der anderen Seite sein Gegner: ein Russe, der seine Leber an den Rand des Komas gesoffen hat, ein Schürzenjäger, wenn er nicht gerade Menschen quält und umbringt. Freilich könnte man seinen Verstand abschalten und sich in den Actionszenen suhlen.

Die kleinkindtaugliche Handlung von «Jack Ryan: Shadow recruit» wird zu allem Überfluss von einer Romanze überschattet. Keira Knightely ist als Heiratswütige zu sehen und wird in Szenen kleinbürgerlicher, häuslicher Idylle ins Lächerliche gezogen. Der einzige Lichtblick: Kevin Costner als Führungsoffizier. Zur Belohnung hat er den besten Oneliner des Films: «Hier geht es um Geopolitik, nicht um Paartherapie». Hätte sich der Drehbuchautor bloss an seinen eigenen Satz gehalten. Fazit: Die Romanze verhindert die Renaissance des Helden.