«Lone Survivor» – Machismo am Hindukusch

Seit Chuck Norris seine Kampfstiefel an den Nagel gehängt hat, war eine derartige Mischung aus Hurra-Patriotismus und Helden-Tod nicht mehr auf der Leinwand zu sehen. Dabei ist «Lone Survivor» die Geschichte einer militärischen Mission, die im Desaster endete.

Video «Filmbesprechung zu «Lone Survivor»» abspielen

Filmbesprechung zu «Lone Survivor»

2:31 min, vom 20.3.2014

«Lone Survivor» erzählt die wahre Geschichte von vier Mitgliedern der US-amerikanischen Marine-Spezialeinheit Navy Seals. Deren Mission, einen Taliban-Führer auszuschalten, ist schon im Ansatz von Pech und Pannen überschattet. Anders als geplant, steht die Spezialeinheit in den Bergen des Hindukusch einer Übermacht von Taliban gegenüber. Für die Navy Seals geht es nicht nur ums nackte Überleben, es geht auch um die Ehre.

Zwischen Tagebuch und Werbespot

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Tatsachenbericht des ehemaligen Navy-Seal-Offiziers Marcus Luttrell. Er ist der einzige Überlebende der Operation «Red Wings», deren Ziel es war, den Talibanführer Ahmad Shah zu liquidieren. «Lone Survivor» ist ein Propagandastreifen, der in Kriegs-Rhetorik den amerikanischen Patriotismus abfeiert: «Mission accomplished».

Peter Berg, der sich mit dem unsäglichen Science-Fiction-Militär-Spektakel «Battleship» seine Sporen verdient hat, ist als Autor und Regisseur für den zwei Stunden langen Rekrutierungsfilm verantwortlich. So stellt man sich einen Werbespot der US-Navy vor. Im halbstündigen Prolog wird der gleich und atemlos machende Drill ebenso zelebriert wie die männlichen Initiationsrituale unter dem Sternenbanner. Was folgt, ist eine Eskalation der Gewalt, ein Fest explodierender Granaten, eine gut orchestrierte Grosswildjagd. Eine Hatz, in der die Seals einer nach dem anderen, bis auf einen, zur Strecke gebracht werden.

Fazit

«Lone Survivor» hat die Anmutung eines Navy-Werbefilms, ist brillant fotografiert und in manchen Einstellungen an realer Rohheit nicht zu übertreffen. Passend dazu ein Sounddesign, das einem die Kugeln sprichwörtlich um die Ohren pfeifen lässt.

Vier Männer in Armeeuniformen mit Gewehren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Taylor Kitsch, Mark Wahlberg, Ben Foster und Emile Hirsch als Navy Seals. Paterson-Entertainment AG

Auch die Besetzung ist auf der Höhe des Projekts. Mark Wahlberg verleiht dem einsamen Überlebenden Glaubwürdigkeit und Intensität. Taylor Kitsch, Ben Foster und Emile Hirsch überzeugen als Elitesoldaten, denen man die Religion des Kriegers abnimmt: Nichts ist wichtiger, als den «Bruder» an der Seite zu verteidigen.

Die Ingredienzien stimmen also, was fehlt ist der Inhalt. Peter Berg bedient sich sichtbar bei zwei Filmen. Das Drama «Zero Dark Thirty» und die Jagd auf den Terrorfürsten Osama bin Laden standen ebenso Pate wie die um einen einsamen Helden konzentrierte Handlung im Soldaten-Verschwörungs-Thriller «Green Zone».

Leider fehlen Regisseur Berg das erzählerische Können von Kathryn Bigelow und die ästhetische Kraft von Paul Greengrass. Was bleibt, ist ein Kriegsfilm mit Machos als Helden. Ob dieser Film den Gefallenen Ehre erweist, ist zweifelhaft.