Mafia-Komödie «Malavita»: Immer knapp daneben

Es hätte eine charmante Komödie sein können: Robert de Niro und Michelle Pfeiffer als Mobster-Paar im Zeugenschutzprogramm – das hat durchaus Potential. Bloss, Luc Bessons neuer Film «Malavita» ist nicht lustig.

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Filmbesprechung «Malavita»

1:39 min, vom 21.11.2013

Der Mafia-Pate Fred (Robert de Niro) hat zahlreiche Mit-Mafiosi bei der Polizei verpfiffen. Seitdem lebt er zusammen mit seiner Familie im Zeugenschutzprogramm in Frankreich. Eigentlich sollen sie da ein möglichst unauffälliges Leben führen – doch gelernt ist gelernt: Weder Papa Fred noch seine hartgesottene Frau Maggi (Michelle Pfeiffer) können bei zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen von rabiaten Mafia-Praktiken lassen. Auch ihre beiden jugendlichen Kinder sind nach bester Mafiosi-Manier erzogen und ballern aus dem Effeff mit schwerem Geschütz durch die Gegend.

Schauspielerin Michelle Pfeiffer Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Geübte Gangsterbraut: Schauspielerin Michelle Pfeiffer (55). Pathé Films AG

Das bezeichnendste Zitat

«Ich hätte ihn bestimmt nicht zusammengeschlagen. Wer flickt jetzt die ganzen Leitungen?» – sagt Michelle Pfeiffer zu Robert de Niro und spricht vom Klempner, den ihr Ehemann zuvor krankenhausreif geschlagen hat.

Fakten, die man wissen sollte

Als «The Family» kam der Film in den USA ins Kino, bei uns heisst er «Malavita». Malavita ist die Hündin der Familie und fungiert ausser als Titelgeberin in keiner grösseren Rolle. «Malavita» ist allerdings auch der Originalname des Buches von Tonino Benacquista, das als Vorlage des Films diente.

Der Regisseur

Es ist so eine Sache mit diesem Mann. In seinen Anfängen strahlte Luc Besson die gefühlte Coolness eines französischen Quentin Tarantino aus, mittlerweile ist er vielleicht der Filmemacher mit der grössten Qualitätsschere in seiner Filmografie.

Luc Besson. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Luc Besson, unter anderem Regisseur von «Arthur und die Minimoys». Pathé Films

Er steht einerseits für so unvergessliche Filme wie «Le grand bleu», «Léon» und «The Fifth Element» – zeichnet sich aber auch für eine beträchtliche Anzahl miserabler Filme verantwortlich, denen man im Gedächtnis keinen Speicherplatz einräumen möchte. Eine Gemeinsamkeit zieht sich allerdings durch fast alle seine Werke. Bessons Leidenschaft für eine naturgetreue Gewaltdarstellung. Spezialität: weibliche Killermaschinen.

Das Urteil

Robert de Niro und die wunderbare, etwas in Vergessenheit geratene, Michelle Pfeiffer – übrigens die schönste und witzigste Mafiabraut aller Zeiten («Scarface», «Married to the Mob») – geben das abgebrühte Mob-Paar: Eine kleine, aber liebenswerte Fingerübung. So erhofft man es sich.

Leider ist «Malavita» seltsam dissonant geraten. Wie ein anarchistisches Orchester schrammelt hier jeder etwas vor sich hin. Luc Besson inszeniert unentwegt einen Halbton an der Komödie vorbei. Was womöglich Charme und Witz hätte entfalten können, wirkt in seinem Film entweder plump und dümmlich oder aber befremdlich realistisch. Ein enttäuschendes Kuddelmuddel.