Moritz Bleibtreu lernt «Die dunkle Seite des Mondes» kennen

Martin Suter lieferte die Romanvorlage – nun nimmt Stephan Ricks fesselnder Thriller den Zuschauer mit auf den Psychotrip eines Erfolgsmannes. Dieser verliert durch Drogenkonsum die Kontrolle über sein Leben. Was passiert, wenn man den schmalen Grat zwischen Normalität und Wahnsinn überschreitet?

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Im Kino: «Die dunkle Seite des Mondes»

Das Leben des Wirtschaftsanwalts Urs Blank ist scheinbar perfekt: Er hat Erfolg, Geld und eine smarte Ehefrau. Der Selbstmord eines Geschäftspartners wirft ihn jedoch aus der Bahn. Blank fängt an, sein bisheriges Leben in Frage zu stellen.

Um wieder zu sich zu finden, lässt er sich auf einen Drogentrip ein und nimmt halluzinogene Pilze. Mit fatalen Folgen: die «Magic Mushrooms» verändern seine Persönlichkeit. Seine dunkle Seite kommt zum Vorschein – der zivilisierte Anwalt wird zum instinktgetriebenen Mörder.

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      Das «psychedelischste» Zitat
      Ein Mann und eine Frau tanzen zusammen. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Der Erfolgsanwalt Blank lässt sich von der schönen Lucille (Nora von Waldstätten) verführen. Filmcoopi

      «Ein Pilz holt nur das hervor, was sowieso schon in dir steckt», so die hübsche Lucille zu Blank, nachdem sie ihn zum gemeinsamen Pilztrip überredet hat.

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      Der Schauspieler
      Ein Mann mit Anzug schaut besorgt in die Kamera. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Die Fassade in Blanks perfektem Leben beginnt zu bröckeln. Filmcoopi

      Bekannt aus «Lola rennt» (1998) und «Das Experiment» (2001) ist Moritz Bleibtreu einer der bedeutendsten deutschen Schauspieler seit den 1990er-Jahren. Längst hat sich der 45-Jährige auch international einen Namen gemacht. 2013 stand er neben Brad Pitt im Horror-Schocker «World War Z» vor der Kamera.

      In Stephan Ricks zweitem Langfilm «Die dunkle Seite des Mondes» überzeugt er mit einer darstellerischen Tour de Force in der Rolle des Urs Blanks. Seine psychologische Wandlung vom Anwalt zum Killer ist so beeindruckend, dass man das Gefühl hat, selber zum instinktgetriebenen Tier zu werden.

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      Fakten, die man wissen sollte
      Ein Mann hält ein Mikrofon in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Martin Suters jüngstes Werk: der Wirtschaftskrimi «Montecristo» (2015). Keystone

      Der Titel «Die dunkle Seite des Mondes» erinnert an Pink Floyds psychedelisches Musikalbum «The Dark Side of the Moon» (1973). Ursprünglich stammt das Zitat von Mark Twain. Demnach ist jeder Mensch ein Mond mit zwei Seiten, einer guten und einer bösen. Das Motiv des Doppelgängers ist vor allem durch das literarische Werk «Dr. Jekyll und Mr. Hyde» (1886) bekannt.

      Der Film «Die dunkle Seite des Mondes» beruht auf dem gleichnamigen Bestseller des Schweizer Erfolgsautors Martin Suter aus dem Jahr 2000. Mit knapp einer Million verkauften Exemplaren im deutschsprachigen Raum ist er sein bislang erfolgreichster Roman. Viele seiner Geschichten wurden bereits verfilmt. Der Grund: seine Erzählungen sind dramaturgisch sehr dicht, fast drehbuchhaft genau – geeignet, um auf die Leinwand gebracht zu werden.

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      Das Urteil
      Ein jüngerer Mann und ein älterer Mann sitzen im Auto nebeneinander und schauen sich gegenseitig an. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Gut vs. Böse? Filmcoopi

      «Die dunkle Seite des Mondes» ist eine gelungene Mischung aus Thriller und Drama. Er thematisiert auf spannende Weise den schmalen Grat zwischen Gut und Böse. Was dabei ein bisschen zu kurz kommt: der Schurke. In Form von Pius Ott (Jürgen Prochnow), Blanks skrupellosen Mandanten. Mit seiner unterkühlten Art und seinen stahlblauen Augen schlüpft Jürgen Prochnow einmal mehr in die Rolle des Oberbösewichts. Für diese grandios-diabolische Darbietung hätte der Film ihm mehr Bühne geben können.

Kinostart: 21.01.2016

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die Lust der Populärkultur am spekulativen Fantasieren

    Aus Kulturplatz vom 13.1.2016

    Was wäre, wenn Aliens die Erde angreifen würden, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte oder wenn man plötzlich den Killer in sich entdeckte? Wie fantastisch die Spekulation auch sein mag, die sogenannten Alternativgeschichten boomen in Literatur und Film. «Kulturplatz» sucht mit der Literaturwissenschaftlerin Christine Lötscher nach Erklärungen und stellt die Martin-Suter-Verfilmung «Die dunkle Seite des Mondes» vor.

    Uta Kenter