«Our Kind of Traitor»: ein eleganter Agentenfilm ohne Klischees

Ewan McGregor und Stellan Skarsgård in einem Film, basierend auf einem Roman von John le Carré: Klingt gut. Weitere Sympathiepunkte kriegt der Film, weil einige Szenen in Bern gedreht wurden. Ganz nüchtern, ohne grosse Show. Das passt zur Schweiz – und zur eleganten Nüchternheit des Thrillers.

Video «Im Kino: «Our Kind of Traitor»» abspielen

Im Kino: «Our Kind of Traitor»

Der Universitäts-Dozent Perry (Ewan McGregor) und seine Frau Gail (Naomie Harris) wollen mit einem Urlaub in Marrakesch eine Beziehungskrise überwinden. Als für die Anwältin Gail überraschend die berufliche Pflicht ruft, wird Perry – allein in der Bar – vom extravertierten Russen Dima (Stellan Skarsgård) angesprochen. Der überredet Perry kurzerhand, ihn auf eine Party zu begleiten.

Die gemeinsam durchzechte Nacht lassen die beiden mit einer Runde Tennis ausklingen, zu der Gail als kritische Zuschauerin hinzustösst. Dima mag das britische Pärchen so sehr, dass er es zur prunkvollen Geburtstagsfeier seiner Tochter einlädt. Dort verrät Dima Perry, dass er als Geldwäscher für die russische Mafia arbeitet. Deren neues Oberhaupt will ihn und seine Familie aus dem Weg schaffen.

Um sich und seine Liebsten zu schützen, verfolgt Dima einen waghalsigen Plan: Er will dem britischen Geheimdienst Informationen über die russische Mafia ausliefern – im Austausch für Schutz und Asyl für seine Familie in London. Perry seinerseits soll seinem neuen Freund als Vermittler behilflich sein.

    • 1.
      Das trockenste Zitat
      Ewan McGregor und Stellan Skarsgård in «Our Kind of Traitor». Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Kommen sich schnell näher: Perry (Ewan McGregor) und Dima (Stellan Skarsgård). STUDIOCANAL

      «Es war meine Mutter, weisst du? Da wird man schon mal sentimental.» Mit diesen knappen Worten erklärt Dima Perry, weshalb er als Junge einen KGB-Agenten tötete, der sich wiederholt an seiner Mutter vergangen hatte.

    • 2.
      Der Schauspieler
      Stellan Skarsgård auf dem roten Teppich. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Kann auf ein halbes Jahrhundert Schauspielerfahrung zurückgreifen: Stellan Skarsgård. Reuters

      Stellan Skarsgård stand bereits als Teenager in der schwedischen TV-Serie «Bombi Bitt och jag» (1968) vor der Kamera. In den Siebzigern und Achtzigern war er nebst seiner Tätigkeit als Filmschauspieler während 16 Jahren auch am Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm engagiert. Der internationale Durchbruch gelang dem gebürtigen Göteborger 1996 mit seiner Darbietung in Lars von Triers Drama «Breaking The Waves». Es war die erste von bislang sechs Kooperationen der beiden. Seither ist der heute 65-Jährige abwechselnd in internationalen Independent-Produktionen und US-Blockbustern wie «Pirates of the Caribbean», «Mamma Mia!» oder «The Avengers» zu sehen.

    • 3.
      Fakten, die man wissen sollte
      Perry (Ewan McGregor) hält eine Pistole. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Hat nun noch mehr gemeinsam mit Alec Guinness: Ewan McGregor in «Our Kind of Traitor». STUDIOCANAL

      Mit Ewan McGregor und Alec Guinness sind beide Schauspieler, die im Universum von «Star Wars» den Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi verkörpert haben, nun auch Teil des Kosmos von John le Carré. Guinness hatte bereits 1979 in der TV-Mini-Serie «Tinker Tailor Soldier Spy» den Protagonisten George Smiley gespielt – einen ehemals hochrangigen Agenten des britischen Geheimdienstes, der während des Kalten Krieges aus dem Ruhestand geholt wird.

    • 4.
      Das Urteil
      Ewan McGregor, Naomie Harris und Damian Lewis in «Our Kind of Traitor». Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Starke Besetzung: Ewan McGregor, Naomie Harris und Damian Lewis. STUDIOCANAL

      «Our Kind of Traitor» ist ein altmodischer Thriller im klassischen Sinne. Regisseurin Susanna White setzt also eher auf Spannung und Unbehagen statt Spektakel und Schockmomente.

      Das wirkt elegant und entspricht dem Charakter der Romanvorlage: Schliesslich hat John le Carré in seinem literarischen Schaffen immer mehr auf Realismus als auf Romantisierung gesetzt. Nicht so recht dazu passen will dagegen die optische Aufmachung des Films: Die kalten, teils unnatürlich wirkenden Farben sind in den «Bourne»- und «Bond»-Filmen der jüngsten Vergangenheit definitiv besser aufgehoben.

      Dass die Geschichte bisweilen barsch voranschreitet, lässt sich verkraften; vor allem weil einem schauspielerisch einiges geboten wird. Beeindruckend, wie es Stellan Skarsgård gelingt, die Figur des Russenmafia-Veteranen nicht nur mit viel Dekadenz, sondern auch reichlich Charisma aufzuladen. Allein Skarsgårds Performance als sympathisch-ambivalenter Charmebolzen ist Grund genug, sich diesen Thriller anzusehen.

Kinostart: 7.7.2016