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Filmredaktor Michael Sennhauser über «Schwesterlein»
Aus Kultur-Aktualität vom 25.02.2020.
abspielen. Laufzeit 02:36 Minuten.
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Schweizer Berlinale-Film Nicht ohne meinen Zwillingsbruder

Ein starkes Stück: In «Schwesterlein», dem Schweizer Beitrag im Wettbewerb der Berlinale, kämpft eine Autorin um das Leben ihres Zwillingsbruders.

Nina Hoss ist ein deutscher Filmstar, viele von ihnen gibt es ja nicht. Lars Eidingers Gesicht hat über 30 Filme geprägt – internationale («The Clouds of Sils Maria») und nationale («Die sexuellen Neurosen unserer Eltern»).

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Berlinale: Nach acht Jahren ein Schweizer FIlm im Hauptwettbewerb
Aus Glanz & Gloria vom 25.02.2020.
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Dem Magnetismus der beiden kann man sich kaum entziehen – schon gar nicht, wenn sie wie in «Schwesterlein», dem Schweizer Film im Wettbewerb der 70. Berlinale, zu einem symbiotischen Organismus verschmelzen.

Kinder statt Karriere

Nina Hoss spielt Lisa, die Zwillingsschwester von Sven. Sven ist – wie sein Darsteller Lars Eidinger – der grossen Star der Berliner Schaubühne. Das Theater war auch Lisas Welt. Sie hat erfolgreiche Stücke geschrieben – ihr Ex David (Thomas Ostermeier) ist Svens Regisseur seit vielen Jahren.

Aber Nina hat Martin (Jens Albinus) geheiratet, ist mit ihm nach Leysin in der Schweiz gezogen, wo er eine renommierte, teure Privatschule leitet, sie hat zwei Kinder.

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Ausschnitt aus «Schwesterlein»
Aus Kultur Extras vom 24.02.2020.
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Temporär soll das sein, die Rückkehr der Familie nach Berlin nach ein paar Jahren ist ausgemacht. Zumindest für Lisa. Aber dann reist sie überstürzt alleine. Bei Sven wurde eine tödliche Leukämie festgestellt, eine Knochenmarktransplantation wird versucht.

Blutsbande in Berlin

In der ersten Einstellung des Films liegt Lisa auf einem Spitalbett, man nimmt ihr Blut. In der nächsten Einstellung: Sven im Isolationszimmer am Tropf. Das Bild ist so aufdringlich wie stark: In den beiden Geschwistern fliesst das gleiche Blut.

Dem Kampf um das Leben ihres Zwillingsbruders ordnet Lisa alles unter. Sie nimmt ihn zur Erholung mit nach Leysin, sie bemüht sich krampfhaft, das Sterben des Bruders zu verdrängen.

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Ausschnitt aus «Schwesterlein»
Aus Kultur Extras vom 20.02.2020.
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Lichtsignale mit der Nachttischlampe

«Schwesterlein», ein echter Ensemble-Film, garantiert starkes Drama. Die legendäre Schweizer Schauspielerin Marthe Keller hat mehrere grossartige und rührend komische Auftritte als ziemlich überforderte Mutter der Zwillinge. Die Dynamik zwischen Lisas Mann und Sven ist ebenso spannend wie die zwischen Sven und den Kindern, die ihren Onkel lieben.

Am stärksten aber ist die Zeichnung der Verbindung zwischen den Geschwistern. Lichtsignale mit der Nachttischlampe, die gemeinsamen Erinnerungen, Svens ruhige Feststellung: «Du hast aufgehört zu schreiben, an dem Tag, als ich meine Diagnose bekam», und Lisas stillschweigende Bestätigung mit einem Blick.

Filmstill: EIn junger Mann und eine junge Frau blicken auf eine ältere Frau, die sich an den Kopf greift.
Legende: Starkes Stück, starke Schauspieler – und kein Grund, sich an den Kopf zu fassen. Praesens Film

Lisa, die Leise

«Schwesterlein» ist ein intensiver, starker Film. Lisas verzweifelte Versuche, ihren Bruder mit der Hoffnung auf ein eigens von ihr für ihn geschriebenes Stück am Leben zu halten, ist vielleicht das einzige nicht ganz überzeugende Element.

Eine Mann und eine Frau in einem Wagen, er lehnt seinen Kopf gegen ihre Schulter.
Legende: Wie ineinander verwachsen: Nina Hoss und Lars Eidinger in «Schwesterlein». Prasens Film

Vielleicht, weil wir Lisa als Autorin nie kennenlernen. Nina Hoss ist am stärksten, wenn Lisa reagiert, wenn sie verweifelt, sich freut, oder wütend wird. Also immer dann, wenn zwischen den Figuren eine Spannung entsteht.

Als behauptete Autorin allerdings müsste sie zu einem aktiven Energiezentrum werden, dafür ist die Figur aber nicht angelegt.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 24.2.2020, 07:20 Uhr

senm / gust

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