Tom Hanks kämpft in «Captain Phillips» gegen Piraten

Was tun, wenn somalische Piraten ein Schiff entern und entführen wollen? In «Captain Phillips» wird das Horrorszenario zur Realität: Der Film erzählt, wie sich im März 2009 auf dem Frachter «Maersk Alabama» ein Krimi sondergleichen abspielte.

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Filmbesprechung: «Captain Phillips»

2:25 min, vom 14.11.2013

Kapitän Richard Phillips (Tom Hanks) ist mit dem Frachtschiff «Maersk Alabama» am Horn von Afrika unterwegs. Dort wimmelt es nur so von Piraten, das weiss er. Er lässt seine Crew den Ernstfall üben, dann passiert es tatsächlich: Vier somalische Piraten kapern das Schiff. Es beginnt ein Katz-und Mausspiel zwischen Muse (Barkhad Abdi), dem Anführer der Bande, und dem Kapitän. Rettung naht, doch es dauert Stunden, bis die Marine eingreifen kann.

Das stärkste Zitat

«Jetzt bin ich der Kapitän.» (Der Piraten-Anführer Muse zu Phillips, nachdem er mit seiner Bande die Brücke gestürmt hat.)

Fakten, die man wissen sollte

Tom Hanks und Richard Phillips (mit Brille), elegant gekleidet und in die Kamera lachend. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tom Hanks (l.) mit dem echten Captain Richard Phillips. Keystone

Der Piratenangriff auf die «Alabama» hat sich tatsächlich zugetragen, im Jahr 2009. Das Drehbuch zum Film orientiert sich an den Memoiren von Kapitän Richard Phillips. Ein Teil der damaligen Mannschaft ist allerdings nicht einverstanden, wie Phillips im Film dargestellt wird. Es läuft ein Gerichtsverfahren gegen ihn und die Reederei, weil Phillips damals das Schiff und die Crew willentlich gefährdet haben soll.

Der Vorwurf der Crew und ihrer Anwälte: Phillips wollte Zeit sparen und fuhr deshalb zu nah an der Küste entlang. Wären sie weiter entfernt gewesen, hätten die Piraten das Schiff vielleicht in Ruhe gelassen.

Übrigens: Die britische Handelsmarine hat in der Zwischenzeit ein effektives Mittel gefunden, um unliebsame Eindringlinge zu verscheuchen. Via Lautsprecher spielen sie Songs von Britney Spears ab. Wie «Die Welt» vom 29. Oktober 2013 berichtet, hassen die somalischen Piraten westliche Musik derart, dass sie sofort abdrehen, wenn «Hit Me Baby, One More Time» gespielt wird. Im selben Artikel fügt ein Sicherheitsbeamter scherzend hinzu, dass sie aber keine Songs von Justin Bieber abspielen. Das würde dann doch die Genfer Konvention verletzen.

Der Regisseur

Porträtbild von einem Herren mit längerem grauen Haar. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der britische Regisseur Paul Greengrass. Reuters

Der Brite Paul Greengrass ist den meisten bekannt durch seine beiden Bourne-Verfilmungen «The Bourne Supremacy» (2004) und «The Bourne Ultimatum» (2007). Sein unverkennbarer Stil: Er dreht beinahe ausschliesslich mit bewegter Hand- oder Schulterkamera. Darin ist er ein Meister.

Was bei anderen Regisseuren oftmals zu nervigen Wackelbildern verkommt, ist bei Greengrass gezielte Umsetzung eines visuellen Konzepts: Er schafft damit Nähe zu den Darstellern und Unmittelbarkeit in Actionszenen. Natürlich ist dies auch das Verdienst von Paul Greengrass' Kameramann Barry Ackroyd. Zusammen haben sie bereits zwei Filme realisiert, «United 93» (2006) und «Green Zone» (2010).

Das Urteil

«Captain Phillips» ist spannungsgeladenes Kino. Trotz einer Länge von 134 Minuten kommt hier keine Langeweile auf. Der Film schafft es, gängige Stereotypen wie «Heldenhafte Amerikaner gegen böse somalische Piraten» zu umschiffen und beide Seiten sorgsam und detailgetreu zu beleuchten.