Transmedia-Trend: Geschichten lesen, hören, spielen

Geschichten erzählen, Geschichten hören: Den Brauch gibt es wohl seit Beginn der Menschheit. Nun sollen Geschichten aber auch über Mediengrenzen hinweg erzählt werden: «Transmedia-Storytelling» ist ein Trend, der auch in der Schweiz gezielt gefördert wird. Vier Beispiele.

Schwarze Männchen auf weissem Grund auf einem iPad. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Spielerfahrungen von «Kids» sollen zu einem Kurzfilm weiterentwickelt werden. Michael Frei/Kids

Sie lesen gerade einen Roman, der die Lebensgeschichte einer Nebenfigur aus Ihrer Lieblings-Fernsehserie erzählt. Sie sitzen im Kino und wissen bereits, dass sich die entscheidende Pforte gleich öffnen wird, weil Sie in einem Online-Game dafür gekämpft haben.

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Sendehinweis

Entsprechen alle Schweizer Projekte dem amerikanischen Transmedia-Ideal? Hören Sie die Diskussion in «Kontext».

Diese beiden Beispiele illustrieren, wofür Transmedia-Storytelling steht: das Erzählen von Geschichten über Mediengrenzen hinweg. Das Ziel: Über verschiedene Kanäle Menschen für die eigenen Inhalte begeistern.

Das ist nicht einfach Marketing. Davon ist der geistige Vater des Begriffes, der US-Medienforscher Henry Jenkins überzeugt. Es handle sich vielmehr um die Erzählform, die den Erwartungen künftiger Medienkonsumenten entspreche.

Auch in der Schweiz wird mit dem Einsatz verschiedener Medien experimentiert. Aber die neue Arbeitsweise trifft auf alte Förderstrukturen. Deshalb haben die Solothurner Filmtage ein Pilot-Projekt durchgeführt: «Call for Transmedia Projects». Eine Jury durfte für zwei Ausgaben Geld des Bundesamtes für Kultur und der Pro Helvetia sprechen.

Diese vier Projekte haben Fördergelder für die Umsetzung erhalten:

    • 1.
      «My survival Story»
      Bildschirmaufnahme, auf der «My survival Story. True cances stories. Worth telling» steht. Zudem ein Foto von einem Mann, der lächelnd in die Kamera schaut. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: «My survival Story» SRF

      Krebskranken Mut machen, diese Kernidee liegt «My survival Story» zu Grunde. In kurzen Videos erzählen Betroffene, wie sie dem Krebs entgegentreten. Zusätzlich werde man bald auch ausführliche Podcasts anbieten, so Martin Inderbitzin, Initiant des Projektes. Via Instagram können Betroffene ihre Geschichte mit dem Hashtag #mysurvivalstory posten und sich so beteiligen.

      Link zu «My survival Story»

    • 2.
      «Kids»
      Schwarze Männchen auf weissem Grund auf einem iPad. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Die Spielerfahrungen von «Kids» sollen zu einem Kurzfilm weiterentwickelt werden. Michael Frei/Kids

      Bei «Kids» geht es um das Verhalten der Masse. Im Game, das sich noch in Entwicklung befindet, rennen einfach gezeichnete schwarze Männchen auf weissem Grund. Mit dem Finger kann man die Figuren manipulieren, versuchen, die Masse zu trennen, die Gruppen aufeinander zuzusteuern oder im Kreis laufen zu lassen. Das Game hat keine Hürden und Levels, sondern ist eine Einladung zur Entdeckung. Aus den Spielerfahrungen des Games wird Koproduzent Michael Frei einen Kurzfilm entwickeln, vielleicht auch noch eine Kunstinstallation.

    • 3.
      «Metamorphoses»
      Wesen im Wasser. Bild auf einem Tablet. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Geschichten aus Ovids Metamorphosen durch Games erzählen. Metamorphoses

      Ovids Metamorphosen einem neuen Publikum zugänglich machen, so das Ziel des Projektes «Metamorphoses». Zum Beispiel jene von Ikaros, dessen Wachsflügel schmolzen, als er zu nah an die Sonne flog. Die – über 200 – Geschichten sollen in mehreren Übersetzungen, aber auch verschiedenen Längen in einem E-Book zur Verfügung gestellt werden. Bei vorerst 20 soll aus der Geschichte ein Game werden, wenn man den Bildschirm dreht. «Metamorphoses» wird frühestens in einem Jahr umgesetzt sein, prognostiziert Raphaël Muñoz, einer der Macher.

    • 4.
      «Confusion Today»
      Bildschirmaufnahme, auf der «Confusion Today» steht. Ein Foto zeigt Leute, die in ein Flugzeug steigen. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: «Confusion Today» SRF

      Confusion Today ist der Titel eines Spielfilmes, bei dem es um einen ehemaligen Guantanamohäftling geht. Das Transmedia Projekt «Confusion Today» hat zum Film einen Videoplayer entwickelt. Darin tauchen unterhalb des Spielfilms immer neue Stichwörter auf (z.B. «Geopolitik»), die dann noch verfeinert werden können (z.B. «Afghanistan», «Pakistan»). Durch die Auswahl entsteht unter dem Film eine neue Playlist, bestehend aus Interview-Ausschnitten, Teilen von Reportagen etc. «So entsteht ein neuer Film», sagt Mitinitiant Ulrich Fischer. Die Playlist lässt sich verändern und kann geteilt werden.

      Link zu «Confusion Today»

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