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Film & Serien US-Remake, für einmal geglückt: «The Secret in Their Eyes»

Vor sechs Jahren gewann ein Thriller aus Argentinien den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. «El secreto de sus ojos» erzählt von einem ungelösten Mordfall, der viele Jahre später noch einmal aufgerollt wird. Nun landet das unumgängliche US-Remake bei uns ins Kino – mit Starbesetzung.

Ein Mann und eine Frau stehen in eiener Garage. Durch das offene Tor sieht man auf eine Quartierstrasse.
Legende: Neuauflage mit Starbesetzung: Chiwetel Ejiofor und Julia Roberts in «The Secret in Their Eyes». Impuls

In einem Abfallcontainer einer Garage in Los Angeles findet die Polizei eine Frauenleiche. Die Szene spielt im Jahr 2002. Die Garage grenzt an eine Moschee, die im Zuge des «War on terror» der Bush-Administration vom FBI observiert wird. Deshalb stossen FBI-Special-Agent Ray Kasten (Chiwetel Ejiofor, «12 Years a Slave») und seine muntere Kollegin Jessica Cobb (Julia Roberts) zu den Polizisten.

Nach einem Blick auf die Leiche wird Ray bleich: «Das ist Carol, Jess, das ist deine Tochter!» Natürlich dreht Jessica fast durch, und natürlich setzt das ganze Team alles daran, den Mörder zu finden und zur Verurteilung zu bringen. Auch die junge Staatsanwältin Claire Sloane (Nicole Kidman), in die sich Ray Kasten eben so diskret wie hoffnungslos verliebt hat.

Eine Frau steht in einem Büro, daneben sitzt ein Mann auf einem Stuhl.
Legende: Unterdrückte Liebe: Chiwetel Ejiofor und Nicole Kidman. Impuls

Wie bei «Dirty Harry»

Eine Antiterror-Taskforce, die als Reaktion auf 9/11 zusammengestellt wurde, bildet nicht das übliche Umfeld für einen Polizei-Thriller. Der mutmassliche Mörder von Claires Tochter ist bald gefunden – da er aber gleichzeitig ein wichtiger Informant aus dem Umfeld der unter Beobachtung stehenden Moschee ist, lässt ihn der zuständige Staatsanwalt unbehelligt.

Damit wären wir – auf dieser ersten Zeitebene – beim Plot eines «Dirty Harry»-Films: Frustrierte Polizisten, Staatsräson, welche die justiziable Gerechtigkeit aushebelt und ein Täter, der sich geschützt von oben auch noch über die Agenten lustig macht.

Aber eingesetzt hat der Film, wie schon das Original, Jahre später, genau genommen: Dreizehn Jahre später, in unserer Gegenwart. Ray Kasten, der seinerzeit frustriert den Dienst quittiert hat, taucht bei Staatsanwältin Claire auf, die wie erwartet Karriere gemacht hat.

Er habe den Kerl gefunden. 696'000 Weisse sässen in den diversen US-Gefängnissen, Abend für Abend sei er die online durchgegangen –13 Jahre lang. In den nächsten Tagen solle der Schuldige freikommen. Höchste Zeit also, das damals unterdrückte Verfahren endlich aufzurollen. Zumal Jess noch immer in der Abteilung arbeitet, ein Schatten ihrer selbst zwar, aber nach wie vor eine gute Polizistin.

Geglückte Verlagerung

US-Remakes erfolgreicher fremdsprachiger Filme sind oft oberflächlich transferierte und sterilisierte Kopien. Im diesem Fall aber ergibt die Verlagerung der ursprünglichen Geschichte aus dem postdiktatorischen Argentinien ins Terror-hysterische Los Angeles von 2002 eine reizvolle Veränderung der Ausgangslage. Zumal Regisseur und Drehbuchautor Billy Ray die Figurenkonstellation der Vorlage beibehalten hat – bis hin zur unterdrückten Liebe zwischen Ejiofors Agent und Kidmans Staatsanwältin. Die Spannung zwischen Kidman und Ejiofor ist das romantische Element und gleichzeitig der «comic relief» in einer Geschichte, die ansonsten ziemlich düster angelegt ist.

Und das wiederum nutzt Julia Roberts, um einmal mehr ihrer Standardrolle in romantischen Komödien entgegenzuwirken. Ihre Jess macht eine dramatische Wandlung durch, vom fröhlichen Kumpel zur depressiven, verhärmten, verbitterten Frau – eindrücklich und gnadenlos verlebt gefilmt von Kameramann Danny Moder, Julia Roberts Ehemann im richtigen Leben.

Kinostart: 9.6.2016

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 9.6.2016, 7.20 Uhr.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi, Winterthur
    Schon aufgefallen, der Prodektionismus ist auch in der Filmpranche angekommen. Und zwar über die Sprachen. Der Eine wird nun sagen: Filme in denen mehrere Sprachen - z.B. deutsch, französisch und englisch - gemixt werden, fördern Multikulti. In Wirklichkeit gilt es aber den Chinesen zu verhindern und ist ein eher amerikanisches Phänomen. Nun ja, der Zyklus des Prodektionismum wird enden und darauf freue ich mich schon. Auf jeden Fall gefällt mir der Mix, wenn auch aus anderen Gründen.
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  • Kommentar von Rolf Künzi, Winterthur
    Wenn wir schon dabei sind, manchmal ist Bollywood viel kreativer als Hollywood, vorallem wenn es um eigene Drehbücher geht. Sieht aus wie ein ganz normaler Bollywoddfilm ist es aber nicht. " Der Zauber in dir" https://vimeo.com/144479165
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  • Kommentar von Wi Fe, Lenzburg
    Hallo SRF, wenigstens die Titelüberschriften und der Text darunter sollten korrekt geschrieben werden!
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