Viel Zirkus auf der Leinwand – Manege frei!

In der Zirkusmanege geht es rund. Doch Jubel, Trubel und Tragödie finden meist hinter den Kulissen statt – auch im Film. Ob Spagat zur Wunderwelt oder Hochseiltanz über der Wirklichkeit: Sechs Zirkusfilme, die sich lohnen.

    • 1.
      «Freaks» (Tod Browning, 1932)
      Der Cast von «Freaks». Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: «Freaks»? Regisseur Tod Browning mit dem Cast seines Films. Imago / Entertainment Pictures

      Der Film sollte gruseliger werden als Tod Brownings «Dracula» von 1931 – und schaurig ist er geworden: In «Freaks» werden Menschen mit «Missbildungen» in der Manege zur Schau gestellt: Unter den «Freaks» ist auch der kleinwüchsige Hansi, der sich in die stolze Trapezkünstlerin Cleopatra verliebt. Die beiden heiraten – er der Liebe, sie des Geldes wegen. Die falsche Liebe fliegt auf, die «Freaks» rächen sich und machen sie «zu einer von ihnen».
      Mit «Freaks» kritisierte Tod Browning das Zurschaustellen von Menschen mit Körpern jenseits der Norm – eine Praxis, die damals in Zirkus, Museen und auf Jahrmärkten verbreitet war. Browning rekrutierte für seinen Film Menschen mit echten Missbildungen. Statt auf mehr Verständnis für Andersartigkeit, stiess der Film beim Publikum aber auf Ablehnung. Zu amoralisch, zu monströs – so das Fazit. «Freaks» verstört noch heute und zeigt: Die Monströse versteckt sich meist im Inneren.

    • 2.
      «La Strada» (Federico Fellini, 1954)
      Zampano und Gelsomina an einem Tisch. Er trinkt Wein. Sie schaut ihn an. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Gelsomina hat sich in Zampano verguckt. Doch der schaut lieber ins Glas. Ponti-De Laurentiis Cinematografica

      Er ist ein eiserner Kerl mit einer starken Nummer: Der Gaukler Zampano (Anthony Quinn) zieht durch die Strassen Italiens und bricht mit seiner Brust Eisenketten. Begleitet wird er von der netten und naiven Gelsomina (wunderbar gespielt von Fellinis Frau Giulietta Masina). Das Leben an der Seite des borstigen Zampano ist hart: Denn wenn die Schau vorbei ist, fliesst der Wein – und es fliegen auch mal die Fäuste. Die Geschichte rund um das ungleiche fahrende Duo geht an die Knochen und ans Herz. «La Strada» brachte Fellini Weltruhm und gewann als erster Film einen Oscar für den besten nichtenglischsprachigen Film. Bis heute ist der unzimperliche «Zampano» uns ein Begriff.

    • 3.
      «Elephant Man» (David Lynch, 1980)
      Der «Elefantenmensch». Er hat viele Missbildungen am Kopf. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Alle Affen gaffen: «Elephant Man» wird zum grausamen Objekt der Begierde. Paramount Pictures

      John Merrick zieht alle Blick auf sich. Der junge Mann, wegen seiner schweren Missbildung auch «Elephant Man» genannt, ist eine beliebte Zirkusattraktion - wider Willen. Bis ihn ein wohlhabender Arzt (Anthony Hopkins) rettet – und ihn in die High Society einführt. Doch auch in der feinen Gesellschaft ist er in erster Linie nicht Mensch, sondern ein «monströses» Accessoire. Dank Lynchs Inszenierung wird jeder – auch der Zuschauer – zum Voyeur. Das macht den Film unerträglich anzuschauen und gleichzeitig sehenswert. Die Geschichte des Films beruht auf wahren Begebenheiten.

    • 4.
      «Shadows and Fog» (Woody Allen, 1992)
      John Malkovich als Clown. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Hinter der Kulisse weniger lustig: John Malkovich als Clown. Orion Pictures Corporatio

      «Nichts ist beängstigender als Leute zum Lachen bringen zu wollen – und dann zu scheitern», sagt Zirkusclown Paul (John Malkowich). Nichts zu lachen hat seine Freundin, Schwertschluckerin (Mia Farrow), die er mit der sexy Seiltänzerin (Madonna) betrügt. Doch der Liebeszirkus wird vom Trubel im Dorf den Schatten gestellt: Denn ein Serienmörder treibt sein Unwesen. Wer war’s? Etwa der hasenfüssig Beamte Max (Wood Allen)? «Schatten und Nebel» ist ein irrwitziges Tohuwabohu ganz nach Woody Allen. Mit Denkakrobatik, die nur er beherrscht: «Was passiert, wenn du ein Schwert im Hals hast und Schluckauf kriegst?»

    • 5.
      «La fille sur le pont» (Patrice Leconte, 1999)
      Vanessa Paradis als Zielscheibe. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Messerscharf: Vanessa Paradis als Artistin Adèle. Imago / AGD

      Adèle (Vanessa Paradis), ein leichtes Mädchen, hat es schwer. Doch nach einem verunglückten Selbstmordversuch wirft sie sich nochmal ins Leben: Dank Gabor (Daniel Auteuil), einem professionellen Messerwerfer, der weiss: «Man wirft keine Glühbirne weg, die noch leuchtet». Seine strahlend schöne Zielscheibe nimmt er kurzentschlossen auf eine waghalsige Tournee mit. Eine künstlerische, aber auch sexuell aufgeladene Beziehung entwickelt sich. Vanessa Paradis‘ Säuselstimme kann betören, aber auch stören. Aber Vanessa Paradis und Daniel Auteuil entwickeln zusammen unumstritten eine Energie, die besticht. Cirque à la française!

    • 6.
      «Big Fish» (Tim Burton, 2003)
      Ein dicker Mann badet. Ein Helfer (Ewan McGregor) hält eine Bürste. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Alltag im Burtonschen Zirkus: Auch der ZIrkusartist (Danny DeVito) hat ein kleines Geheimnis. Walt Disney Studios Schweiz

      Mit der Wirklichkeit hat’s er nicht so: Regisseur Tim Burton treibt sich in seinen Filmer lieber in Traumwelten rum. Kein Wunder kommt auch der Zirkus zum Zug. In «Big Fish», einem Film rund um einen Mann, der fantastische Geschichten erzählt, spielt der Zirkus zwar nur kurz eine Rolle. Doch so magisch wie Burton setzt keiner den Zirkus in Szene. Wunderbar unrealistisch!

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