Wenn Blödel-Witze zum Zeichen der Meinungsfreiheit werden

In «The Interview» soll der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un umgebracht werden. Deshalb bezeichnete der Aussenminister des Landes den Film als einen Akt des Terrors. Es folgten Anschlagdrohungen von Unbekannten auf Kinos. Trotzdem lief der Film an. Aber worum geht es in der Komödie eigentlich?

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Keine 3 Minuten: «The Interview»

2:49 min, vom 7.2.2015

In der überdrehten Komödie «The Interview» geht es hauptsächlich um das Showbusiness und nicht um machthungrige Herrscher. Aaron und Dave sind zwei Fernsehmacher einer Boulevard Talk-Show. Zufälligerweise ist Nordkoreas Diktator Kim Jong-jun ein grosser Fan ihrer Sendung. Deshalb gewährt er den beiden ein Exklusiv-Interview in Nordkorea.

Die CIA sieht eine Chance, den Staatsfeind loszuwerden. Eine sexy Agentin überredet die Quatschköpfe, ein Attentat auf den Diktator zu verüben. Und das ist der brisante Teil der Geschichte. Einen Anschlag auf einen amtierenden Diktator zu verüben, ist auch filmisch ein heisses Eisen.

    • Zwei Männer diskutieren, Frau steht verdutzt in der Mitte Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: blabla Columbia Pictures

      Das lustigste Missverständnis

      Nach einer durchzechten Partynacht stehen CIA-Agenten bei dem TV-Duo auf der Matte und bittet um einen Gefallen: «Die CIA wäre entzückt, wenn Sie beide den Diktator ums Eck bringen würden.» «Ums Eck bringen? In eine Eckkneipe?» «Nein, ums Eck bringen.» «Ihn in ein Restaurant ums Eck bringen? Zu einer Party?» «Nein, nein. Ihn um die Ecke bringen!» «Sie wollen, dass wir den Führer von Nordkorea töten?»

    • James Franco und Seth Rogen Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: blal Columbia Pictures

      Die Schauspieler

      Da haben sich zwei gefunden: Seth Rogen und James Franco. Seit ihrem ersten gemeinsamen Auftritt in der Serie «Freeks and Geeks» scheinen die Quatschköpfe unzertrennlich. Neben ihren Blödel-Komödien sind sie auch bekannt für Internet-Parodien von Reality-Shows oder Musikvideos. Während den Dreharbeiten zu «The Interview» stellten sie das Musikvideo «Bound 2» nach. Von Rapper Kanye West mit seiner Frau Kim Kardashian. Die beiden nehmen sich selbst und den Rest der Welt schonungslos auf die Schippe. Nicht mal ein amtierender Diktator wird verschont.

    • Ein Schauspieler spielt Kim Jong-un Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: blal Columbia Pictures

      Fakten, die man wissen sollte

      «The Interview» brachte Nordkorea auf die Palme. Die Regierung verkündete, dass eine Veröffentlichung einer Kriegserklärung seitens der USA gleichkäme. Hart traf es den Film-Vertrieb Sony Pictures. Die Firma wurde Opfer eines immensen Hackerangriffs. Es folgten Anschlagsdrohungen auf Kinos. Sony cancelte die Filmpremiere. Sogar die sonst so frechen Schauspieler Seth Rogen und James Franco sagten ihre Medienauftritte zum Film ab. Obama kritisierte den Entschluss von Sony. Kein Diktator dieser Welt könne eine Zensur in den USA durchsetzen. Sagte der US-Präsident. Die ganze Aufregung hat dem Film schliesslich nicht geschadet. Im Kino spielte «The Interview» bis jetzt fast 7 Millionen Dollar ein und Online immerhin 31 Millionen Dollar.

    • Ein Mann fasst sich in Schritt und schreit vor Schmerz Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: blahaa Columbia Pictures

      Das Urteil

      Eine Slapstick-Komödie erzürnt eine Nation und löst politische Konflikte aus. Doch ist der Film die Aufregung wert? Wer Werke des Regie-Duos Seth Rogen und Evan Goldberg kennt, weiss, dass man mit nichts Tiefgründigem rechnen darf. Wie in ihren Komödien «Superbad» und «Knocked Up» geht es auch in «The Interview» um pubertäre Witze und die Veralberung gesellschaftlicher Macken. Klar wird in «The Interview» Kim Jong-un zum Deppen gemacht. Der USA-Hasser hört Katy Perry, spielt Basketball und schlürft Margaritas während Bikini-Chicks ihn umgarnen. Doch eine politische Satire ist der Film nicht geworden. Vielmehr ist es eine witzige Parodie auf das US-Showbusiness.