Porträt einer Generation «Wir vergessen uns zu besinnen, was Glück bedeutet»

Jungregisseurin Lisa Blatter zeichnet in ihrem ersten Spielfilm ein düsteres und dichtes Stimmungsbild ihrer Generation.

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Im Profil: Liliane Amuat

4:29 min, aus Kulturplatz vom 25.1.2017

Lou klingt cool. Mit nur drei Buchstaben verströmt der Name Weite, Tiefe und Melancholie. Nicht nur prominenten Mannsbildern wie Lou Costello oder Lou Reed stand der zeitlose Ruf- und Kosename ausgezeichnet. Auch modernen Frauen können sich problemlos so nennen, ohne an Weiblichkeit einzubüssen.

Liliane Amuat (Lou) umarmt Aro (Dashmir Ristemi) von hinten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht... Heldin Lou mit ihrem Aro. 2:1 Film

Zur urbanen Heldin von «Skizzen von Lou» passen all diese Konnotationen perfekt. Die knapp 29-Jährige lebt im hippen Zürich als freiheitsliebende Nomadin, immer auf der Jagd und immer offen für die nächste Verlockung.

Girl meets Boy

Doch dann trifft die wilde Lou den charismatischen Aro. Mit ihm kommen plötzlich grosse Emotionen, Eifersucht und Erwartungen ins Spiel. Alles Dinge, die Lous Streben nach Unabhängigkeit widersprechen. Im Kern geht es hier also um die Angst vor der Liebe, mit der derzeit viele junge Erwachsene kämpfen.

Regisseurin Lisa Blatter hat ihr Generationenporträt Liliane Amuat auf den Leib geschrieben. Die Begeisterung für das gemeinsame Herzensprojekt spürt man in jeder Szene. Amuat scheint in «Skizzen von Lou» keine Rolle zu spielen – sie ist ganz bei sich selbst.

Zeichnende Männerhände im Vordergrund, Liliane Amuat in der Unschärfe im Hintergrund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Skizzen von Lou» findet Bilder für eine suchende Generation. 2:1 Film

Beziehungsstatus: Offen

Lou (Liliane Amuat) erschrickt vor den intensiven Gefühlen, die Aro (Dashmir Ristemi) mit seinem altmodischen Beziehungswunsch in ihr weckt. Sogar Kinder will er mal haben. Wie süss, flüstert Lous Herz. Wie bünzlig, schreit ihr Kopf. Bevor es richtig ernst wird, ergreift Lou die Flucht. Bloss nicht die Kontrolle verlieren – auch wenn sie ins Unglück führt!

Die 1979 geborene Regisseurin Lisa Blatter sieht darin ein typisches Verhaltensmuster ihrer Generation: «Wir sind so fleissig damit beschäftigt, unserem von Unabhängigkeit indoktrinierten Lebensentwurf nachzurennen, dass wir vergessen, innezuhalten, durchzuatmen und uns zu besinnen, was Glück bedeutet, vielleicht Liebe, Familie und Gemeinschaft?»

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Amuats Lou will keine Amour fou

Einen Lebensentwurf ohne leidenschaftliche Liebe hat Lou für sich skizziert. Dass sie damit nicht durchkommen wird, ist dramaturgisch bedingt klar. Trotzdem gelingt es Lisa Blatter mit ihrem Spielfilmdebüt, das Interesse 80 Minuten lang wach zu halten.

Man schaut der ebenso verletzlichen wie verletzenden Lou einfach gerne zu. Egal von welcher Seite sie sich zeigt – immer wirkt sie authentisch, immer voll präsent. Keine Frage: Lou ist bislang Liliane Amuats stärkste Rolle. Und das will etwas heissen. Schliesslich wurde die gefragte Schauspielerin soeben in Solothurn als beste TV-Darstellerin für ihren Part in «Lotto» ausgezeichnet.

Ab dem 23. März kann man Amuat zudem in der Kinokomödie «Der Frosch» bewundern. Nur einen Tag später wird in Genf der Schweizer Filmpreis verliehen: Liliane Amuat ist nominiert – als beste Darstellerin für ihre atemberaubende Performance in «Skizzen von Lou».

Kinostart: 02.02.2017